Wie hoch wird meine Pension? Wie können Eltern ihre Pension absichern? Welche Möglichkeiten gibt es für pflegende Angehörige? Das sind Fragen, die Ingrid Mairhuber, Pensionsexpertin bei der Forschungs- und Beratungsstelle Arbeitswelt Forba, im Rahmen des Projekts Trapez (Transparente Pensionszukunft) Frauen im Alter zwischen 30 und 55 Jahren gestellt hat. Im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" stellt Mairhuber fest, dass das Wissen um die eigene Pension und das Pensionssystem oft "erstaunlich gering ist - und zwar unabhängig vom Bildungshintergrund auch bei Akademikerinnen".

Frauenministerin Susanne Raab präsentiert auf der Trapez-Homepage nun drei Kurzvideos um Frauen zu informieren: "Der Grundstein für finanzielle Absicherung im Alter wird bereits im Erwerbsleben gesetzt." Mairhuber erklärt darüber hinaus, was das System selbst für Frauen wegen ihrer anderen Erwerbsverläufe, Kinderbetreuungs- und Pflegeauszeiten, im speziellen bereit hält.

Es gibt keine individuelle Mindestpension

"Dass der Pensionsunterschied groß sein wird, ist den Frauen bewusst", sagt Mairhuber. Tatsächlich zeigt sich, dass Männer im Durchschnitt bei der Neuzuerkennung einer Alterspenion 2232 Euro erhalten, Frauen aber 1133 - der Unterschied liegt also bei 49 Prozent. "Die Frauen empfinden das als große Ungerechtigkeit", sagt die Forba-Expertin. "Viele wissen, dass ihre Beiträge nicht groß sind, sagen aber, dann erhalte ich eben die Mindestpension." Mairhuber ist es deshalb wichtig zu betonen: "Es gibt in Österreich keine individuelle Mindestpension".

Mit der Ausgleichszulage von aktuell 966,65 Euro als Minimum dürfen nur alleinstehende Frauen rechnen. "Im Moment wird sie am häufigsten von Witwen bezogen, wo auch die Hinterbliebenenpension so gering ist, dass sie unter diesem Satz mit den eigenen Beiträgen landen", erläutert Mairhuber. Für jene mit Ehemann oder -frau mit Einkommen oder Pension, gibt es nur die am Pensionskonto sichtbare selbst erwirtschaftete Pension.

Beiträge während der Kindererziehung, Arbeitslosigkeit und Pflege

Was Frauen laut Mairhuber ebenfalls häufig erstaune, ist, dass während der Kindererziehungszeiten, bis zu vier Jahre Pensionsbeiträge pro Kind von einer fiktiven Bemessungsgrundlage auf das Pensionskonto fließen. 2020 liegt diese bei 1.922,59 Euro brutto zwölf Mal im Jahr, was einem Einkommen mit Urlaubs- und Weihnachtsgeld von rund 1650 Euro entspricht. "Diese Beiträge gibt es zusätzlich zu jenen aus einer Erwerbsarbeit während der Kinderbetreuungszeiten", sagt Mairhuber. Das bis zu vier Jahren erklärt sich so: Bei zwei Kindern, die im Abstand von zwei Jahren geboren werden, beginnt der Zeitraum neu zu laufen. In diesem Fall wären es also sechs Jahre mit zusätzlichen Pensionsbeiträgen. Hat man vier Jahre Abstand zwischen dem Nachwuchs wären es acht.

Versichern sich Frauen - Männer natürlich auch - während Pflegeauszeiten weiter, "bezahlt die öffentliche Hand für sie in die Pensionsversicherung ein". Und zwar ebenfalls Beiträge von den fiktiven 1922,59 Euro - ohne zeitliches Limit, sondern so lange die Pflege dauert. Seit 2014 gibt es zudem drei bis sechs Monate Pflegekarenz und -teilzeit. Während dieser Zeit schreibt die Pensionversicherung die Beiträge wie in Vollzeit gut. "Das gibt es bei Elternteilzeit nicht", bedauert Mairhuber. Nachsatz: "Das wäre aber sinnvoll." Individuell können sich Paare mit Kindern ihre Pensionsbeiträge mit dem Pensionssplitting neu aufteilen.

Während arbeitslosen Zeiten, beim Notstandshilfe- oder Krankengeldbezug, nicht aber Sozialhilfe und Mindestsicherung, übernimmt die öffentliche Hand ebenfalls Pensionsbeitragszahlungen - konkret sind es in der Arbeitslosen 70 Prozent vom letzten Einkommen als Bemessungsgrundlage, während des Notstands 64 Prozent.  "Das alles sind sehr positive Elemente unseres Systems, die die Menschen nicht kennen", stellt die Forba-Expertin fest. "Das fehlende Vertrauen ins System hängt häufig auch mit Nichtwissen zusammen."

Unabhängig von solchen systemischen Fragen können Frauen selbst ihre Pension nur mit einem höheren Lebenserwerbseinkommen sichern, "Lange Arbeitsunterbrechungen und gering bezahlte Teilzeit rächen sich später", sagt Mairhuber. Aufklärung sei deshalb wichtig.

Frauenministerin Raab: "Rechtzeitig Schritte gegen Altersarmut setzen"

Frauenministerin Susanne Raab rät Frauen jetzt in der Corona-Krise dazu, "rechtzeitig Schritte gegen Altersarmut zu setzen". In den neu veröffentlichten Videos erhielten Frauen und Männer mit Betreuungspflichten "leicht verständliche, informative Tipps", wie ihre Pension entsteht und wie sie geringere Beiträge, etwa während Elternkarenz oder Pflege, durch Möglichkeiten in der gesetzlichen Pensionsversicherung abfedern können. "Ich bin mir bewusst, dass für viele Frauen in Österreich derzeit andere Fragen im Vordergrund stehen, von der Arbeitsbelastung in systemrelevanten Branchen über Kurzarbeit und Angst um den Arbeitsplatz bis hin zur Kinderbetreuung und Angehörigenpflege. Dennoch kann gerade jetzt ein guter Zeitpunkt sein, um sich mit der eigenen Pension auseinanderzusetzen", betont die Frauenministerin.