In den Schulen werden von den Direktorinnen und Direktoren gerade die letzten Vorbereitungen für die Rückkehr der Schüler an den Pflichtschulen ab kommendem Montag getroffen. Im Bildungsministerium lässt Ressortchef Heinz Faßmann (ÖVP) gleichzeitig eine weitere Neuerung nach dem wochenlangen Heimunterricht ausarbeiten. Schüler, die Schwächen aufweisen oder beim Heimunterricht nicht für die Lehrer erreichbar waren, sollen in den Sommerferien ab etwa Mitte August bis zum Beginn des neuen Schuljahres Unterricht nachholen. Welche Schüler dies genau betrifft, wird noch geklärt, hieß es zur "Wiener Zeitung".


Fest steht für Faßmann, dass es diese Sommerschule in den letzten Ferienwochen geben wird. Das könnte für Schüler, die wegen sprachlicher Defizite Deutschförderklassen besuchen, gelten. Allerdings ist vorgesehen, dass in dieser Zeit vorrangig nicht Lehrer zum Einsatz kommen. Es ist daran gedacht, Lehramtsstudenten ab Mitte August dafür einzusetzen. Klarheit soll es noch im Laufe des Mai geben, wenn der reguläre Unterricht in den Klassen an Volks-, Mittel- und AHS-Unterstufen wieder angelaufen ist.

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90 Prozent unterrichten an Fenstertagen "freiwillig"

Der Bildungsminister hat bereits Ende April angekündigt, dass die beiden Fenstertage nach Christi Himmelfahrt und Fronleichnam, 22. Mai und 12. Juni, ebenfalls unterrichtet werde. Nach einem Kompromiss mit der Lehrergewerkschaft und um sich eine Gesetzesänderung zu ersparen, haben Minister und Lehrergewerkschafter gemeinsam an die Lehrer appelliert, "freiwillig" an diesen beiden Freitagen zu unterrichten. Nach dem Ministerrat am Mittwoch berichtete Faßmann, dass mehr als 90 Prozent der Schulstandorte nach dem Aufruf "freiwillig" unterrichten werden.

Nachdem Pädagogen und Schulleiter vor allem empört reagiert hatten, weil sie Ende April von Faßmann via Pressekonferenz zum Unterricht an den zwei Tagen vergattert worden waren, lobte der Ressortchef ausdrücklich deren hohe Bereitschaft: "Es ist eben doch Berufung und nicht Beruf, Lehrer zu sein."

Niederösterreich, Salzburg: Lehrer über 60 dienstfrei

Einer anderen Empfehlung des Bildungsministeriums für den Unterricht wird hingegen in den Bundesländern offensichtlich kaum nachgekommen. Das Ressort hat für die Bundesschulen mitgeteilt, dass nicht nur Lehrer, die allgemein als Risikopatienten eingestuft werden, vom Dienst freigestellt werden können, sondern auch Lehrer über 60 aufgrund ihres Alters über eigenen Antrag. Den für die Pflichtschullehrer zuständigen Ländern und Bildungsdirektionen wurde die Anwendung dieser Regelung empfohlen. Das löste sofort Proteste wegen einer Bevorzugung von Lehrern gegenüber anderen, älteren Beschäftigten über 60 Jahren aus. Nunmehr wird nach Kärnten, wo Landeshauptmann Peter Kaiser (SPÖ) dies prompt abgelehnt hat, auch Vorarlberg davon nicht Gebrauch machen. Auch in Wien, Oberösterreich, Tirol und in der Steiermark sollen Pflichtschullehrer über 60 Jahren nicht automatisch freigestellt werden. Niederösterreich und Salzburg werden hingegen diese Möglichkeit nützen. Die Sprecherin der AHS-Direktoren, die Niederösterreicherin Isabella Zins, wies aber darauf hin, dass von der Anwesenheit beim Unterricht freigestellte Lehrer für andere Tätigkeiten eingesetzt werden könnten.

Schulentwicklungsprogramm dem Ministerrat vorgelegt

Dem Ministerrat legte Faßmann ein Programm für die Schulentwicklung von 2020 bis 2030 vor. Mit einem Investitionsvolumen von 2,42 Milliarden Euro sollen innerhalb von zehn Jahren 270 Bauvorhaben umgesetzt werden. Die Schwerpunkte liegen bei der Sanierung von Schulgebäuden. Es werden aber vor allem in Ballungszentren wie in Wien etwa nördlich der Donau auch neue Schulgebäude errichtet. Grund dafür ist die hohe Zahl an Schülern mit Migrationshintergrund.