"Wir haben immer Gottesdienste gefeiert." Die Aussage von Pfarrer Christoph Goldschmidt aus dem Weinviertel kommt überraschend. Schließlich ist der Besuch von Gottesdiensten in Kirchen oder auch des Freitagsgebets in Moscheen erst ab dem heutigen Freitag nach den seit Mitte März geltenden Einschränkungen wieder erlaubt. Des Rätsels Lösung: In der Pfarre Laa an der Thaya wurden Gottesdienste in den vergangenen Wochen mittels Livestream übertragen. Jetzt freut sich Pfarrer Goldschmidt zwar darüber, dass Gläubige wieder in die Vitus-Kirche kommen dürfen. Er ist aber gespannt, wie viele tatsächlich kommen werden, weil vor allem ältere Menschen weiter vorsichtig sein müssen.

Auflagen für alle 16 Religionsgemeinschaften

Nicht nur in Laa an der Thaya, wo vier Pfarren zu einem Verband zusammengeschlossen sind, sind von den Katholiken Vorkehrungen für die Öffnung für Gottesdienste getroffen worden. Die Auflagen sind von der für das Kultusamt zuständigen Ministerin Susanne Raab (ÖVP) bereits Ende April mit allen 16 in Österreich anerkannten Religionsgemeinschaften vereinbart worden, also etwa auch für Muslime. Manche Auflagen sind seit einigen Wochen bekannt: Für jeden Messbesucher müssen zehn Quadratmeter in Kirchen zur Verfügung stehen, ein Mindestabstand von einem Meter und Maskenpflicht außer für Kinder unter sechs Jahren sind vorgeschrieben.

Für die Pfarrkirche in Laa an der Thaya bedeutet dies, dass maximal 87 Personen an der Messe teilnehmen dürfen, wie Pfarrer Goldschmidt im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" erläutert. Zu den Vorschriften gehört auch, dass die Religionsgemeinschaften selbst dafür sorgen müssen, dass die Maximalanzahl nicht überschritten wird. "Wir machen das mit Anmeldung", sagt der Pfarrer aus Laa an der Thaya, das zur Erzdiözese Wien gehört. Drei Pfarrgemeinderäte haben sich für den Ordnerdienst bereit erklärt, um die Einhaltung der Auflagen zu gewährleisten. Sonst steht die Kirche grundsätzlich offen.

Die Bischofskonferenz mit ihrem Vorsitzenden, dem Wiener Erzbischof Christoph Kardinal Schönborn, hat Regeln für die Abhaltung der Gottesdienste erlassen. Selbst das Singen und Beten ist bei den Gottesdiensten eingeschränkt. Beides sei im Kirchenraum "auf ein Minimum" zu reduzieren, um einer etwaigen Tröpfcheninfektion mit dem Coronavirus vorzubeugen. In Laa bedeutet dies, dass Lieder auf die Hälfte reduziert werden. In der Weinviertler Pfarre mit rund 3700 Mitgliedern behilft man sich teilweise, indem eine Jugendband musiziert. Auch damit wird den Regeln der Bischofskonferenz und der Erzdiözese Wien entsprochen. Denn erlassen wurde: "Zur musikalischen Gestaltung können kleine Ensembles wie Vokalgruppen, Bläser in kleiner Besetzung oder eine Band beitragen."

Weihwasser gibt es nicht, die Kommunion kann aber unter Einhaltung besonderer Hygienevorschriften in Laa an der Thaya empfangen werden. Die Erlaubnis zur Öffnung bedeutet nicht automatisch, dass davon in allen katholischen Pfarren Gebrauch gemacht wird. Erst am Mittwoch dieser Woche wurden auch ergänzend Regeln für Gottesdienste im Freien erlassen. Vor allem wurde festgelegt, dass Größe und Zusammensetzung der Gläubigenschar "in etwa der üblichen Gottesdienstgemeinde entsprechen sollen". Damit soll vermieden werden, dass aus Gottesdiensten im Freien "überregionale Großveranstaltungen" werden, wie die Bischofskonferenz klarstellte.

Pummerin läutet zu "65 Jahre Staatsvertrag"

Wichtig sind die Vorschriften speziell für Fronleichnam am 11. Juni und die Umzüge an diesem Feiertag. Die sonst übliche Form der Prozession könne angesichts der neuen Gottesdienst-Richtlinien heuer nicht stattfinden, wird von der Bischofskonferenz betont. Eine Prozession sollte, wenn möglich, nur mit einer Station und "nur in schlichter Form" unter Einhaltung der Schutzmaßnahmen wie dem Mindestabstand durchgeführt werden.

Die Öffnung erlaubt auch, dass heute, Freitag, um 18 Uhr im Wiener Stephansdom ein "Österreich ist frei"-Gottesdienst mit Dompfarrer Toni Faber stattfinden kann. Auch im Dom gilt eine Begrenzung für Gottesdienstbesucher. Im Anschluss läutet die Pummerin zum 65. Jahrestag der Unterzeichnung des Staatsvertrages.

Auch der evangelische Bischof Michael Chalupka begrüßte die Lockerungen. Immerhin könnten nun wieder Gottesdienste "in verantwortlicher Weise" gefeiert werden.