Viel Aufwand für wenig Publikum, das ist das Fazit der gemeinsamen Pressekonferenz von Vizekanzler und Kulturminister Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober. Aber: "Die Welt ist nicht mehr die gleiche wie vor der Pandemie", sagte Kogler. "Wir müssen mit dem Virus leben und lernen, wie man es austrickst."

Die immer stärker geforderte Wiederöffnung der Kultur ist aufgrund der in Österreich laut Anschober gut bewältigten Corona-Krise (ab Samstag voraussichtlich unter 1000 aktiv Erkrankten, keine negativen Auswirkungen der Öffnungen am 14. April und 1. Mai) schneller möglich als angenommen. Aber es gilt, Vorsicht walten zu lassen. Daher werden die Schritte, so Anschober, in den Abständen der Inkubationszeit und der Evaluierung eventueller Neuinfektionsfälle vollzogen.

Vizekanzler Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober präsentierten die Kultur-Pläne. - © APAweb / Christopher Dunker
Vizekanzler Werner Kogler und Gesundheitsminister Rudolf Anschober präsentierten die Kultur-Pläne. - © APAweb / Christopher Dunker

"Es wird Kreativität brauchen"

Hoffnung und Perspektive geben, darauf, dass man wieder an etwas teilnehmen kann, darum geht es laut Kogler bei der schrittweisen Wiederöffnung. Kunst und Kultur seien schließlich relevanter Lebensbereiche und wesentliche Wirtschaftsfaktoren. Die Kunst- und Kulturschaffenden sollen schneller wieder arbeiten können und dadurch Einkommensmöglichkeiten zurückerhalten.

Allerdings: "Es wird Kreativität brauchen, um vorwärts zu kommen", sagte Kogler. Es kommt auf die Kulturveranstaltung an, was und wieviel möglich ist. Zuschauerräume oder Orchestergräben seien etwas Anderes als weiträumige Museen. Koglers Grundsatz: "Soviel wie möglich zulassen, so wenig wie möglich einschränken." Mehr Eigenverantwortung und Freiwilligkeit seitens der Veranstalter wird unabdingbar sein.

Ein bis in die Details ausgearbeiteter Plan könne vorerst freilich immer noch nicht vorgelegt werden, da alles in kleinen, kontrollierten Schritten vollzogen werden müsse. Immerhin gibt es jetzt einen groben Rahmen, der im Bedarfsfall verändert wird. In der kommenden Woche soll er mit den Betroffenen diskutiert und am 25. Mai in eine Verordnung gegossen werden.

Stufenplan der Öffnung

Und so sieht der Plan in der Präsentation Anschobers aus: Out- und Indoor-Veranstaltungen mit Sitzplätzen werden möglich sein. Grundsatz bleibt ein Abstand von mindestens einem Meter von Sitzplatz zu Sitzplatz. Ab 29. Mai sind Veranstaltungen mit bis zu 100 Personen möglich, ab 1. Juli mit bis zu 250 Personen und ab 1. August mit bis zu 500 Personen, mit einem einzureichenden Sicherheitskonzept auch bis zu 1000 Personen.

Jeder Veranstalter hat einen Corona-Beauftragten. Eine individuelle Risikoanalyse ist zu machen, die entsprechende Checklist wird sich auf der Homepage des Gesundheitsministeriums finden. Die Steuerung der Besucherströme, Ein-, Auslass und Desinfektion obliegt im Rahmen der Bedingungen der Eigenverantwortung der Veranstalter.

Wie ein Theater-Probenbetrieb, wie Filmaufnahmen und Orchesterproben (und Opern- und Konzertaufführungen) stattfinden können und wie der Kulturbetrieb ab 1. September weiter hochgefahren werden kann, soll in in der nächsten Zeit möglichst schnell Gesprächen mit den Veranstaltern koordiniert werden.

Was bedeuten die Vorschriften nun konkret? – Die Veranstalter werden für sehr wenig Publikum spielen müssen und damit auch für sehr wenige Einnahmen. Aber jedes auch noch so vorsichtige Wiedererblühen von Live-Kulturveranstaltungen ist ein zarter Hoffnungsschimmer in dunklen Zeiten. (eb)