Nach einem Bericht des Nachrichtenmagazins "profil" mit neuen Vorwürfen gegen die Tiroler Behörden in Sachen Ischgl schießen SPÖ und FPÖ auf Landes- und Bundesebene aus allen Rohren gegen die politisch Verantwortlichen. "Landeshauptmann Platter steht nun massiv unter Druck. Das Behördenversagen wird immer deutlicher", meinte SPÖ-Chef Georg Dornauer. Die Bundes-FPÖ prüft laut eigenen Angaben eine Anzeige gegen das Land Tirol.

Laut dem Bericht sollen das Land und die zuständige Bezirkshauptmannschaft Landeck einen Erlass des Gesundheitsministeriums von Ende Februar missachtet haben, wonach alle engen Kontaktpersonen von Corona-Infizierten per Bescheid für 14 Tage in Heimquarantäne zu schicken seien. Das Land wies jede Missachtung von sich.

Die Heimquarantäne wäre laut dem Erlass unabhängig davon fällig gewesen, ob die betreffenden Personen Symptome zeigen oder nicht. Dies hätte somit alle engen Kontaktpersonen jener 14 Isländer betroffen, die nach ihrer Rückkehr aus Tirol positiv auf das Coronavirus getestet worden waren und über die die Tiroler Behörden am 5. März informiert wurden. Eben diese Unter-Quarantäne-Stellung sei aber nicht geschehen, so das "profil" am Samstag in seiner Online-Ausgabe.

"Home of Wahnsinn"

In seiner Kritik am Tiroler Landeschef sparte SPÖ-Chef Dornauer nicht mit kräftigen Worten. Er ortete einen "Home of Wahnsinn", der im Tiroler Landhaus vonstattengegangen sei. Er fühle sich in seinem "scharfen Kurs" gegen "Platter, Bundeskanzler Kurz und Co." zu 100 Prozent bestätigt. Die politische Verantwortung müsse im Herbst in einem Sonderlandtag geklärt werden, so Dornauer, der eine "politische Neuordnung" in einigen Monaten in Tirol nicht mehr ausschließt.

Dornauers Parteikollege und Gesundheitssprecher Philip Kucher, nahm indes auch Schwarz-Grün im Bund und das Gesundheitsministerium ins Visier. Das Ministerium hätte zusätzlich zum Erlass von Ende Februar "aktiv werden müssen", kritisierte Kucher in einer Aussendung. "Einfach nur zuschauen und sich jetzt abputzen, das geht gar nicht", meinte der Nationalratsabgeordnete und kündigte eine parlamentarische Anfrage an. "Es gibt viele offenen Fragen rund um die Causa Ischgl und alle Verantwortlichen wollen sich jetzt abputzen und ihr Versagen jemandem anderen zuschieben - vom Bund zum Land, von dort zur Bezirkshauptmannschaft, von dort zum Bürgermeister, bis am Schluss die Gäste selber schuld sind. Das werden wir nicht zulassen", so Kucher.

"Erdrückende Beweislast"

FPÖ-Vizeklubchefin Dagmar Belakowitsch sah nun einen "Punkt erreicht, an dem man nicht mehr länger zusehen" könne. Sie forderte Konsequenzen angesichts der "erdrückenden Beweislast" und kündigte die Prüfung einer Anzeige gegen das Land Tirol und seine Entscheidungsträger "wegen Körperverletzung oder Gemeingefährdung" an. Tirols FPÖ-Chef Markus Abwerzger sah Landeshauptmann Platter "immer mehr unter Druck" und einen "politischen Kriminalfall" heraufdröhnen. "Man hat Personen nicht als Verdachtsfälle eingestuft, obwohl es dazu mehr als Anhaltspunkte gegeben hat. Die Warnungen der isländischen Behörden wurden einfach ignoriert, und in Tirol meinen doch tatsächlich die Verantwortlichen immer noch, sie hätten alles richtiggemacht", erklärte Abwerzger.

Nur mehr 44 Infizierte in Tirol

In Tirol sank die Zahl der Corona-Infizierten am Samstag weiter und unterschritt die 50er-Grenze: Nur mehr 44 Menschen waren mit Stand Samstagabend erkrankt - einen Tag zuvor waren es noch 53. Innerhalb der vergangenen 24 Stunden kam kein weiterer Erkrankter hinzu, neun Personen waren hingegen wieder genesen. Insgesamt 3382 Menschen galten als geheilt. Mit Stand Samstagvormittag waren nur mehr 20 Corona-Patienten im Bundesland in Spitalsbehandlung, neun davon auf Intensivstationen.

Deutlich zeigt sich die geringe Anzahl an Corona-Fällen etwa in der Landeshauptstadt Innsbruck: Nur mehr fünf Menschen waren dort erkrankt. Im ebenfalls bevölkerungsreichen Bezirk Innsbruck-Land waren es drei. 107 Personen starben in Tirol bisher mit oder an einer Covid-19-Erkrankung.neun davon auf Intensivstationen. (apa)