Überschattet von der am Montag beginnenden Zentralmatura kommt es zu Reibungen zwischen Bildungsminister Heinz Faßmann und den Schuldirektoren, bei der auch Funken fliegen. Nach einer Aussprache mit dem Generalsekretär des Ressorts, Martin Netzer, und der Zusage von Vereinfachungen bei einem neuen Monitoring im Zusammenhang mit den Corona-Erkrankungen kam es zwar mit Vertretern der AHS-Direktoren zu einem Einvernehmen. Gleichzeitig bleibt aber der Unmut bei Schulleitern aufrecht, wie aus einem der "Wiener Zeitung" vorliegenden Schreiben der Wiener Leitervertretung an Pflichtschulen hervorgeht. Darin wird gerade in der Zeit bis zum Schulschluss mit Nachdruck zu "vorausschauender Unterstützung" aufgerufen.

Auslöser der Verärgerung in den Schulleitungen war ein kurzfristig vom Bildungsministerium veranlasstes zusätzliches wöchentliches Monitoring zu den genauen Corona-Auswirkungen im Schulbetrieb an jedem Standort. Die erste Erhebung muss bis Montag, 25. Mai, abgeliefert werden. Bei diesen Erhebungen sollen wöchentlich Fragen beantwortet werden, etwa wie viele Kinder zur Schule kommen oder betreut werden müssen. All das dient, wie im Bildungsministerium erläutert wird, einerseits der Schulentwicklung und andererseits dem Gesundheitsschutz.

Nach einem Protest von AHS-Direktoren mit deren Bundessprecherin Isabella Zins und auch der BMHS-Direktoren kam es am Mittwoch dieser Woche zu einer Aussprache mit Spitzen des Ministeriums. Dabei wurden Erleichterungen und damit Entlastungen für die Schulleitungen zugesagt. Das Ministerium habe sofort reagiert, betont Zins im Gespräch mit der "Wiener Zeitung", man sei jetzt "eingegliedert" worden. Umgekehrt signalisiert sie nun Verständnis für das neue Monitoring: "Wir haben verstanden, dass es wirklich notwendig ist."

Monitoring ist für Ministerium "unverzichtbar"

Im Büro von Bildungsminister Faßmann wird als Begründung für die Erhebungen angeführt, dass mit dem Hochfahren des Schulbetriebs stufenweise seit 4. Mai weiter eine "außergewöhnliche Situation" gegeben sei. Jedes große Unternehmen müsse wissen, wie viele Bedienstete, in diesem Fall Lehrer, am Arbeitsplatz seien und wie das aktuelle Modell mit Schichtbetrieb an den Pflichtschulen seit 18. Mai angenommen werde. Für den Bildungsminister führt aber kein Weg an den Erhebungen vorbei. Diesbezüglichen gab und gebe es Gespräche mit den Bildungsdirektionen in den Bundesländern, um den Arbeitsaufwand zu reduzieren, heißt es. Man sei sich bewusst, dass dies einen Zusatzaufwand für die Schulen bedeute, wird außerdem im Ministerium eingeräumt. Es sei "aber unverzichtbar, diese Daten zu erheben".

Die Gründe für die Konfrontation und das angespannte Klima zwischen Schulleitungen und Lehrern auf der einen Seite und Bildungsminister Faßmann und den Bildungsdirektionen in den Bundesländern auf der anderen Seite gehen aber über den aktuellen Anlassfall weit hinaus. Das bestätigt nicht nur AHS-Direktorenvertreterin Zins: "Das war der Punkt, der das Fass zum Überlaufen gebracht hat." Noch deutlicher äußert sich der Unmut in einem Brief der Leitervertretung an den Wiener Pflichtschulen in dieser Woche. Man sei sich bewusst, dass in besonderen Zeiten auch besondere Maßnahmen notwendig seien, wird darin einleitend betont. "Doch je länger die Situation andauert, umso mehr stoßen wir an die Grenzen des Machbaren und des Zumutbaren!", wird danach unmissverständlich gewarnt. Alle Direktoren würden deswegen um rechtzeitige Informationen und keine kurzfristigen Änderungen bitten.

"Oft bis an die Grenzen gearbeitet"

Direktorinnen und Direktoren hätten in den vergangenen Wochen vor allem wegen der Corona-Sondersituation "oft bis an ihre Grenzen gearbeitet". Die Datenerhebung solle zumindest auf ein "sinnvolles Minimum vereinfacht" werden. Daran schließt eine generelle Warnung vor weiteren Belastungen an. Es sei "gerade jetzt vor Schulschluss an der Zeit, wo trotz des Ausnahmezustandes aufgrund von Covid-19 bereits viele Vorbereitungen für das kommende Schuljahr zu erledigen sind, die Schulleitungen durch rechtzeitige Informationen und klare Vorgaben aus der Bildungsdirektion vorausschauend" zu unterstützen statt zeitraubende Abfragen zusätzlich erledigen zu müssen. Auch den Zentralausschuss der Lehrer an Wiener Pflichtschulen mit dem Vorsitzenden Thomas Krebs appellierte in einer Stellungnahme, Schulleitungen und Lehrer "nicht zu überlasten".

AHS-Direktorenvertreterin Zins schlägt in die gleiche Kerbe. "Die Belastung der Direktoren ist so schon nicht einfach", sagt sie, "wir können auch schon bald nicht mehr." Dabei verweist sie unter anderem auch auf die Vorbereitungen für die am Montag beginnende Zentralmatura für insgesamt rund 40.000 Schülerinnen und Schüler. Am Dienstag steht dabei die Deutschmatura österreichweit auf dem Kalender. Dafür habe etwa alles hergerichtet werden müssen, weil wegen des coronabedingten Sicherheitsabstandes viel mehr Räume notwendig seien.