Es gibt noch schulpolitische Weichenstellungen abseits der Corona-Krisenbewältigung. Nach langen Diskussionen hat Bildungsminister Heinz Faßmann Ende der Vorwoche den Gesetzesentwurf für den Ethikunterricht ab der 9. Schulstufe zur Begutachtung ausgeschickt. Der Unterricht soll ab dem Schuljahr 2021/22 gelten. Am Ethikunterricht müssen Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen oder ohne Religionsbekenntnis sind, teilnehmen.

Der türkis-grüne Regierungspakt sieht vor, dass der reguläre Religionsunterricht aufrecht bleibt. Sonst gilt ab 2021/22 als Alternative der Ethikunterricht für Schüler zum Nachdenken über unterschiedliche philosophische, kulturelle und weltanschauliche Traditionen, wird im Bildungsressort erläutert.

Schon seit den 1990er-Jahren werden Ethik-Schulversuche durchgeführt. An 233 Schulstandorten aller Schulen der Sekundarstufe zwei wurde bereits Ethik als Schulversuch unterrichtet , das ist ein Drittel aller Standorte.

Kritiker nehmen Grüne in die Pflicht

Die Kritiker wollen aber noch nicht aufgeben. Vertreter des Volksbegehrens "Ethik für alle" wehren sich gegen einen "Zwangsethikunterricht" nur für Schüler, die keinen Religionsunterricht besuchen. Die Regierungsvorlage sehen sie als Diskriminierung.

Die Gegner nehmen speziell die Grünen in die Pflicht, die "dort weitermachen, wo die FPÖ vor einem Jahr ibizabedingt aufhören musste", wird in einer Aussendung beklagt. Zugleich wird die Vorgangsweise kritisiert, weil das neue Gesetz "im Schatten der Corona-Krise durchgepeitscht" werde.