Für den Italien-Fan Rudi Anschober war es ziemlich hart. Für sieben Nachbarstaaten Österreichs öffnen sich schon ab dem heutigen Donnerstag die Grenzbalken - aber "Buon giorno" wird es für österreichische Reisende vorerst noch nicht heißen. Denn ausgerechnet für das von der Corona-Pandemie besonders schwer getroffene Italien gilt die Öffnung noch nicht. Zumindest wollte der grüne Gesundheitsminister eine Grenzöffnung für bestimmte Regionen in Italien nach dem 15. Juni "nicht ausschließen". Damit lässt sich Österreichs Bundesregierung jedenfalls für Reisen nach Südtirol eine Tür offen. Wie das die Landepolitik diesseits und jenseits des Brenners gewünscht hat.

Für die Nachbarländer Deutschland, die Schweiz, Liechtenstein, Slowenien, Ungarn, die Slowakei und Tschechien wird sich der Grenzbalken ab nun nach den Reisebeschränkungen seit Mitte März öffnen. "Das ist kein gegen Italien gerichteter Beschluss", beeilte sich Außenminister Alexander Schallenberg (ÖVP) beim mittwöchigen Pressefoyer nach dem Ministerrat mit dem Gesundheitsminister festzustellen.

Regionale Öffnung für Italien wird geprüft

Schallenberg betonte außerdem in Richtung Südtirols, dass man die Vorschläge aus Bozen für eine regionale Öffnung "sehr ernsthaft erwägen" werde. Grundsätzlich versicherte der Außenminister: "Das ist der erste Schritt in Richtung Reisefreiheit." Bei der Einreise fallen damit Corona-Tests und Quarantänemaßnahmen weg.

Auch der Gesundheitsminister gab sich nach der Regierungssitzung im Bundeskanzleramt demonstrativ diplomatisch. Österreich und die Nachbarstaaten hätten sehr große Fortschritte gemacht. Selbst einzelne italienische Regionen hätten inzwischen Corona-Fallzahlen, die mit Österreich vergleichbar seien. Selbst für die italienische Krisenregion der vergangenen Monate schlechthin kehrte Italo-Fan Anschober das Positive ausdrücklich hervor: "Auch die Lombardei ist auf einem guten Weg." In manchen Regionen sei aber die gesundheitliche Situation "nicht unproblematisch". Die Gesundheit habe aber seit Monaten oberste Priorität, sagte der Gesundheitsminister.

Italien ist bereits seit einiger Zeit bemüht, sich wieder als interessantes Urlaubsland darzustellen. Schließlich ist der Tourismus in dem krisengebeutelten südlichen Nachbarland ein ganz wichtiger wirtschaftlicher Faktor für einen Aufschwung. Umgekehrt ist für viele Österreicher ein Aufenthalt an der oberen Adria in Jesolo, Lignano oder Caorle der Inbegriff eines Urlaubs am Meer und von dolce far niente.

Einen Zeitpunkt, wann auch die Grenze zu Italien wieder geöffnet werden dürfte, konnten die beiden Minister allerdings auch auf Nachfragen nicht nennen. Das Problem für Österreichs Regierung und ihren Expertenstab ist, dass sie noch keinen Weg gefunden hat, wie eine Abgrenzung erfolgen kann, indem festgestellt wird, aus welcher italienischen Region ein Reisender künftig kommt. Etwa mit einer Bestätigung des Hotels, in dem jemand gewohnt hat.

Appell an die Verantwortung
der Reisenden

"Das Coronavirus ist nicht auf Urlaub", sagte der Gesundheitsminister. Anschober und Schallenberg hoben deswegen ausdrücklich hervor, dass angesichts des nach wie vor existierenden Coronavirus Reisen sehr, sehr eng mit Verantwortung verbunden sei. Das betrifft unter anderem auch, sich rechtzeitig und ausführlich über die geltenden Gesundheitsvorschriften zu informieren. Es handle sich daher um einen "Appell zur Eigenverantwortung".

Italien öffnet die Grenzen
für EU-Angehörige

Italien hat seine Grenzen für Urlauber geöffnet. Seit Mittwoch gilt für Menschen aus EU-Ländern sowie Großbritannien, Norwegen und der Schweiz wieder die Reisefreiheit. Eine zweiwöchige Quarantäne für Ausländer, die nach Italien einreisen, wurde abgeschafft. Und die Italiener selbst dürfen auch wieder unbeschränkt zwischen den 20 Regionen des Landes reisen. Schon am Mittwoch kam es deshalb zu einem starken Zuwachs des Verkehrs auf den Autobahnen.

Tschechien und die Slowakei haben in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag gegenseitig ihre gemeinsame Grenze geöffnet. Damit kehren sie zu dem Zustand vor der Coronavirus-Krise zurück.

Unterdessen beschloss Deutschland am Mittwoch, die Reisewarnung für 29 europäische Länder mit 15. Juni aufzuheben, falls die weitere Entwicklung der Pandemie es zulässt. Voraussetzung sei aber, dass es in den Zielstaaten keine Einreiseverbote und großflächigen Ausgangssperren mehr gebe, sagte Außenminister Heiko Maas (SPD).

Großbritannien verschärft hingegen seine Einreisebestimmungen. Ab Montag müssen sich Menschen, die ins Land einreisen, in eine 14-tägige Quarantäne begeben.

Urlauber auf Island können sich ab 15. Juni bei der Einreise auf das Coronavirus testen lassen - eine Alternative zur seit April vorgeschriebenen 14-tägigen Quarantäne.