An Forschern der Technischen Universität Wien liegt es nun federführend, die Ursachen für den Einsturz der neuen noch nicht für den Verkehr freigegebenen Brücke beim Bau der Umfahrung im niederösterreichischen Wieselburg zu untersuchen. Nach dem aus vorerst ungeklärter Ursache erfolgten Brückeneinsturz im Bezirk Scheibbs hat der niederösterreichische Straßendienst eine externe, unabhängige Expertenkommission eingerichtet, die noch am Montagvormittag ihre Arbeit aufgenommen hat. Für die Autofahrer im Raum Wieselburg bleibt die Frage, ob der Einsturz eine Verzögerung der Verkehrsfreigabe zur Folge hat.

Für die ausführenden Bauunternehmen bleibt zunächst Ungewissheit. Das kann dauern. Wie sich erst heuer mit Geldbußen für Ingenieure und Techniker nach dem Einsturz einer in Bau befindlichen Brücke der Brucker Schnellstraße in der Steiermark, der 2015 passiert ist, gezeigt hat.

Mehrere Jahre haben in der Steiermark die Ermittlungen und Gutachten gedauert, bis im Dezember des Vorjahres der Prozess wegen des Brückeneinsturzes am 21. Februar 2015 eröffnet worden ist, der heuer nach fast fünf Jahren mit Diversion für die Beschuldigten geendet hat.

Geldbußen nach Einsturz in der Steiermark

Richter Andreas Biegl sprach dabei von einem "Brückenwunder". Denn die in Bau befindliche Brücke auf der Schnellverbindung zwischen der steirischen Landeshauptstadt Graz und der Bezirksstadt Bruck an der Mur brach nur wenige Sekunden vor der Durchfahrt eines Personenzuges ein und fiel auf ÖBB-Gleise. Diesem Umstand war es letztlich zu danken, dass zwar der Sachschaden in die Millionen ging, aber keine Todesopfer zu beklagen waren.

Angeklagt wegen fahrlässiger Gemeingefährdung wurden schließlich sieben Techniker, 27 Firmen waren am Bau und der Planung der Brücke bei Frohnleiten beteiligt. Am zweiten Prozesstag endete das Verfahren am Bezirksgericht Graz-West mit Diversionen und Geldbußen zwischen 11.850 und 37.800 Euro. Die Beschuldigten übernahmen die Mitverantwortung für den Einsturz der Brücke. Der Vorteil für die Angeklagten: mit einer Diversion galten sie weiterhin als nicht vorbestraft. Mit dieser Entscheidung ersparte man sich außerdem einen langwierigen und kostspieligen Prozess.

Nach dem Zusammenbruch der Brücke bei Wieselburg mit einer Stützweite von 25 Metern, die bereits seit einem Jahr fertig ist, aber noch nicht für den Verkehr zur Verfügung gestanden ist, sind die Fachleute erst am Beginn der Klärung der Ursache. Fachleute für Betontechnologie, Statik und Bodenbeschaffenheit sind im Einsatz. Wie vor fünf Jahren in Frohnleiten gab es nach dem Stand vom Montag keine Verletzten. Suchhunde waren laut Polizei aber auf alle Fälle nochmals im Einsatz.

Erinnerungen an Einsturz der Reichsbrücke

Eine unmittelbare Konsequenz in Niederösterreich war, dass eine zweite, baugleiche Brücke umgehend für den Baustellenverkehr und den Wirtschaftsverkehr, der unterhalb durchrollte, gesperrt worden ist. Damit nicht genug: Es sollen jetzt alle Brückenbauten an der Umfahrung Wieselburg einer solchen Überprüfung unterzogen werden. Die Arbeiten im Baustellenbereich außerhalb der eingestürzten Brücke wurden fortgesetzt. Ob sich der Fertigstellungstermin für die Umfahrung Wieselburg verzögert, ist vorerst offen.

Im Ausland hat in den vergangenen Jahren vor allem der Einsturz der Morandi-Brücke in Genua am 14. August 2018 über Italien hinaus für Aufsehen gesorgt. Ein gut 200 Meter langes Teilstück der vierspurigen Autobahn riss Autos in die Tiefe, 43 Menschen sind gestorben.

Wenn in Österreich von Brückeneinsturz die Rede ist, werden sofort Erinnerungen an den Einsturz der Reichsbrücke in Wien am 1. August 1976 wach. Das Glück im Unglück bestand damals darin, dass die Reichsbrücke an einem Sonntag kurz vor fünf Uhr früh in die Donau krachte. Nur vier Fahrzeuge waren zu dem Zeitpunkt auf der Reichsbrücke, ein Mann starb. Laut einem Gutachten war der Einsturz nicht vorherzusehen. In einen Betonpfeiler war Wasser eingedrungen und hatte Risse zur Folge. Das darauf befindliche Brückenlager gab dann nach.