Es kommt beinahe so überraschend wie Hagel und prasselt auf die Schulleitungen auch so heftig wie Hagel herab. Bildungsminister Heinz Faßmann hat jetzt in einem zweiten Schreiben an Schuldirektorinnen und -direktoren überraschend bereits die Standorte für die zweiwöchigen Sommerschulen am Ende der Sommerferien bekanntgegeben. Die Liste für die Bundeshauptstadt liegt der "Wiener Zeitung" vor. Das kommt insofern überraschend, weil es erst Ende letzter Woche geheißen hatte, Schulen könnten sich freiwillig als Standorte melden. Neu ist außerdem, dass die Frist, bis zu der Eltern die Schüler für die Sommerschule anmelden können, von 15. Juni auf 22. Juni verlängert wurde. Die Bildungsdirektion muss dann die Anmeldung bis 29. Juni bestätigen.

In Wien sind insgesamt 25 Volksschulen als Standorte für die Sommerschule vorgesehen, wie aus der Liste des Bildungsministeriums hervorgeht. Dazu kommen insgesamt zehn Standorte für Schüler in Mittelschulen und AHS-Unterstufen. Dabei ist auffallend, dass die Standorte durchwegs an AHS sind, während üblicherweise Schüler an Mittelschulen einen höheren Förderbedarf haben. Die Sommerschulen, die in Wien am 24. August beginnen und bis 4. September dauern, sind gemäß der Empfehlung des Bildungsministers für 6- bis 14-jährige Mädchen und Burschen mit Problemen in Deutsch, die im laufenden Schuljahr ein Nicht Genügend haben oder zwischen Genügend und Nicht Genügend stehen. Die Teilnahme ist freiwillig. Aber für Schüler, die angemeldet werden, herrscht dann an den Sommerschulstandorten Anwesenheitspflicht von 8 bis 12 Uhr.

Bildungsexperten äußern Bedenken

Von Bildungsexperten sind Mittwochfrüh im Ö1-"Morgenjournal" Bedenken bezüglich der Sommerschulen geäußert worden, auch wenn deren erstmalige Durchführung begrüßt wird. Einerseits wird beklagt, dass die Sommerschule nur auf den Deutschunterricht abzielt. Andererseits gibt es Zweifel, ob vor allem die Information über diese neue Möglichkeit gerade bei jenen Migranten-Eltern ankommt, deren Kinder im Regelfall häufiger Schwierigkeiten mit Deutsch haben.

Das Bildungsministerium hat auch deswegen einen eigenen Elternbrief an die Schulleitungen mitgeschickt. In diesem wird auf die Gelegenheit zur Verbesserung der Deutschkenntnisse in den Sommerschulen hingewiesen und auf die Anmeldefrist bis 22. Juni. Als Begründung wird der ab Mitte März notwendige Heimunterricht wegen der Corona-Erkrankungen angeführt, der die Vorbereitung auf das kommende Schuljahr 2020/21 erschwert habe.

Unklarheiten um Details der Abgeltung

Für die Schulleitungen bleiben dennoch Fragezeichen vor allem wegen der Bezahlung der Lehrer. Zwar sollen vor allem Lehramtsstudenten den Unterricht in den Sommerschulen gestalten. Pädagogen wird aber ausdrücklich aufgefordert, sich freiwillig zu melden. Allein aus organisatorischen Gründen wird es notwendig sein, dass Lehrer an den Schulstandorten mithelfen. In dem Schreiben Faßmanns an die Schulleitungen wird zwar zugesichert, "die Abgeltung erfolgt in Form von Mehrdienstleistungen". Wie diese aber konkret aussieht, bleibt aber offen, was die Bereitschaft zur freiwilligen Meldungen beeinflussen könnte.

Der Bildungsminister ist bemüht, Schulleitungen und Pädagogen am Ende seines Briefes zu motivieren: "Gemeinsam können wir erreichen, dass die Sommerschule ein Erfolg wird, der den weiteren Bildungsweg Ihrer Schülerinnen und Schüler nachhaltig stärkt." Er sage jedenfalls vielen Dank für den Direktorinnen und Direktoren vielen Dank für den "wertvollen Beitrag" zum Gelingen der Sommerschule 2020.