Im Schatten der heuer wieder schlechter ausgefallenen Mathematik-Klausuren bei der Zentralmatura an den AHS stehen die umgekehrt guten Ergebnisse an den berufsbildenden höheren Schulen (BHS). Dort wurden heuer so viele Einser wie noch nie verzeichnet - insgesamt besser waren die BHS-Maturanten bei der Prüfung nur 2017.

Die Zentralmatura an den BHS wurde 2016 eingeführt. Heuer wurden laut dem vorläufigen Auswertungsstand (rund 50 Prozent) mit 13 Prozent so viel "Sehr Gut" wie noch nie auf die Klausuren verteilt. Das geht sogar so weit, dass (anders als an den AHS) nach Einbeziehung der Zeugnisnoten mit 11,9 Prozent doch um einige Schüler weniger einen Einser im Maturazeugnis stehen haben. Das bedeutet, dass diese zwar einen Einser auf die schriftliche Matura bekommen haben, im Zeugnis der Abschlussklasse aber bestenfalls einen Dreier gehabt haben.

Insgesamt bessere Klausurergebnisse gab es an den BHS nur 2017: Damals wurden zwar etwas weniger Einser (elf Prozent) verzeichnet, aber doch deutlich weniger Fünfer (2017: 8,6 Prozent, 2020: 14,3 Prozent).

Betrachtet man (nach der heuer erstmals erfolgten Einberechnung der Zeugnisnote) nur das Maturazeugnis, liegt der heurige Matura-Jahrgang an den BHS vor den Kompensationsprüfungen überhaupt auf Kurs, der bisher beste zu werden. Im Vergleich zu 2017 gibt es voraussichtlich etwas mehr Einser und weniger Fünfer, dafür weniger Zweier und Vierer und mehr Dreier.

Lob und Tadel für Corona-Reifeprüfung

Während die Bundesschülervertretung am Mittwoch ein positives Resümee der Zentralmatura unter den speziellen Bedingungen der Corona-Pandemie gezogen hat, kommt von SPÖ und Neos Kritik. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid wirft Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vor, er habe den Schülern "leere Versprechen" gemacht, Martina Künsberg Sarre (Neos) fordert ein neues Matura-Konzept.

Coronabedingte Probleme wie wenig Interaktion mit den Lehrern und wenig Übungszeit in der Schule seien offensichtlich anders als versprochen bei der heurigen Zentralmatura nicht berücksichtigt worden, so Hammerschmid mit Verweis auf die "sehr hohe Zahl negativer Klausuren". Sie fordert eine grundsätzliche Reform des Mathe-Unterrichts, damit Mathematik nicht mehr "Angstfach Nr. 1" sei. Dafür brauche es auch neue Wege in der Didaktik und Lehrerausbildung.

Neos-Bildungssprecherin Künsberg Sarre sieht die Schwankungen zwischen den Jahrgängen und den Schulformen bei den Mathematik-Klausuren als Auftrag, überhaupt ein neues Gesamtkonzept für die Matura zu entwickeln. Sie plädiert für einen vergleichbaren gemeinsamen Kern, autonome Spielräume für die Schulen und die Einbeziehung der Oberstufennoten. Außerdem sollen an allen Schulen dieselben Hilfsmittel zugelassen sein.

Für Bundesschulsprecherin Jennifer Uzodike von der ÖVP-nahen Schülerunion haben die Maßnahmen des Ministeriums, die trotz der Corona-Krise für eine faire Reifeprüfung sorgen sollten, durchaus den erwünschten Erfolg gebracht. Durch die Einbeziehung der Zeugnisnote hätten sich nur wenige Schüler verschlechtert. Es brauche allerdings weitere Reformen und Evaluierungen der Matura, vor allem das heuer erprobte System müsse "umfangreich diskutiert und evaluiert" werden. Zur besseren Vergleichbarkeit seien zudem einheitliche Hilfsmittel und Standards notwendig. (apa)