Ex-Bildungsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) hat es aus der "Wiener Zeitung" erfahren. Der von der ÖVP gestellte Bildungsminister Heinz Faßmann hat für Wien insgesamt 35 Schulstandorte für die Premiere der Sommerschulen ab 24. August bis 4. September festgelegt. Darunter sind 25 Volksschulen sowie zehn für Mittelschulen und AHS-Unterstufen, die alle an AHS-Standorten untergebracht werden (die "Wiener Zeitung" hat alle Standorte online aufgelistet). Hammerschmid sieht sich dadurch in ihren massiven Bedenken an Faßmanns Sommerschulkonzept für Schüler mit Deutschschwächen bestärkt und will jetzt in einer parlamentarischen Anfrage genaue Auskünfte.

Denn der Bildungsminister hat bei der Ankündigung der zweiwöchigen Sommerschulen vor Beginn des neuen Schuljahres 2020/21 erklärt, dass österreichweit geschätzt 40.000 bis 42.000 Schüler Bedarf mit Problemen in Deutsch haben. Diese könnten sich durch den wochenlangen Heimunterricht wegen der Corona-Krise verschärft haben. Gleichzeitig möchte Faßmann, dass vor allem Lehramtsstudenten in der Sommerschule unterrichten.

Bedarf an rund 7000 Lehramtsstudenten?

Hammerschmid rechnet jetzt in der Anfrage vor, die am Montag im Nationalrat eingebracht wird , dass sich dafür rund 7000 Lehramtsstudenten freiwillig melden müssten. Das Bildungsressort möchte, dass Lerngruppen in Sommerschulen zwischen acht und 15 Schüler umfassen. Die Ex-SPÖ-Bildungsministerin geht von einer durchschnittlichen Gruppengröße mit zwölf Schülern und je zwei Lehramtsstudenten pro Gruppe aus. Sie möchte daher von Faßmann wissen, ob dieser davon ausgehe, dass sich tatsächlich 7000 Studierende freiwillig melden werden. Außerdem fragt sie, welche Maßnahmen getroffen würden, sollte das nicht der Fall, um den Unterricht in den Sommerschulen sicherzustellen. Es geht ihr auch um die Frage, welche Vorbereitung diese Studenten für die Sommerschule haben.

Frage nach Kosten und mehr Lehrern im Herbst

Die SPÖ-Politikerin ist für weitaus umfassendere Förderung und Betreuung in den Sommerferien. Sie verweist darauf, dass nach Daten der Arbeiterkammer fast ein Drittel der Schüler Nachhilfe brauche. In Mathematik sei der Bedarf besonders groß. Als eine Folge der Corona-Krise und das Heimunterrichts drohe der Bedarf an Nachhilfe heuer im Herbst zu "explodieren", warnt sie in der 19 Detailpunkte umfassenden Anfrage an den Bildungsminister.

Deswegen verlangt sie Auskunft, was Faßmann für das kommende an zusätzliche Lernförderung plane. Daran schließt die Frage, ob er die Kontingente der Lehrerdienstposten in den Ländern, die für die Pflichtschulen zuständig sind, erhöhen werde. Die Länder sollen auch die Kosten für die vom Bildungsminister zugesagte Mehrdienstzulage für den Unterricht in den Sommerschulen übernehmen. Hammerschmid möchte wissen, mit welchen Kosten gerechnet werde. In den Schulen selbst wird noch gerätselt, wie hoch die Bezahlung für Unterricht und Betreuung in den Sommerschulen tatsächlich sein wird.

Bei der Pressekonferenz, bei der Faßmann die Premiere für die Sommerschulen in der Vorwoche angekündigt hat, wurde von ihm auch erklärt, dass sich teilnehmende Schüler einen Bonus für das kommende Schuljahr erarbeiten können. Ex-Ministerin Hammerschmid fordert in der Anfrage Auskunft, auf welcher gesetzlichen Grundlage diese Berücksichtigung der Mitarbeit in den Sommerschulen bei der Leistungsbeurteilung im Schuljahr 2020/21 basiere.

Schließlich zeigt sie sich verwundert darüber, dass die Schulstandorte in Wien für die Sommerschulen schon feststehen, wie das der Bildungsminister in einem Schreiben an die Schulleitungen diese Woche mitgeteilt hat. Denn in seiner Pressekonferenz in der Vorwoche war noch davon die Rede gewesen, dass sich interessierte Schulen melden könnten.