Am Fronleichnamstag sind Pressekonferenzen ungewöhnlich. Die SPÖ-Bundesspitze trat am Feiertag flankiert mit mehreren SPÖ-Bürgermeistern in Wien vor die Medien, um in einem weiterm Bereich aufzuzeigen, dass die Hilfspakete der türkis-grünen Bundesregierung wegen der Corona-Krise zu klein ausfallen und zu spät kommen. Dieses Mal ging es um die Finanzen der Gemeinden.

Die SPÖ hält die von der Regierung angekündigten Investitions-Zuschüsse für Gemeinden für nicht ausreichend, um die hohen Einnahmenausfälle durch die Coronakrise abzufedern. Nötig seien 2,2 Milliadren Euro Direkthilfe sofort plus 500 Millionen Euro für Investitionen, forderte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner Donnerstag in einer Pressekonferenz mit SPÖ-Bürgermeistern vollen Ersatz für den "Corona-Kollateralschaden".

Regierung stellt eine Milliarde Euro bereit

Den 2095 Gemeinden und Städten Österreichs droht durch weggebrochene Steuereinnahmen heuer ein Corona-Schaden von zwei Milliarden Euro. Die Regierung hat Investitionszuschüsse in Höhe von einer Milliarde angekündigt - allerdings mit der Bedingung, dass die Gemeinden 50 Prozent der geförderten Projekte selbst finanzieren.

Das sei ein "Hilflosenpaket", befand der Trumauer Bürgermeister und SPÖ-Kommunalsprecher Andreas Kollross. Den Gemeinden fehle die Liquidität, um Projekte zu finanzieren und damit die Zuschüsse abzurufen. Sie müssten sich erst verschulden. Das aber ist z.B. in der Steiermark nicht möglich, schilderte Roswitha Glashüttner, Ortschefin von Liezen. Dort wurde eine Budgetwarnung ausgesprochen, womit keine Darlehen für investive Projekte aufgenommen werden könnten.

"Schuldenfalle" für die Gemeinden

Das Regierungspaket stelle eine "gefährliche Schuldenfalle" für die Gemeinden dar und decke gerade einmal die Hälfte des Corona-Verlusts ab, kritisierte die SPÖ-Bundesparteichefin. Wird den Gemeinden nicht ausreichend geholfen, seien ihre Leistungen - vom Trinkwasser über Müllentsorgung oder Straßenbau bis zur Erhaltung von Schulen und Kindergärten - gefährdet. Tausende Kleinunternehmer, die von Gemeinden Aufträge bekommen, und hunderttausende Arbeitsplätze wären bedroht.

Deshalb fordert die SPÖ die volle Abdeckung der "Corona-Kollateralschäden": 250 Euro pro Hauptwohnsitz-Einwohner müsse jede Gemeinde sofort (ausbezahlt bis Ende August) bekommen, das macht in Summe rund 2,2 Milliarden Euro. Danach müsse man die regionale Wirtschaft noch mit 500 Millionen Euro Investitionszuschüssen unterstützen - und zwar ohne Kofinanzierungs-Erfordernis.

Das sollten auch die ÖVP-Bürgermeister - und der grüne Stadtchef von Innsbruck Georg Willi - unterstützen, appellierte der Ybbser Bürgermeister Alois Schroll, "gemeinsam Schulter an Schulter dafür zu kämpfen" dagegen, dass viele Gemeinden wegen der Coronakrise in die Zahlungsunfähigkeit schlittern. (apa/red.)