Es ist eines der bildungspolitischen Konflikthemen schlechthin: die von der ÖVP-FPÖ-Koalition eingeführte Sprachförderung in getrennten Deutschförderklassen in Österreichs Schulen. Eine der "Wiener Zeitung" vorliegende Bilanz von Bildungsminister Heinz Faßmann ergibt, dass im Schuljahr 2018/19 mit 32,1 Prozent ein Drittel der betroffenen Schüler die Deutschförderklassen dank Verbesserung der Deutschkenntnisse verlassen konnten - und nun als als ordentliche Schüler in die Regelklasse gehen konnten. Weitere 48 Prozent mussten zwar nicht mehr extra in eine Förderklasse, galten aber als außerordentliche Schüler und mussten parallel einen Deutschförderkurs absolvieren. Faßmann sieht darin einen Erfolg, während Bildungsexperten und Praktiker in Schulen die Trennung durch den getrennten Deutschunterricht kritisieren.

Eingeführt von ÖVP-FPÖ-Regierung

Die türkis-blaue Bundesregierung hat die Trennung der Schüler mit nicht ausreichenden Deutschkenntnissen in eigenen Förderklassen eingeführt. Nun erstmals vorliegende Ergebnisse der Statistik Austria belegen nach Ansicht des Bildungsministers den Erfolg dieser Maßnahme.

Von den 12.250 im Schuljahr 2018/19 eingestiegenen, außerordentlichen Schülern in den Deutschförderklassen der Pflichtschulen haben 47,9 Prozent die Deutschförderklassen verlassen, sind noch außerordentlich und erhalten eine zusätzliche sechsstündige Förderung im Rahmen der Deutschförderkurse. Weitere 32,1 Prozent haben die Deutschförderklassen verlassen und sind aufgrund der nunmehr ausreichenden Deutschkenntnisse ordentliche Schüler in ihren jeweiligen Stammklassen.

Für 15,8 Prozent war der bisherige Förderunterricht offenkundig noch nicht ausreichend. Sie müssen noch in der Deutschförderklasse aufgrund der ungenügenden Deutschkompetenz verbleiben. Dazu kommt ein kleiner Teil der betroffenen Schüler, die aus einem anderen Grund die Deutschförderklassen verlassen haben. Denn 4,2 Prozent der gut 12.000 Mädchen und Burschen mit mangelnden Deutschkenntnissen sind nach diesen Daten  nicht mehr in Österreich.

Im Schnitt 13 Schüler pro Deutschförderklasse

Für das Bildungsministerium lautet die Schlussfolgerung: Die vorhergesagte dauerhafte Trennung und  "Stigmatisierung" des Systems der Deutschförderklassen finde damit nicht statt. Die Deutschförderklassen würden sich vielmehr für Schüler als zeitlich begrenzt erweisen. Durchschnittlich seien 13 Schüler in den Deutschförderklassen gewesen. Vor allem in Wien gab es auch Förderklassen mit mehr als 18 Schülern. Das sei laut Ministerium aber die Ausnahme gewesen. Grund seien fehlende Räumlichkeiten gewesen.

Aufgrund der sinkenden Neuzuwanderung und einer verbesserten Sprachförderung in Kindergärten rechnet Faßmann mit einer sinkenden Zahl an Deutschförderklassen. Sein Ministerium werde aber dafür sorgen, dass die zur Verfügung stehenden Mittel für eine Intensivierung des Förderunterrichts und eine Verkleinerung der Gruppen verwendet werden, heißt es im Ressort am Wiener Minoritenplatz.