Die Schüler der ersten Klassen an AHS-Unterstufen und Neuen Mittelschulen erhalten ab 2021/22 schrittweise Laptops beziehungsweise Tablets. Das gab Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) am Mittwoch bekannt. Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) zog in einer Pressekonferenz Parallelen zu den 1970er-Jahren. "Wir haben sehr stark davon profitiert, dass unter Bruno Kreisky die Schulbuchaktion eingeführt wurde. Das hat die Schule verändert und geprägt." Der nächste Schritt sei nun im 21. Jahrhundert die Ausstattung der Schüler mit Tablets und Laptops.

Erhalten werden die mobilen Endgeräte jeweils die Schüler der fünften Schulstufe, also die ersten Klassen an den AHS und der Neuen Mittelschule. Ausnahme: Im ersten Jahr 2021/22 sind sowohl die fünfte als auch die sechste Schulstufe umfasst. Bevor Schüler die Geräte ausgefolgt bekommen, muss aber ihre jeweilige Schule ein Digitalisierungs- und Nutzungskonzept vorlegen sowie eine Typenentscheidung treffen, so Faßmann. "Wir wollen eine Typenvielfalt am Standort vermeiden." Ansonsten seien Service- und Wartungskosten zu hoch. Der private Finanzierungsteil der Schüler soll 25 Prozent betragen, eine soziale Staffelung ist vorgesehen. "Wir wollen die Geräte in den Sommermonaten nicht wegnehmen", begründete der Minister den Privatanteil.

Geräte auch für Lehrer

Darüber hinaus werden auch die Lehrer mit Endgeräten ausgestattet und im Bundesschulbereich im Zuge von Baumaßnahmen Computer-Arbeitsräume für die Pädagogen geschaffen. Ebenfalls an den Bundesschulen soll die IT-Infrastruktur verbessert werden. 65 Prozent verfügten über einen auf Glasfaser basierenden Breitbandanschluss, 55 Prozent über eine WLAN-Ausstattung. Bis 2023 soll es eine flächendeckende Breitbandausstattung geben.

Weitere Eckpunkte: Jeder Schulstandort soll künftig nur auf eine Lernplattform zurückgreifen. "Die Eltern haben zurecht geklagt, dass es derzeit an einer Schule mehrere Plattformen gibt", so Faßmann. Außerdem wird über den Sommer das Portal "Digitale Schule" programmiert und ab kommendem Schuljahr die derzeit unterschiedlichen Anwendungen für digitale Klassenbücher, Notenverwaltungen und Mitteilungshefte integrieren. "Analoge Klassenbücher werden verschwinden."

Insgesamt werden laut Kurz 200 Millionen Euro in das Paket investiert. Die Vorbereitungen dazu hätten bereits vor der Corona-Zeit begonnen. Für Wirtschaftsministerin Margarete Schramböck wird damit das digitale Klassenzimmer Realität.

SPÖ "verärgert"

"Verärgert" reagierte SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid auf die Digitalisierungspläne. Zunächst habe Bildungsminister Faßmann bei der Umsetzung vier Jahre "verschlafen". In ihrer Zeit als Bildungsministerin sei bereits ein Digitalisierungskonzept fix und fertig ausgearbeitet worden, monierte Hammerschmid. "Faßmann hat dann 2018 das Projekt gestoppt und jahrelang einfach nichts gemacht."

Begrüßt wird die Initiative grundsätzlich vom Wiener Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky (SPÖ). Er meinte aber, man müsse darauf achten, dass keine neue soziale Hürde für einkommensschwache Familien und Schüler entstehe. Unabhängig davon laufe auch an den Wiener Pflichtschulen der W-LAN-Ausbau, die Stadt habe Schülern 5000 Laptops gratis geliehen.

Für die Neos hat die Regierung nur "längst überfällige Hausaufgaben erledigt, die sie bisher verschlafen hat".

Die Wirtschaftskammer nannte die Digitalisierungspläne einen "wichtigen Schritt". Der Ausbau müsse aber auf Mittelschulen, die Polytechnischen Schulen und die Berufsschulen ausgeweitet werden.(apa)