Vor rund zwei Wochen ist die Zahl der aktiv an Covid-Erkrankten in Österreich erstmals unter die 400er-Marke gefallen. Nun liegt man wieder bei rund 450 mit dem Coronavirus infizierten Personen. Die Lage, sagt Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) sei stabil, aber etwas unruhiger. "Dies zeigt sich durch einen leichten Anstieg der aktiv Erkrankten, aber auch in Form einzelner Clusterbildungen."

Bei den entdeckten Fällen in den Paketverteilzentren in Niederösterreich sind gewisse Parallelen zu den großen Clustern in deutschen Schlachthöfen zu sehen: Viele Personen, die (teilweise) in Sammelunterkünften wohnen, die in einer lauten Atmosphäre zusammenarbeiten und dabei die Abstandsregelungen nicht einhalten (können). Während die Cluster in den Postzentren in Österreich eingrenzbar waren, wurden allein bei der Fleischverarbeitungs-Firma Tönnies mehr als 1300 Fabriksarbeiter positiv getestet.

15 von 26 positiv getestet

In Salzburg hatte ein Treffen des Rotary-Clubs in der Vorwoche zahlreiche Infektionen zufolge, bisher fielen 15 Tests positiv aus. Dabei waren nur 26 Personen bei dem Treffen, das in einem Extrazimmer eines Restaurants stattfand. Um 21 Uhr endete die Zusammenkunft nach zwei Stunden, dennoch dürfte sich der Großteil infiziert haben. Es gab ein gemeinsames Essen sowie einen Vortrag samt anschließender Diskussion, sagte der Präsident des Rotary-Club, Hermann Dietz, dem ORF. Bisher werden die Verläufe der Betroffenen allesamt als mild bezeichnet.

Bei der Veranstaltung wurden keine Corona-Regeln missachtet, es gibt keine Beschränkung mehr für Gruppen bei Besuchen von Lokalen. Diese Maßnahme wurde mit der jüngsten Lockerungsverordnung aufgehoben. Beim Salzburg-Cluster dürfte eine Person zum Superspreader geworden sei. Wie viele Menschen von einer infizierten Person angesteckt werden, ist sehr unterschiedlich. Das ist eine Besonderheit dieses Sars-Virus. Schon das erste Sars-Virus 2002 war durch eine sogenannte Überdispersion, also eine ungleiche Verteilung, charakterisiert. Einige wenige stecken sehr viele Personen an, die meisten Erkrankten jedoch gar keine weiteren oder nur sehr wenige. Es ist daher auch eine große Portion Zufall dabei, ob und wenn zu einer derartigen Verbreitung wie bei dem Rotary-Abend in Salzburg kommt.

In der ORF-Sendung "Im Zentrum" warnten Experten deshalb auch davor, dem Irrglauben zu unterliegen, dass die Epidemie überwunden sei. Das Virus sei nach wie vor da, es komme immer wieder zu Ausbrüchen. Der Umweltmediziner Hans-Peter Hutter sprach sich für das Tragen von Masken aus, und zwar überall, wo Menschen in geschlossenen Räumen zusammenkommen. Die Maske sei "ein wirksames Mittel der Eindämmung", werde aber genauso unterschätzt wie Händewaschen. Hutter hätte die Maskenpflicht im Supermarkt belassen. Denn das Tragen dieses Schutzes sei "eines der wichtigsten Dinge, dass wir vermitteln, es wird noch länger dauern", sagte er. (apa/sir)