Die Auszählung der Stimmen in Leoben, der größten Stadt, in der am Sonntag in den 285 steirischen Gemeinden die Gemeinderäte neu gewählt wurden, strapazierte nicht nur die Nerven von Bürgermeister Kurt Wallner, der um das Halten der absoluten Mehrheit der SPÖ bangte. Es habe sich auch bei den Fraktionen Unmut breitgemacht, schilderten Stadtpolitiker am Tag nach der Gemeinderatswahl der "Wiener Zeitung". Die Steirer mussten  am Wahlabend auf ein Gesamtergebnis lang warten, weil es in Leoben rund sechseinhalb Stunden dauerte, um festzustellen, wie sich die nicht einmal 10.000 abgegebenen Stimmen verteilten.

Konstituierung am 23. Juli

Letzlich sicherten 98 Stimmen Überhang der Bürgermeister-Partei das arg wackelnde 16 Mandat von 31 Mandaten. Damit schaffte die SPÖ mit nur 45,6 Prozent der Stimmen doch wieder eine absolute Mehrheit im Gemeinderat. Die konstituierende Sitzung ist für 23. Juli vorgesehen.

In der Steiermark hat sich gut jeder Fünfte der 804.000 Wahlberechtigten eine Wahlkarte ausstellen lassen. In Leoben waren es 3476 von rund 19.800 Wahlberechtigten. Von diesen gab allerdings mit 48,5 Prozent nicht einmal die Hälfte tatsächlich eine Stimme ab.

Die Wahlkartenstimmen wurden übereinstimmend als Grund für das stundenlange Warten auf ein Ergebnis in Leoben genannt. Für die Auszählung der knapp 3500 Wahlkartenstimmen sei man einfach nicht ausreichend besetzt gewesen, wird in Leoben eingeräumt.

Dazu kam nicht nur der Umstand, dass es wegen der absoluten Mehrheit knapp herging. Zwischenzeitlich hieß es auch, eine Stimme sei verloren gegangen. Das sei falsch, wurde im Rathaus klargestellt. Was aber stimme, war, dass beim Auszählen der Wahlkartenstimmen zweimal gezählt werden musste, weil es Unklarheiten um ein Kuvert und eine Wahlkarte gegeben habe. In der Stahlstadt Kapfenberg, die ebenfalls in der nun wieder deutlich SPÖ-dominierten Mur-Mürz-Furche liegt, war man trotz vieler Wahlkarten jedenfalls zwei Stunden früher fertig.

ÖVP war bei Nationalratswahl 2019 voran

Die SPÖ sieht sich nach der Neuwahl nun der ÖVP und der KPÖ als zweitstärkste Fraktionen gegenüber, die es beide auf jeweils fünf Mandate gebracht haben. Bei der Nationalratswahl im September 2019 war die ÖVP mit dem bundesweiten Zugpferd Sebastian Kurz sogar in der "roten" Stadt knapp stärkste Partei gewesen. ÖVP-Stadtrat Reinhard Lerchbaumer betont aber, auch das jetzige Abschneiden bei der Gemeinderatswahl sei "schon ein Achtungserfolg". Die FPÖ wurde in Leoben wie auch in anderen Gemeinden von vier auf zwei Mandate halbiert. Die Grünen halten nun zwei Sitze im Gemeinderat, eine Namensliste ein Mandat.