Bevor die Schüler am Freitag dieser Woche in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland die Zeugnisse nach einem coronabedingt einzigartigen Schuljahr erhalten, gibt es neue Post für die Schulleitungen wegen der Premiere der Sommerschulen in den letzten beiden Wochen der Sommerferien. Bildungsminister Heinz Faßmann stellt in einem mehrseitigen Schreiben, das der "Wiener Zeitung" vorliegt, auch klar, wie die Bezahlung der Lehrer für die Sommerschulzeit ausschaut. Wie schon länger bekannt ist, sind die Sommerschulen, die in Ostösterreich von 24. August bis 4. September und in den anderen Bundesländern zeitverschoben eine Woche später organisiert werden, für Schüler mit Deutschproblemen vorgesehen. Sie sind aber freiwillig, eine Anmeldung durch die Eltern war erforderlich. Beim Unterricht sollen vorrangig Lehramtsstudenten mit Unterstützung von Pädagogen zum Einsatz kommen, wobei das Bildungsministerium empfiehlt, pro Gruppe jeweils zwei Lehramtsanwärter in einer Einheit als "Tandem" unterrichten zu lassen.

Die Schülergruppen sollen gemäß den Vorgaben des Bildungsministeriums zwischen acht und maximal 15 Schüler umfassen. Die Sommerschulen werden an Volksschulen, Mittelschulen und an Schulen mit AHS-Unterstufe an ausgewählten Standorten jeweils von 8 bis 12 Uhr in vier 50-Minuten-Einheiten abgehalten. Lehramtsstudenten an Pädagogischen Hochschulen und Universitäten sowie Lehrerinnen und Lehrer konnten sich freiwillig für die erstmalige Aktion in den Sommerferien melden. Dabei muss nach dem Plan Faßmanns jeweils eine Lehrperson zusätzlich zu den Lehramtsstudenten anwesend sein. Allerdings ist es nicht erlaubt, dass Pädagogen an Pflichtschulen in AHS-Unterstufen in Sommerschulen unterrichten, ebenso wenig, dass Bundeslehrer an Höheren Schulen in Pflichtschulen dafür eingesetzt werden.

Einmalig 250 Euro für Direktoren als "Belohnung"

Die Direktorinnen und Direktionen der Standorte von Sommerschulen werden in die Pflicht genommen. Sie sind für die Organisation verantwortlich. Die Schulleiter können aber eine andere Lehrperson damit beauftragen. Als Abgeltung dafür gibt es für die betroffenen Schulleiter – oder die als Ersatz dafür eingeteilte Lehrperson - für die gesamte Organisation der Sommerschule als "Belohnung" einmalig 250 Euro, wie Faßmann in den Schreiben betont: "Eine gesonderte Vergütung oder Einrechnung ist für die Leitung nicht vorgesehen." Die Schulleitungen müssen den Lehramtsstudenten dann auch eine Bestätigung ausstellen, dass von diesen der Unterricht als Ergänzungleistung erbracht wurde.

Auch die Besoldung ist nun im Detail geregelt. Sie richtet sich bei den Lehrerinnen und Lehrern vor allem danach, ob jemand noch in das "alte" Dienstrecht oder das mittlerweile eingeführte "neue" Dienst- und Besoldungsrecht fällt und ob er als Landeslehrer in einer Pflichtschule oder als Lehrer in einer Bundesschule unterrichtet. Grundsätzlicher Berechnungsmaßstab ist dabei die Tätigkeit im Unterrichtsgegenstand Deutsch. Einen Anspruch auf sonstige Vergütungen oder Dienstzulagen gibt es durch den freiwilligen Unterricht an Sommerschulen nicht. Für Lehramtsstudierende ist keine Vergütung vorgesehen, "da der Einsatz in der Sommerschule im Rahmen einer Lehrveranstaltung der Pädagogischen Hochschule oder Universität stattfindet", wird in der Information des Bildungsministeriums betont.

Schwerpunkt bei der Auswahl auf Deutsch

In dem Schreiben wird außerdem klargestellt, dass die jeweilige Bildungsdirektion in den einzelnen Bundesländern zuständig dafür ist, dass genügend Pädagogen zur Verfügung stehen, sollten sich nicht genügend Lehramtsstudenten gemeldet haben. Deutsch steht bei den Sommerschulen im Fokus. Das soll auch bei der Auswahl der Lehramtsstudenten besonders berücksichtigt werden. "Besonders wünschenswert" sei bei allen Lehramtsstudierenden und Lehrpersonen eine Zusatzqualifikation für Deutsch als Zweitsprache, betont das Bildungsministerium. Für die Sommerschule in Volksschulen seien alle Lehramtsstudierenden und Lehrpersonen mit Lehramt(sstudium) für die Primarstufe qualifiziert. Für die Sommerschule der Sekundarstufe I seien wegen der Deutschförderung "in erster Linie" Lehramtsstudierende und Lehrpersonen mit dem Lehramt(sstudium) Deutsch geeignet.

Ausdrücklich wird von Faßmann darauf hingewiesen, dass auch Schüler mit guten Deutschkenntnissen in die Sommerschulen kommen sollen. Die "Lernprozesse" der Schüler mit Deutschdefiziten sollen dadurch unterstützt werden. Es handle sich um ein sogenanntes "Buddy"-System. Die Direktoren sind angehalten, Schüler als "Buddies" einzuladen.