Auch wenn die Zahl der neu mit dem Coronavirus infizierten Personen in den vergangenen Tagen wieder gestiegen ist, werden ab Mittwoch die Sicherheitsmaßnahmen in Österreich weiter hinuntergefahren. So ist etwa wieder jeder Sport erlaubt. Die Maskenpflicht für Kellner fällt ebenso wie die Sperrstunde für Veranstaltungen bis 100 Personen.

Die Maskenpflicht gilt somit nur mehr in Öffis, im Gesundheitsbereich oder bei Dienstleistungen, wo der Mindestabstand nicht eingehalten werden kann. Auch bei Demonstrationen muss Nasen-Mund-Schutz getragen werden.

Buffets mit Selbstbedienung wieder möglich

Weitere Erleichterungen gibt es für die Gastronomie. Lokale dürfen nun um 5 statt wie bisher um 6 Uhr aufsperren. Buffets mit Selbstbedienung werden prinzipiell wieder möglich. Die Sperrstunde für geschlossene Veranstaltungen bis zu 100 Personen - also beispielsweise für Geburtstagsfeiern - fällt.

Lockerungen gibt es ebenfalls für Zuschauer von Sport- und Kulturveranstaltungen. Bei Veranstaltungen mit zugewiesenen und gekennzeichneten Sitzplätzen sind in geschlossenen Räumen bis zu 250 Personen und im Freiluftbereich bis zu 500 Personen erlaubt. Ab 1. August können wieder bis zu 200 Gäste bei Hochzeiten dabei sein, und ab September sollen dann unter bestimmten Voraussetzungen Veranstaltungen im Freien mit bis zu 10.000 und in Innenräumen mit bis zu 5000 Teilnehmern möglich sein.

Anwesenheitslisten "auf freiwilliger Basis"

Sportbegeisterte dürfen ab 1. Juli wieder ihrem Hobby nachgehen - und zwar auch, wenn es sich um Kontakt- bzw. Mannschaftssport handelt. Die Mindestabstandsregeln gelten bei der Sportausübung sowohl drinnen als auch draußen nicht mehr. Voraussetzung ist aber, dass Hygieneregeln beachtet werden. Anwesenheits- und Teilnehmerlisten sind aus datenschutzrechtlichen Gründen zwar nicht verpflichtend, werden aber in der Lockerungsverordnung explizit angeführt ("auf freiwilliger Basis").

Der Hintergrund: Bei jedem Infektionsfall prüfen die Behörden die Kontakte, da sich diese auch infiziert haben könnten – das Contact Tracing. Bei Familienmitgliedern und Arbeitskollegen ist dies noch einfach, anders sieht es bei vielen Freizeitaktivitäten aus. Liegen für den Hobby-Kick oder das Geburtstagsfest Anwesenheitslisten auf, hilft dies beim Contact Tracing enorm.

Während beim Sport, mit Ausnahme von Fitnesscentern, kaum Infektions-Cluster bekannt sind, sind Veranstaltungen in Innenräumen einer der Treiber der Pandemie. Es ist kein Zufall, dass es sich auch bei den jüngsten Serien-Ansteckungen in Österreich um solche handelte: ein Rotary-Club-Treffen in Salzburg sowie ein Gottesdienst einer Freikirche in Linz. Der gestiegene Reiseverkehr dürfte bei dem erhöhten Infektionsgeschehen auch eine Rolle spielen, wobei hier die Untersuchungen noch am Laufen sind.

Prostitution erlaubt

Auch die Prostitution ist ab 1. Juli wieder erlaubt. Jener Paragraf der geltenden "Covid-19-Lockerungsverordnung", der das Betreten von Bordellen und Laufhäusern untersagt, entfällt mit Ablauf des 30. Juni 2020.

Änderungen gibt es beim Datenschutz in der Luftfahrt. Hier müssen die Passagierdaten nach Ablauf von 21 Tagen wieder gelöscht werden. Das Landeverbot für Luftfahrzeuge aus Sars-CoV-2 Risikogebieten wurde hingegen bis 15 Juli verlängert.

Paket für Nachtgastronomie Ende der Woche

Während die Corona-Sicherheitsmaßnahmen für die reguläre Gastronomie am Mittwoch weiter zurückgenommen werden, muss sich die Nachtgastronomie noch weiter gedulden. Laut Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) soll aber bis zum Ende der Woche ein Paket mit Lösungsvorschlägen erarbeitet werden.

"Ziel für die Nachtgastronomie ist es, einen pragmatischen Weg zu finden, der in Balance mit dem Gesundheitsschutz steht. Wir stehen in laufendem Austausch mit Vertreterinnen und Vertretern der Nachtgastronomie. Dazu werden aktuell auch internationale Modelle geprüft", sagte der Ressortleiter. Öffnungsschritte seien "von der weiteren epidemiologischen Entwicklung abhängig". (apa, sir, temp)