Für die Mittelschule in dritten Wiener Gemeindebezirk kam die Information fast wie der sprichwörtliche Blitz aus heiterem Himmel. Erst jetzt, wenige Tage vor dem Ende des heurigen Schuljahres mit der Zeugnisverteilung an diesem Freitag, wurde mitgeilt, dass die Mittelschule in Wien-Landstraße auch noch in den letzten beiden Ferienwochen ab 24. August eine der neuen Sommerschulen beherbergen wird. Dabei war bisher stets die Freiwilligkeit dieser Maßnahme zur Förderung für bundesweit nunmehr 23.000 Schüler mit Deutschproblemen an 500 Schulstandorten nach dem coronabedingten Heimunterricht hervorgestrichen worden.

In der Bildungsdirektion Wien wurden der "Wiener Zeitung" zwei Gründe für die nachträgliche Verpflichtung dieser Mittelschule als Standort für eine Sommerschule genannt: Einerseits seien bauliche Vorhaben in anderen Schule dafür verantwortlich, andererseits sei es die höhere Zahl der Anmeldungen und die Informationen von Schulen an die Bildungsdirektion über Schüler mit Deutschdefiziten, die bis Beginn der Vorwoche möglich waren. Zugleich wurde hingewiesen, dass auch die Umsetzung der Sommerschulen durch das Bildungsministerium erst spät im Laufe des Semsters festgelegt worden sei.

14 Standorte für die Sekundarstufe

Insgesamt gibt es nun in Wien 14 Standorte für Sommerschulen. im Sekundarbereich, also für Schüler an Mittelschulen und AHS-Unterstufen. Unsprünglich waren als Standorte nur Schulen mit AHS-Unterstufe in Wien vorgesehen gewesen, Zwei Mittelschulen sind als Standorte dann schon früher dazukommen, nun kurzfristige die weitere Mittelschule, die die Information darüber erst wenige Tage vor Schulschluss erhalten hat.

In Wien wurden von den Eltern knapp der Hälfte der in Frage kommenden Schüler mit Problemen in Deutsch für den Förderunterricht in Sommerschulen angemeldet. Die Anmeldung durch die Eltern war freiwillig, ebenso der Einsatz von Lehrern bei der Förderaktion von 24. August bis 4. September in Ostösterreich. Der Förderunterricht soll vor allem von Lehramtsststudenten unentgeltlich abgehalten werden. In Wien gibt es als Alternative bereits länger die von der Stadt Wien organisierten Sommerschul-Camps.

Initiativen fordern mehr Ressourcen an Schulen

Gleichzeitig weist der Österreichische Verband für Deutsch als Fremdsprache/Zweitsprache gemeisam mit der Bildungsinitiative Grenzenlos das Bildungsministerium auf "einige Problemfelder"  bei den Sommerschulen hin. Die beiden Gruppen bezweifeln, ob eine zweiwöchige Sommerschule zur Aufarbeitung der Deutschprobleme reicht. Sie fordern vor allem mehr Ressourcen für die Deutschförderung im Schulunterricht selbst.

Weiters betonen die beiden Initiativen, es könne auch nicht davon ausgegangen werden, dass alle Lehramtsstudenten die erforderliche Qualifikation für den Förderunterricht in den Sommerschulen aufbringen. Beklagt wird schließlich ebenfalls, dass es für Kinder und Jugendliche in den Deutschförderklassen an Volks- und Mittelschulen keine Ausnahmeregelung gebe, was das Aufsteigen in die nächste Schulstufe betrifft. Bei diesen werde trotz des coronabedingten Heimunterrichts von Mitte März bis 18. Mai nach den auch sonst  geltenden Regelungen entschieden.

Für 23.000 Schüler an 500 Schulstandorten

Bildungsminister Heinz Faßmann zeigte sich am Mittwochvormittag überzeugt vom Erfolg der Aktion: "Die Sommerschule wird funktionieren, allen Unkenrufen zum Trotz."  Rund 23.000 Schüler werden in den letzten zwei Ferienwochen in der nach der Coronakrise eingerichteten Sommerschule Deutschförderung erhalten. Man habe damit 56 Prozent jener Schüler erreicht, die den Deutschförderunterricht im Sommer in Anspruch nehmen sollten. Dabei werde es keinen "Paukerkurs", sondern abwechslungsreichen Projektunterricht in Kleingruppen geben, betonte Bildungsminister Faßmann. Lehrpersonal dafür gebe es genug, Schüler-Buddies werden noch gesucht.

Insgesamt wird es bundesweit 1800 Gruppen an 500 ausgewählten Volksschulen, Mittelschulen und AHS-Unterstufen geben. 60 Prozent der Teilnehmer besuchen eine Volksschule. Ausgewählte gute Schüler sollen als "Buddies" die Gruppen auflockern. 160 haben sich bisher gemeldet, "wenn es mehr werden, bin ich nicht unglücklich", betonte Faßmann.

Lob für das Projekt gab es bei dem Termin von den Bildungsdirektoren Robert Klinglmair (Kärnten) und Paul Gappmaier (Tirol): Mit der Sommerschule würden genau jene Schüler Unterstützung bekommen, die diese am dringendsten bräuchten.