In den Klassenzimmern in Ostösterreich ist Ruhe eingekehrt, in den sechs weiteren Bundesländern ist noch eine Woche Schule. Für Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) wird es kein Sommer wie jeder andere. Erstmals wird es für 23.000 Schüler mit Deutschproblemen in den Sommerferien ab 24. August bundesweit Förderunterricht geben.

Noch herrscht bei Lehrern und Schulverantwortlichen in den Bildungsdirektionen der Bundesländer und im Ministerium Ungewissheit, wie das funktionieren wird. Fest steht aber bereits: Die Regierungsparteien ÖVP und Grüne wollen dafür sorgen, dass es bei der Sommerschule nicht bei einem einmaligen Ereignis bleibt.

Im parlamentarischen Unterrichtsausschuss wurde von ÖVP und Grünen an den Bildungsminister das Ansinnen gestellt, eine gesetzliche Grundlage für die generelle Einführung derartiger Sommerschulen zu schaffen. Ressortchef Faßmann ist dem keineswegs abgeneigt, jedenfalls werden einmal die Erfahrungen aus der Sommerschulen in den heurigen Sommerferien abgewartet.

 

"Entlastung der Eltern"

Dafür wurde von ÖVP und Grünen ein Entschließungsantrag im Unterrichtsausschuss beschlossen. Dieser ist zwar nicht bindend. Der Bildungsminister wird das Anliegen aber aufgreifen. Die Erkenntnisse des Pilotprojekts in den letzten beiden Wochen der Sommerferien in Ost- wie Westösterreich sollen in die gesetzlichen Rahmenbedingungen einfließen. Von gut 40.000 Mädchen und Burschen, die mit Defiziten in Deutsch zu kämpfen haben, wurden bundesweit 23.000 für die neue Form der Sommerschule angemeldet.

Für den Unterricht, bei dem es sich laut Faßmann nicht um "Paukerkurse" handeln soll, werden vor allem auch Lehramtsstudenten herangezogen. Die Koalitionsparteien möchten den Sommerunterricht "zur Entlastung der Eltern" auch in Zukunft anbieten. Heuer ist die Teilnahme freiwillig.

"Der auf dem Unterrichtsfach Deutsch liegende Fokus und das projektorientierte pädagogische Konzept dahinter ermöglichen es den Schülerinnen und Schülern, die in diesem Fach einen besonderen Nachholbedarf aufweisen, die letzten beiden Ferienwochen dafür zu nutzen, diese Rückstände aufzuholen," wird in dem Entschließungsantrag von ÖVP-Mandatar Rudolf Taschner und der grünen Bildungssprecherin Sibylle Hamann als Begründung angeführt. Die Sommerschule solle "dem drohenden Bildungsverlust entgegenwirken, um kein Kind zurückzulassen".

SPÖ will Ausdehnung vor allem auch auf Mathematik

Die türkis-grüne Koalition peilt an, dass es dabei nicht auf dem Schwerpunkt mit Deutschförderung bleibt. Wie im Regierungsprogramm angeführt, soll es vielmehr für die kommenden Schuljahre zu einer weiteren Ausführung der fachlichen und pädagogischen Konzeption von speziellen Ferienangeboten sowie eine österreichweit einheitliche Angebotsumsetzung in Zusammenarbeit mit den Bundesländern geben. "Der Fokus soll dabei neben dem Unterrichtsfach Deutsch auch auf andere Fächer ausgeweitet werden", wird ausdrücklich betont.

Damit wird auch eine Forderung der SPÖ und einiger Experten aufgegriffen. SPÖ-Bildungssprecherin Sonja Hammerschmid, die von Mai 2016 bis Dezember 2017 Bildungsministerin war, fordert ebenfalls vehement, das Angebot über Deutsch hinaus auszudehnen. Konkret denkt sie dabei an Unterricht und Förderung in Mathematik. Jedenfalls müsse das Angebot auf mehrere Unterrichtsgegenstände ausgedehnt werden. Die Neos wollen vor allem, dass der Förderunterricht und die Betreuung von Schülern in den Sommerferien besser kombiniert werden.

Die FPÖ verlangt darüber hinaus, dass Lehramtsstudenten der Einsatz in den Sommerschulen finanziell abgegolten wird. Heuer ist das nach dem Modell des Bildungsministeriums nicht der Fall. Der Förderunterricht wird aber für das Lehramtsstudium angerechnet.