Zum ersten Mal seit rund vier Monaten hat Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Mittwoch eine Auslandsreise absolviert. Allzu weit ging es allerdings nicht: Der Präsident traf seine slowakische Amtskollegin Zuzana Čaputová in Pezinok, etwa 100 Kilometer von Wien entfernt. Van der Bellen betonte dabei, dass nationale Alleingänge gerade in Zeiten der Krise "nicht die Zukunft" seien.

Nur gemeinsam könne die Krise bekämpft werden, vor allem wenn es um den Neustart der Wirtschaft und den Wiederaufbau nach der Coronavirus-Pandemie gehe, sagte Van der Bellen in einem kurzen Statement vor einem Vier-Augen-Gespräch mit Čaputová in ihrem Heimatort Pezinok nördlich von Bratislava.

Die Notwendigkeit zur internationalen Kooperation sah der Bundespräsident auch beim Thema Klimaschutz. Hier seien Čaputová und er "vollkommen auf einer Linie". Auch die slowakische Präsidentin bezeichnete den Klimawandel als "gemeinsame Priorität".

Klimakrise "größte Bedrohung der Menschheit"

Die Klimakrise sei "die größte Bedrohung der Menschheit" und "im Gegensatz zum Coronavirus gibt es gegen die Klimakrise keine Impfung", betonte Van der Bellen. Der wirtschaftliche Neustart nach der Coronakrise und die Bewältigung der Klimakrise müssten Hand in Hand gehen.

Die Slowakei und Österreich gehören nach Worten des Staatsoberhaupts zu den erfolgreichsten Ländern bei der Bekämpfung des Coronavirus, doch steige nun die Zahl der Infektionen erneut - "auch in unseren beiden Ländern", so Van der Bellen. Deshalb müssten weiterhin alle einen Beitrag leisten, in dem die notwendigen Regeln zur Eindämmung von Covid-19 eingehalten werden.

Die Slowakei hatte zur Eindämmung der Pandemie sehr rasch Maßnahmen wie Grenz- und Schulschließungen getroffen und ist deswegen bisher vergleichsweise glimpflich davon gekommen. Aktuell sind laut Johns-Hopkins-Universität 1.098 Covid-Fälle in dem 5,5-Millionen-Einwohnerland bestätigt. Nur 28 Personen sind bisher mit oder an dem neuartigen Virus gestorben.

"Symbol für wiedergeöffnete Grenzen"

Čaputová freute sich über Van der Bellens Besuch als "Symbol für die wiedergeöffneten Grenzen" und als "Zeichen, dass sich die Menschen nun wieder treffen können".

Das Treffen zwischen Čaputová und Van der Bellen hätte ursprünglich bereits Ende Juni stattfinden sollen, musste aber wegen eines Corona-Verdachtsfalls im slowakischen Präsidentschaftsbüro kurzfristig verschoben werden. Čaputová ging daraufhin in Heimquarantäne, wurde seither aber mehrmals negativ getestet.

Van der Bellen hatte die slowakische Präsidentin, die seit Juni 2019 im Amt ist, Ende August des Vorjahres zu einem ersten bilateralen Gespräch getroffen. Er bezeichnete Čaputová damals bereits als "Mitstreiterin gegen die Klimakrise".

Die ehemalige Bürgeranwältin und Umweltaktivistin, damals Vizechefin der außerparlamentarischen linksliberalen Partei "Progressive Slowakei", ist die erste weibliche Staatspräsidentin der Slowakei. Nach Antrittsbesuchen in ganz Europa ist Van der Bellen der erste Amtskollege, den Čaputová "zu Hause" in der Slowakei empfängt. (apa)