"Vermeide die ,drei Cs’": Das ist die Kernbotschaft der japanischen Behörden im Kampf gegen das Virus: Closed Spaces, Crowded Places, Close-Contact Settings, also geschlossene Bereiche, viele Leute auf engem Raum, naher Kontakt und Gespräche. Jedes C erhöht das Risiko, treten alle drei auf einmal auf, kann es zu Massenansteckungen kommen.

Zu einem solchen Superspreading ist es nun erneut bei einer Freikirche gekommen. Nachdem in Linz eine religiöse Gemeinschaft als großer Cluster lokalisiert worden war, gibt es nun in der "Pfingstkirche Gemeinde Gottes" in Wiener Neustadt mehrere Fälle. Die Zahl der positiv Getesteten in diesem Umfeld betrug am Mittwochvormittag neun, wobei die Testungen von insgesamt 270 abgesonderten Kontaktpersonen noch laufen. Auch in Linz wuchs der Cluster immer weiter.

Die Glaubensgemeinschaft hat alle Gebetsräume in Österreich geschlossen. Dies gilt vorerst bis Monatsende, sagte Ion Paduretu, Sprecher der Dachorganisation der Pfingstkirchen in Österreich. Die Gottesdienste werden nun online übertragen.

Freikirchen bei Rumänen sehr beliebt

Die Freikirche in Wiener Neustadt, die wie auch die Linzer nicht zu den anerkannten Freikirchen zählt, ist eine sehr große rumänischsprachige Gruppe. Paduretu zufolge zählt sie 650 erwachsene Mitglieder, mit Kindern und Jugendlichen gehören etwa 1300 Menschen der Gemeinschaft an.

Rumänien wurde von der Regierung unlängst mit einer Reisewarnung belegt, obwohl die offiziellen Zahlen in der Größenordnung Österreichs liegen. Mit dem Land gibt es viel Austausch, die Zahl der Rumänen in Österreich hat sich zuletzt auf mehr als 120.000 erhöht.

Warum sich viele Rumänen zu Glaubensgemeinschaften zusammenschließen, erklärt Dietrich Fischer-Dörl, einst Präsident der anerkannten Freikirchen in Österreich, der "Wiener Zeitung" so: In Rumänien habe der Zulauf zu Pfingstkirchen und dergleichen im 19. Jahrhundert eingesetzt. Soziologen würden dafür als Grund die besondere Religiosität und Spiritualität ins Treffen führen. Nach der Revolution 1989 seien viele Rumänen nach Österreich gekommen und hätten hier ihre Gemeinschaften gegründet.

34 Personen in Schlachtbetrieb in Horn angesteckt

Niederösterreich war am Mittwoch doppelt betroffen. In Horn wurden 34 Personen in einem Schlachtbetrieb angesteckt. Eine Person war erkrankt, die übrigen Infizierten wurden per Screening entdeckt, das bereits geplant war. Insgesamt scheint sich aber das Infektionsgeschehen auf dem etwas höheren Niveau stabilisiert zu haben, im stark betroffenen Oberösterreich sank etwa wieder die Zahl der aktiv Infizierten.

Der Regierung ist die Lage aber zu heikel für weitere Lockerungen. Ab 1. August sollten die Nachtlokale wieder bis 4 Uhr offen haben können. Das wird nicht passieren. Der Sprecher der Nachtgastronomen, Stefan Ratzenberger, erneuerte seine Forderung nach einem rückwirkenden 100-prozentigen Ersatz der Fixkosten.(sir/apa)