Er ist seit 18 Jahren im Nationalrat und seit Dezember 2017 nach dem Einzug von ÖVP-Bundesparteichef Sebastian Kurz Klubobmann des Nationalratsklubs der ÖVP: August Wöginger, im nahen Passau geborener und im Innviertel lebender türkiser Politiker, ist zugleich auch seit 2016 Bundesobmann des Arbeiter- und Angestelltenbundes der Volkspartei (ÖAAB). Der 45-Jährige ist damit der Vertraute von Kurz im Arbeitnehmersektor und zugleich leitet er als ÖAAB-Chef einen der sechs Bünde der Volkspartei. Neben dem ÖAAB sind das der Bauernbund und der Wirtschaftsbund sowie die Frauenbewegung, die Junge Volkspartei und der Seniorenbund.
Im Herbst dieses Jahres wäre an sich der nächste ÖAAB-Bundestag auf dem Programm gestanden. Wöginger hat diesen aber inzwischen per Beschluss des ÖAAB-Bundesvorstandes auf das kommende Jahr verschieben lassen. Der Grund dafür ist, wie bei zahlreichen anderen Aufschüben, die Corona-Krise, deren Auswirkungen nach wie vor für viele Unwägbarkeiten sorgen.

Protest gegen zu türkisen Kurs aus der Christgewerkschaft

Wenn es nach Wöginger geht, soll der ÖAAB-Bundestag im Frühjahr kommenden Jahres über die Bühne gehen. Intern gibt es keine Zweifel, dass von einer Wiederwahl des Oberösterreichers auszugehen ist. Dies auch wenn es in der Vergangenheit bei manchen nach schwarzen Arbeitnehmerfunktionären Unmut darüber gegeben hat, dass der ÖAAB den Kurs des türkisen Bundeskanzlers bisweilen zu loyal mitgetragen hat. Allen voran war es der schwarze Christgewerkschafter und Tiroler Arbeiterkammerpräsident Erwin Zangerl, der offen gegen die Doppelrolle von Wöginger als ÖVP-Fraktionschef und ÖAAB-Bundesobmann öffentlich aufgetreten ist und nicht nur einmal demonstrativ mit der roten Präsidentin der Bundesarbeiterkammer, Renate Anderl, gegen den Regierungskurs protestiert hat.

Wöginger ist noch dazu weiterhin ÖVP-Sozialsprecher und damit in einer Funktion, wo es um wichtige Fragen für Arbeitnehmer geht. Bei den Pensionen hat die Volkspartei schon unter der türkis-blauen Bundesregierung vom forschen Eintreten für weitere Reformen deutlich einige Gänge zurückgeschaltet. Das kommt dem grünen Koalitionspartner entgegen. Die Frist für die nächsten Empfehlungen der Pensionskommission der Bundesregierung haben die türkis-grüne Koalition vor der Sommerpause des Nationalrats vor allem wegen der Unsicherheiten aufgrund der wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise kurzfristig vorsorglich bis März kommenden Jahres erstreckt.

Im Herbst wird Wöginger bei den Verhandlungen über Reformen bei der Pflege das Gegenüber der Volkspartei von Sozial- und Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) sein. Auch die Pflegereform ist ein Opfer der alles dominierenden Corona-Herausforderungen geworden und um mehr als ein halbes Jahr aufgeschoben worden. Ursprünglich war die Pflege beim Amtsantritt der türkis-grünen Bundesregierung vorrangiges Thema.