Gemeinsam mit dem SPÖ-Gesundheitssprecher Philip Kucher ritt SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner in der Partei-PK zum Rundumschlag gegen das Corona-Krisenmanagement der Regierung im Tourismus aus. Die Verantwortung liege laut Epidemiegesetz bei Gesundheitsminister Rudolf Anschober, nicht auf Länder- oder Bezirksebene: "Da darf kein Fleckerlteppich entstehen, da braucht es eine zentral koordinierte einheitliche, fachlich fundierte Basis für regionale Entscheidungen", sagt Rendi-Wagner.

Die SPÖ fordert flächendeckende Covid-Test im Tourismus alle zwei Wochen, organisiert und finanziert von der Bundesregierung. ÖVP-Tourismus-Ministerin Elisabeth Köstinger habe ein Budget 150 Millionen Euro für Bewerbung und Testungen versprochen, dieses Geld müsse zielgerichtet eingesetzt werden. Zudem seien im Mai von Kanzler Kurz und Tourismusministerin Köstinger im Tourismus 65.000 Tests pro Woche, also 260.000 Tests im Juli, angekündigt worden, aber nur rund 10.000 sind durchgeführt worden. "Österreich sollte eines der sichersten Urlaubsländer Europas sein – die Realität ist St. Wolfgang. Das wurde aus den leeren Versprechen." Und: "Zum Schutz der Gäste, zum Schutz der Beschäftigten in den Betrieben, zum Schutz der Gesundheit. Es geht um den Ruf unseres Tourismuslandes."

Kucher, SPÖ-Abgeordneter zum Nationalrat und Bereichssprecher für Gesundheit, untermauert die Forderung mit Ischgl-Vergleichen. Er ortet auch in St. Wolfgang, wie im Tiroler Schiort Anfang des Jahres "chaotisches Abreisemanagement". Es sei ein "Wahnsinn, dass man aus Ischgl nichts dazu gelernt hat". Beim für Herbst vorgeschlagenen Corona-Warn-Ampelsystem erwartet sich die SPÖ rasche Konkretisierung, welche Maßnahmen bei welcher Farbe zu setzen seien. Auch hier ortet der Kärntner "Wahnsinn, dass man nicht sagen kann, welche Farbe die Ampel in St. Wolfgang hätte."

Leitfaden als Orientierungshilfe

Gesundheits-, Tourismusministerium und Wirtschaftskammer setzten sich ebenfalls mit der Branche auseinander. Wie ein Quartiergeber konkret vorzugehen hat, falls der Verdacht auf eine Erkrankung bei einem Touristen oder Mitarbeiter besteht, wurde in einem Leitfaden zusammengefasst, der ab heute im Internet abrufbar ist (www.sichere-gastfreundschaft.at). 

Aber auch das wurde nicht vollumfänglich begrüßt. Das Papier sei "natürlich hilfreich, weil es noch einmal übersichtlich und komprimiert wiedergibt, was in der Praxis konkret zu tun ist, wenn ein Verdachtsfall im Betrieb auftritt", sagte der Generalsekretär der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), Markus Gratzer, am Donnerstag zur APA. Es seien aber "keine neuen Erkenntnisse drin - nichts, was nicht schon bekannt wäre". Die einzige inhaltliche Veränderung sei, dass die Quarantänezeit nach einem "engen Kontakt" mit einem Covid-19-Fall, d. h. mindestens 15 Minuten mit einem Abstand unter zwei Metern, von 14 auf zehn Tage verkürzt ist. Aber auch davor fürchten sich viele Beherbergungsbetriebe, weil das wirtschaftlich an deren Grenzen führt. Entsprechend zögerlich wird zu Coronatests gegriffen. (red)