Der burgenländische Sozial- und Wirtschaftslandesrat Christian Illedits (SPÖ) hat am späten Samstagnachmittag in einer persönlichen Erklärung vor Journalisten seinen Rücktritt bekanntgegeben. Ein Geburtstagsgeschenk zu seinem 60. Geburtstag sei der Hauptgrund dafür.

Illedits war zuletzt in der Causa um die Commerzialbank Mattersburg von der ÖVP kritisiert und zum Rücktritt aufgefordert worden.

Er habe vor rund 25 Jahren seine politische Laufbahn in seiner Heimatgemeinde Draßburg begonnen und habe sich dabei immer bemüht, eine ehrliche und konsequente Politik zu machen. Heute müsse er sich aber eingestehen, dass ihm ein persönlicher Fehler unterlaufen sei, der nach seinem Verständnis von Ehrlichkeit und Anstand in der Politik nach politischen Konsequenzen verlange – mit diesen Worten eröffnete Illedits seine persönliche Erklärung am Samstag.

Christian Illedits (r.) mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Rahmen einer Sitzung des burgenländischen Landtags am Donnerstag, 27. Februar 2020, in Eisenstadt. - © APAweb / Robert Jaeger
Christian Illedits (r.) mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil im Rahmen einer Sitzung des burgenländischen Landtags am Donnerstag, 27. Februar 2020, in Eisenstadt. - © APAweb / Robert Jaeger

Gold-Geschenk zum 60. Geburtstag

Der SV Mattersburg habe ihm in seiner Funktion als Vorsitzender des Aufsichtsrates der Fußballakademie Burgenland zu seinem 60. Geburtstag vor zwei Jahren ein persönliches Geschenk gemacht, das er nicht hätte annehmen dürfen, so Illedits. Es gehe dabei um ein 100-Gramm-Goldblatt mit einer Vereinswidmung im Wert von heute 5.400 Euro. Dieses habe er zu Hause als Souvenir abgelegt, an eine finanzielle Verwertung habe er nie gedacht, so Illedits weiter. Eine anonyme Anzeige habe ihn nun wieder daran erinnert.

"Ich bin schon zu lange in der Politik, um nicht zu wissen, dass nun die massiven Angriffe gegen meine Person noch intensiver werden", sagte Illedits. Vor allem die ÖVP versuche ihm aufgrund seiner kurzen politischen Zuständigkeit für Erwerbs- und Wirtschaftsgenossenschaften im Zusammenhang mit dem Kriminalfall Commerzialbank eine zentrale Rolle zuzuschieben", so Illedits.

Diese persönlichen Untergriffe halte er aus, weil er wisse, dass er sich hier absolut nichts vorzuwerfen habe. "Wogegen ich mich aber mit allen Mitteln wehren werde, sind Versuche, meine Familie, die Landesregierung und meine Partei, die SPÖ Burgenland, in dieses politische Spiel hineinzuziehen", sagte Illedits.

Doskozil: "Einmaliges Fehlverhalten"

Am Freitagabend habe er Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) über seinen Rücktritt informiert, so Illedits. Er halte diesen Schritt für richtig und habe ihn daher zur Kenntnis genommen, hielt Doskozil in einer Aussendung fest. "Christian Illedits hat aus freien Stücken die Konsequenz aus einem einmaligen Fehlverhalten gezogen. Ich habe Respekt davor, dass er seine politische Verantwortung in dieser Weise wahrnimmt", so Doskozil. Dem nun bekannt gewordenen Vorfall vor rund zwei Jahren stehe ein politisches Lebenswerk gegenüber, das Anerkennung verdiene, betonte der Landeshauptmann.

Über die nunmehr erforderlichen personellen und politischen Weichenstellungen werde er zeitnah informieren, so Doskozil, der für Montag eine Stellungnahme ankündigte.

FPÖ fordert Ehrenerklärung

Er nehme den Rücktritt von Landesrat Christian Illedits (SPÖ) "zur Kenntnis", stellte FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer am Samstag fest. Hofer forderte in einer Aussendung eine Ehrenerklärung der SPÖ im Burgenland. Seit dem Bekanntwerden des Skandals der Commerzialbank würden am Wiener und Eisenstädter Parkett "bösartige, aber auch sehr konkrete Gerüchte" die Runde machen, wonach prominente Vertreter des Landes Informationen über die Krise der Bank genützt hätten, um ihre Vermögen zu sichern, so Hofer. Er fordert "volle Aufklärung über diesen Sachverhalt und eine Erklärung der SPÖ Burgenland, dass kein Funktionär der Partei einen Informationsvorsprung über den Bankenskandal zum persönlichen Vorteil genutzt hat."

ÖVP: "Wohl nur die Spitze des Eisberges"

"Der Rücktritt des burgenländischen Landesrats, der in der Bezirksorganisation der SPÖ-Mattersburg seit 1996 Mitglied ist, ist wohl nur die Spitze des Eisberges", so die stellvertretende ÖVP-Generalsekretärin Gaby Schwarz. Es sei "an der Zeit, dass Doskozil das macht, was man von einem Landeshauptmann erwartet: Verantwortung übernehmen. Wegducken, wegreden und wegschauen ist garantiert nicht das, was sich die Menschen von Doskozil jetzt erwarten", so die ÖVP-Politikerin.

Für die Grünen sei der Rücktritt von Christian Illedits schon "längst überfällig", so Klubobfrau Regina Petrik. Illedits habe "Ämter und Funktionen gesammelt wie kaum ein anderer im Burgenland. Er lässt sich Goldbarren schenken, seinen Fußballverein mit unglaublichen Summen sponsern und soll dafür keinerlei Gegenleistungen erbracht haben?", zeigte sich Petrik verwundert.

Sie verwies in einer Aussendung auch auf die Tatsache, dass Illedits "nicht aus freien Stücken" seinen Posten räume, sondern weil ihn eine Anzeige dazu zwinge. Die Grünen fordern weiterhin mehr Transparenz bei der Bestellung von Aufsichtsräten in den Unternehmungen des Landes, betonte Petrik. (apa)