Der Skandal um die Commerzialbank Mattersburg führt zu Nachbeben weit über das Burgenland hinaus. Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil (SPÖ) lobte Montagmittag den Rücktritt von Wirschafts- und Soziallandesrat Christian Illedits (SPÖ) am Wochenende, auch wenn das für die SPÖ "ein Schlag" sei: "Das müssen wir verdauen."  Illedits war am Samstag mit der Begründung zurückgetreten , dass er zum 60. Geburtstag einen Goldbarren im Wert von 5400 Euro vom SV Mattersburg bekommen habe, dessen Obmann Martin Pucher war, der zugleich Vorstand der Commerzialbank war.

Ein hörbar schlecht gelaunter Doskozil ging postwendend zu einem Gegenangriff über, nachdem die Landes-ÖVP am Vormitag mit einem Untersuchungsausschuss im Landtag wegen der Causa Commerzialbank gedroht hatte.. Einerseits kündigte er für das Burgenland ein Gesetz an, dass Spenden von Wirtschaftsbetrieben an Parteien verbieten soll. Andererseits attackierte er die ÖVP und Bundeskanzler Sebastian Kurz sowie dessen Spendengeber frontal. Hier werde ein System bedient, bei dem sich der "österreichische Geldadel" die Poliitk halte. Warum zahle ein Baukonzern eine Million Euro an Spenden für Kurz.? Warum gebe es 430.000 Euro an Spenden durch den  KTM-Boss?  Weil es eine Förderzusage des Landes Oberösterreich für ein "KTM-Museum" geben, so Doskozil.

1,2-Millionen-Transaktion "ist eine Lüge"

Zugleich stellte der burgenländische Landeshauptmann neue Vorwürfe in Eisenstadt in den Raum. Demnach habe es nur 24 Stunden vor der Finanzmarktaufsicht am 14. Juli angeordneten Schließung der Commerzialbank Mattersburg "Geldverschiebungen zwischen fünf und zehn Millionen Euro" gegeben, die aus der Bank herausgezogen worden seien. "Wo sind die?", sagte Doskozil. Umgekehrt wies er einen Bericht des "Kurier" scharf zurück, dass das Regionalmanagement Burgenland, die im Landesbesitz ist, nur wenige Stunden vor der Bank-Schließung 1,2 Millionen Euro behoben habe. "Das ist nicht wahr, das ist eine Lüge", donnerte Doskozil den Medienvertretern in Eisenstadt entgegen. Er verwahrte sich dagegen, hier gehe es um ein "SPÖ-Bashing".

Auch die Regionalmanagement Burgenland GmbH (RMB) hat am Montag den Medienberichte  über eine Geldabhebung von einem RMB-Konto bei der Commerzialbank Mattersburg Mitte Juli, wenige Stunden vor deren behördlicher Schließung, dementiert. "Es hat zum besagten Zeitpunkt und auch danach keine Kontobehebung stattgefunden", stellte das Unternehmen in einer Aussendung fest.

Neuer Landesrat bis kommender Woche

Die Nachfolge von SPÖ-Landesrat Illedits wird erst bis kommender Woche entschieden. Vorerst wird mit Sonja Windisch eine hohe Beamtin des Landes diese Aufgaben  interimistisch übernehmen. Für kommende Woche wird außerdem eine Sondersitzung des Landtags erwartet. Darauf drängen ÖVP, FPÖ und Grüne im Burgenland wegen der Affäre um die Commerzial Bank. Die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft ermittelt  gegen zwei Beschuldigte, darunter Ex-Vorstand Pucher. Es geht um den Verdacht der Bilanzfälschung und der Untreue.