Vorerst 9800 Kunden bei der von der Finanzmarktaufsicht Mitte Juli geschlossenen Commerzialbank Mattersburg können aufatmen. Sie haben mit Stand vom Montagnachmittag Geld aus der von den Banken eingerichteten Einlagensicherung ausbezahlt erhalten. In Summe machten diese Auszahlungen bisher 370 Millionen Euro aus, berichtete Stefan Tacke, Geschäftsführer bei der Einlagensicherung, im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Dabei sind Einlagen grundsätzlich bis 100.000 Euro gedeckt.

"Die Kunden sind großteils sehr verständnisvoll", schilderte Tacke. Für einige, die Kunden bei der nunmehr gespeerrten Regionalbank im Burgenland waren, gab es allerdings bei der Rettungsaktion für ihr Erspartes ein böses Erwachen. Als sich diese an die Einlagensicherung gewandt haben, musste man dort feststellen, dass dem Angesparten auch teils erfundene Kredite gegenüberstanden. Die Betroffenen hätten damit statt des angegebenen und erwarteten Guthabens sogar ein Minus bei der Commerzialbank. Bevor die Einlagensicherung Geld auszahle, müsse daher geprüft werden, ob es sich nun um fiktive Kredite handle. Man sei bisher auf 30 bis 40 derartige Fälle gestoßen, bilanziert der Geschäftsführer der Einlagensicherung. Diesbezüglich sei man auch in Kontakt mit dem Masseverwalter und der Kriminalpolizei, die in der Causa um die Commerzialbank ermittelt.

Weniger Andrang in der Servicestelle in Zemendorf

In Zemendorf, nur wenige Kilometer von Mattersburg im Nordburgenland entfernt, hat die Einlagensicherung in einer Filiale der Commerzialbank schon seit einiger Zeit auch eine Servicestelle für die Abwicklung von Auszahlungen eingerichtet, um vor allem auch die vielen älteren Bankkunden, die weniger oder gar mit dem Internet und Online-Banking vertraut sind, besonders zu unterstützen. Am Mittwoch (von 9 bis 12 Uhr sowie von 13 bis 16 Uhr) sowie am Freitag dieser Woche (von 9 bis 13 Uhr) hat diese Servicestelle jedenfalls noch geöffnet. Allerdings ist der Kundenandrang dort inzwischen schon zurückgegangen, nachdem mittlerweile die Auszahlungen an rund drei Viertel der betroffenen Kunden bereits erfolgt sind.

Arbeitslos wird man bei der Einlagensicherung im Zusammenhang mit der Commerzialbank Mattersburg in absehbarer Zukunft freilich keinesfalls. Jetzt kann und wird man sich vielmehr verstärkt um die weitere Abwicklung von "Spezialfällen" kümmern, wie Tacke erläuterte. Schließlich gibt es auch Ausnahmebestimmungen, bei denen mehr als die grundsätzlich vorgesehenen 100.000 Euro durch die Einlagensicherung gedeckt werden können. Das betrifft unter anderem Fälle mit Treuhandschaften, Verlassenschaften oder Vormundschaften.