Immer mehr junge Menschen sind von einer Coronavirus-Infektion betroffen. "Wir beobachten eine völlige Veränderung der Alterspyramide", erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bei der wöchentlichen Pressekonferenz zu den Corona-Zahlen. Seien am Beginn der Pandemie vor allem die älteren Menschen betroffen gewesen, seien jetzt die 15- bis 24-Jährigen die am häufigsten positiv getesteten Personen in Österreich. "Wir haben in Österreich ein Durchschnittsalter (der neu positiv Getesteten; Anm.) von 33,7 Jahren", sagte Anschober. In Deutschland seien es 34 Jahre.



Es sei noch nicht klar, warum das so ist: "Das könnte eine Fehleinschätzung sein, nicht betroffen zu sein", so Anschober . "Das ist nicht so. Das Risiko ist ein unterschiedliches, aber niemand ist sicher." So könne eine Corona-Erkrankung manchmal auch bei einem symptomfreien Verlauf eine Schädigung des Herzens zur Folge haben. Das habe eine Studie aus Frankfurt ergeben.

Zuletzt war die Zahl der täglichen Neuinfektionen höchstens im niedrigen dreistelligen Bereich gelegen. Die 282 Neuinfektionen von Donnerstag auf Freitag sind hier ein neues Faktum. Das ist seit Monaten die höchste tägliche Zuwachsrate. Erste Aufschlüsse über das Zustandekommen dieser Entwicklung und mögliche neue Clusterbildungen werden am Freitagabend erwartet.

"Keine Tabus"

Anschober will die "Möglichkeit von Nachschärfungen" überprüfen. "Das kann man nicht bagatellisieren. Das ist alarmierend." Sollte es sich dabei nicht um einen einmaligen Ausreißer nach oben handeln, "haben wir eine besorgniserregende Situation". Falls "reiseassoziierte Cluster" die Ursache der jüngsten Entwicklung sein sollten - darauf deuten Zahlen aus Kärnten, wo 16 von 22 aktuellen Neuinfektionen auf Urlaube bzw. Aufenthalte in Kroatien zurückzuführen sind, und Tirol an -, schließt Anschober Reisebeschränkungen nicht aus. "Da gibt es keine Tabus", bemerkte der Ressortchef.

Über konkrete Maßnahmen will Anschober nach einer Videokonferenz mit den Gesundheitsreferenten der Bundesländer und nach Vorliegen der täglichen Cluster-Analyse mit der Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (Ages) entscheiden, wobei allenfalls das Außenministerium einzubinden wäre.

Bleibende Nachwirkungen auch bei leichteren Verläufen

Positiv ist allerdings, so der Minister: "Die Zahl der Hospitalisierungen ist um vier leicht auf 110 zurückgegangen." Davon - und ebenfalls mit drei Fällen weniger als zuvor - gebe es aktuell 19 Personen auf Intensivstationen.

Ralf Harun Zwick, der ärztliche Leiter der Ambulanten Pneumologischen Rehabilitation der Therme Wien, berichtete von einer Studie aus China, dass 75 Prozent Menschen, die 30 Tage nach einer Entlassung als Gesunde aus dem Krankenhaus kontrolliert wurden, eine Veränderung der Lungenfunktion hatten. 50 Prozent der Menschen hatten eine Verminderte Atemmuskelkraft. Dies sei auch bei leichteren Verläufen der Fall gewesen.

Mehr als 1 Million Tests

Mit dem heutigen Freitag wurde die Zahl von 1 Million Tests überschritten (1.003.432), rund 12.000 Testungen erfolgten in den vergangenen 24 Stunden. In diesem Zeitraum gab es 282 Neuinfektionen. Darunter sind viele Fälle (24 Prozent), die einen asymptomatischen Verlauf aufweisen - "die wir früher nicht erkannt hätten", so der Minister. 25 Prozent der Positivtests stammen aus Umfeldscreenings. (red, apa)