Aufgrund der steigenden Infektionszahlen von Reiserückkehrern aus Kroatien hat Österreich eine Reisewarnung für Kroatien erteilt. Bei der Einreise nach Österreich muss ein ärztliches Gesundheitszeugnis vorgelegt werden.

Die Reisewarnung tritt um Mitternacht von Sonntag auf Montag in Kraft. Urlauber, die sich derzeit in Kroatien befinden, rief das Außenamt dringend auf, heimzukehren. Bei der Einreise ist dann ein Gesundheitszeugnis erforderlich, erklärte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) am Freitag per Aussendung. "Dieses Gesundheitszeugnis muss einen negativen PCR-Test bestätigen, der nicht länger als 72 Stunden zurückliegen darf", hieß es darin.

Wenn ein solcher Nachweis nicht erbracht werden kann, müssten die Reiserückkehrer innerhalb von 48 Stunden einen Test veranlassen, teilte Anschober weiters mit. Bis das Testergebnis vorliege, müssten sie in Quarantäne bleiben. "Damit ist Kroatien gleich eingestuft wie andere Länder des Balkans - Bosnien und Herzegowina, Kosovo, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien."

Rekordzahl an Neuansteckungen

Kroatien hatte am gestrigen Donnerstag eine Rekordzahl an Neuansteckungen mit dem Coronavirus gemeldet. 180 Menschen infizierten sich innerhalb von 24 Stunden mit dem SARS-CoV-2-Virus. In Kärnten wiesen 16 der insgesamt 22 Personen, die am Donnerstag positiv getestet worden waren, einen direkten Kroatien-Bezug auf.

Auch in Tirol wurden in den vergangenen Tagen zumindest 20 positive Coronavirus-Testungen verzeichnet, die in direktem oder indirektem Zusammenhang mit einem Kroatien-Aufenthalt stehen, wie das Land mitteilte. Laut der John Hopkins Universität wurden in Kroatien bisher 6050 positive Corona-Fälle gezählt, 161 Personen sind demnach mit oder an dem Virus gestorben.

Aufgrund der steigenden Zahlen in den Balkanländern werden seit Donnerstag auch an der Brennergrenze gesundheitspolizeiliche Kontrollen durchgeführt. Balkan-Rückkehrer könnten großräumig über den Brenner ausweichen, um Kontrollen an den Grenzübergängen in der Steiermark, Kärnten oder dem Burgenland zu umgehen, so die Begründung der Kontrollen.

Weltweit gilt für Österreicher weiterhin zumindest der Reisehinweis der Stufe 4 ("Hohes Sicherheitsrisiko"), generell wird also von nicht unbedingt notwendigen Reisen abgeraten. Reisewarnungen gibt es seitens des österreichischen Außenministeriums derzeit (ohne Kroatien) für 31 Länder, darunter Bulgarien, Rumänien, Portugal und Schweden sowie die chinesische Provinz Hubei und seit Montag dieser Woche für das spanische Festland.

Kritik von der FPÖ

OÖ-Landeshauptmann Thomas Stelzer begrüßte die Reisewarnung für Kroatien: "122 Neuinfektionen gibt es in Oberösterreich in den vergangenen vier Tagen insgesamt. Alleine 40 Infektionen davon lassen sich in Oberösterreich auf die kroatische Urlaubsregion Makarska zurückführen. Daher danke ich der Bundesregierung für die rasche Reaktion, eine Reisewarnung zu verhängen!"

Kritik kam von der FPÖ: "Die Reisewarnung für Kroatien ist angesichts der geringen Coronazahlen in den besonders von Touristen besuchten Gebieten übertrieben", waren sich der freiheitliche Europaparlamentarier, Roman Haider, und der außenpolitische Sprecher des FPÖ-Nationalratsklubs, Axel Kassegger, einig. So gebe es beispielsweise in der bei Österreichern besonders beliebten Region Istrien nur elf aktuelle Coronafälle, in der ganzen Küstenregion nicht ganz 200 Erkrankte.

"Natürlich ist es wichtig, die Situation im Auge zu behalten. Die aktuellen Daten sprechen aber klar gegen eine Reisewarnung", erklärte Haider. Zudem sei nicht gesichert, ob Einreisende mit einer Coronaerkrankung sich wirklich in Kroatien infiziert hätten. Einreisende aus anderen Balkanstaaten könnten Kroatien als Reiseland angeben, um so die Quarantänebestimmungen für andere Staaten zu vermeiden.

FPÖ-Bundesparteiobmann Norbert Hofer zeigte sich irritiert von der Forderung des Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter nach Gesundheitskontrollen an den österreichischen Südgrenzen: "Diese Haltung ist engstirnig und wird Österreich wohl spätestens im Winter einen Nachteil bringen, wenn Gäste aus dem Süden dann eben ihren Skiurlaub nicht in Österreich machen, weil sie sich daran erinnern, wie manche Politiker hierzulande im Sommer agiert haben."

Der kroatische Innenminister Davor Bozinovic verwies darauf, dass nur einzelne Regionen und nicht das ganze Land von steigenden Infektionszahlen betroffen seien. "In den Regionen, wo sich die meisten Touristen aus Österreich befinden, gibt es eine günstige epidemiologische Situation", sagte Bozinovic am Freitag bei einer Pressekonferenz des nationalen Corona-Krisenstabs.

"Alle ohne Masken"

Österreichische Urlauber, die sich in kroatischen Touristenzentren aufhalten, wunderten sich aber kaum über die Entwicklung, die nun zur ab Montag gültigen Reisewarnung des österreichischen Außenministeriums geführt hat. Von Menschenmassen in Porecs Innenstadt berichtete etwa der Urlauber Paul K., "alle ohne Maske", am Freitag. Ähnlich Melanie B. aus Zadar: "In der Innenstadt ist schon sehr viel los. Von Hygienemaßnahmen ist da nicht viel zu spüren, außer in Geschäften und die Kellner in den Lokalen." Sonst sei alles wie immer.

Wer kann, wird versuchen, vor Montag aus Kroatien zurückzukehren. Das erwartete auch der ÖAMTC. "Wir rechnen mit erheblichen Staus an den Grenzen", hieß es am Freitag. Der Autofahrerklub empfahl, möglichst azyklisch in der Nacht zu fahren, damit man spätestens zeitig in der Früh an der Grenze ist. Spätestens ab den Vormittagsstunden sei mit langen Wartezeiten vor den Übergängen zu rechnen. Wer sie kennt, sollte außerdem Schleichwege nutzen.

Kärntner Landesrat warnt vor Kroatien-Rückkehrern

Der Kärntner Tourismusreferent Sebastian Schuschnig (ÖVP) hat am Freitag die Hotellerie dazu aufgerufen, keine Urlauber zu beherbergen, die aus Kroatien kommen und in Kärnten ihren restlichen Urlaub verbringen wollen. Es müsse verhindert werden, dass das Virus so unkontrolliert über Rückreisende eingeschleppt werde, sagte Schuschnig.

Es werde nach der Ankündigung der Reisewarnung durch Österreich und den Appell zur Rückkehr besonders am Wochenende zu vielen Abreisen kommen. Viele Urlauber würden aber nicht direkt in ihre Heimat zurückfahren, sondern ihren Urlaub an anderen Orten wie etwa Kärnten verlängern. Man rate derzeit von der Beherbergung von Gästen, die aus Kroatien kommen, dringend ab, so Schuschnig. "Sofern eine Beherbergung dennoch erfolgen muss, sollte jedenfalls ein negativer PCR-Test durch Gäste aus Kroatien vorgewiesen werden." (apa)

Anmerkung der Redaktion: Der Artikel wurde um 18:32 mit zusätzlichen Informationen ergänzt.