Wien. Österreich sei bisher bei der Coronaausbreitung "gut durch den Sommer gekommen", zuletzt sei aber die Entwicklung "besorgniserregend" gewesen. Bundeskanzler und ÖVP-Obmann Sebastian Kurz hat deswegen am Sonntagvormittag in einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz seine Forderung nach mehr Gesundheitstests an den Grenzübergängen mit Nachdruck wiederholt. "Das Virus kommt über die Grenze nach Österreich", sagte er im Bundeskanzleramt mit Hinweis darauf, dass die Zahl der Coronainfektionen von Reiserückkehrern vor allem aus Kroatien zunimmt.

Vor allem Kroatien im Fokus

Für Reiserückkehrer aus Kroatien gilt ab heute Mitternacht, null Uhr, eine Reisewarnung. In den vergangenen 24 Stunden wurden bis Sonntagvormittag 191 neue Coronainfektionen registriert. In Oberösterreich wurde mehr als die Hälfte der Neuinfektionen auf Rückkehrer aus dem Ausland, speziell aus Kroatien zurückgeführt.

Kurz wiederholte bei seinem Presseauftritt in erster Linie seine jüngsten Aussagen. Von Differenzen mit dem von Rudi Anschober (Grüne) geführten Gesundheitsministerium wollte er dennoch ausdrücklich nichts wissen. Man arbeite sehr gut mit dem Gesundheitsministerium und den Bundesländern, die für die Gesundheitsbehörden zuständig sind, zusammen. Es sei zwar "nett", dass die Polizei verstärkt Grenzkontrollen durchführe. Die Polizisten führen aber lediglich die Anhaltungen der Autofahrer und Busse sowie die Kontrolle der Reisepässe durch. Für die Gesundheitstests sind aber die Gesundheitsbehörden zuständig, die von den Bezirkshauptmannschaften eingesetzt werden.

"Was es braucht, sind Gesundheitschecks", betonte Kurz daher nunmehr. Seine Aufforderung in den vergangenen Tagen, dass die Gesundheitsbehörden stärker kontrollieren müssten, war allerdings auch auf Kritik gestoßen, weil er als Regierungschef für die türkis-grüne Bundesregierung verantwortlich ist.

"Seien Sie vorsichtig!"

Der Bundeskanzler verwies auch darauf, dass für Kroatien-Rückkehrer die Gesundheitstests gratis seien. Gerade in den vergangenen Tagen habe sich eine sehr starke Häufung von Neuinfektionen bei Rückkehrern aus Kroatien gezeigt. Die größte Gruppe dabei seien wiederum junge Menschen, erläuterte er. Diese könnten aber ältere Menschen anstecken.

Gleichzeitig richtete der Bundeskanzler einen Appel an die Bevölkerung, die Coronagefahr nicht zu unterschätzen: "Bitte, seien Sie vorsichtig!" Die verschärften Maßnahmen vor allem auch für Reiserückkehrer aus dem Ausland seien auch notwendig, um einen zweiten Lockdown mit Einschränkungen wie heuer im Frühjahr zu vermeiden.