Es war ein ereignisreiches Wochenende für heimische Kroatien-Urlauber. Freitagmittag verkündete das Außenamt eine Reisewarnung für das Adria-Land. Montag zu Mitternacht trat sie in Kraft. Blieben zweieinhalb Tage für die in Kroatien urlaubenden Österreicher, um zu entscheiden: an der Adria bleiben oder zurückkehren?

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Im Zuge der Reisewarnung wegen steigender Infektionszahlen bei Kroatien-Rückkehrern hatte das Außenministerium Österreicher dringend aufgerufen, heimzukehren. Entsprechend viele brachen ihren Urlaub vorzeitig ab und machten sich noch am Wochenende auf den Weg in die Heimat. Schließlich muss seit Montag ein negativer PCR-Test, der nicht älter als 72 Stunden ist, mitgeführt werden. Andernfalls müssen Reisende innerhalb von 48 Stunden einen Test veranlassen und in Heimquarantäne bleiben, bis ein Testergebnis vorliegt.

Lange Staus am Sonntag

Bei der Rückreise über den Grenzübergang Spielfeld gab es ab Sonntagnachmittag lange Staus. Manche Heimreisende standen mehr als drei Stunden in Kolonnen. Rund 350 Österreicher oder in Österreich lebende Personen schafften es wegen des Rückstaus nicht mehr vor Mitternacht über die Grenze. Sie müssen nun vorerst in Quarantäne. Am Montag reisten nur noch wenige Österreicher auf dieser Route zurück. Bis zum späten Montagvormittag wurden in Spielfeld rund 65 Fälle von verhängter Quarantäne registriert. Die meisten Autos auf dieser Strecke hatten deutsche Kennzeichen.

An den Grenzen übernehmen nunmehr Bundesheer-Soldaten mittels Assistenzeinsatz die Aufgabe der Gesundheitsbehörden. Sie sind im Wege der jeweiligen Bezirkshauptmannschaften auch für Gesundheitstests an den Grenzen zuständig. Die Soldaten kontrollieren, ausgestattet mit Mund-Nasenschutz und Gummihandschuhen, bereits vorliegende PCR-Tests von Einreisenden und klären über die nun geltenden Quarantänebestimmungen auf. Rückkehrer ohne negativen Corona-Test müssen zunächst ein Formular ausfüllen und ihre Daten bekanntgeben. Danach bekommen sie von den Soldaten noch ein Informationsblatt, ehe sie weiterfahren dürfen. Die Polizei hält an den Grenzübergängen zwar Fahrzeuge an, darf aber nur Reisepässe kontrollieren.

Aktuell sind 160 Soldaten im Assistenzeinsatz für die Gesundheitsbehörden tätig, wie die "Wiener Zeitung" aus dem Verteidigungsministerium erfuhr. Im Einsatz sind die Soldaten bisher in sechs Bundesländern: in Nieder- und Oberösterreich, im Burgenland, in der Steiermark, in Kärnten, Salzburg und Tirol.

Keine Tests direkt an Grenze

Teststraßen direkt an den Grenzübergängen erteilte Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) unterdessen eine Absage. Der Aufwand wäre riesengroß, führte er am Montag im Ö1-Morgenjournal aus. Aus seiner Sicht mache es zudem keinen Unterschied, ob man bei 1450 anrufe und sich eine Gratis-Testung organisiere oder zu einem Drive-in-Test fährt, wie vor dem Wiener Ernst-Happel-Stadion seit Sonntag kostenlos angeboten (siehe dazu Seite 13).

Die Arbeiterkammer Wien bietet indessen ein Online-Tool mit raschem Überblick über die Corona-Einreise-Verordnung. Damit können Regelungen für Standard-Einreisefälle aus verschiedenen Ländern einfach gescheckt werden. Damit wird auf die für juristische Laien mitunter schwer lesbaren Verordnungstexte reagiert - ebenso wie auf die Tatsache, dass neue Reisewarnungen auch künftig sehr kurzfristig erlassen werden könnten. Die Warnung für Kroatien war zu diesem Zeitpunkt etwa auch für Touristiker durchaus überraschend gekommen.