Der Wolf sorgt wieder einmal für Wirbel in Österreich. In Salzburg liegt ein Fall beim Verwaltungsgericht, in Tirol fordert Landeshauptmann Platter die Senkung des Schutzstatus auf EU-Ebene.

Die EU beharrt jedoch auf dem strengen Schutz der Wölfe. Das stellte EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius in einer aktuellen Anfragebeantwortung unmissverständlich klar. Mehrere österreichische EU-Abgeordnete hatten sich erkundigt, ob wolfsfreie Zonen im Alpenraum möglich seien oder an eine Aufweichung des Schutzes gedacht werde. Beides verneinte der litauische Kommissar eindeutig.

Regionale wolfsfreie Zonen seien nach EU-Recht gleich aus mehreren Gründen nicht möglich, wird Sinkevicius am Dienstag in Berichten der "Salzburger Nachrichten" und der "Tiroler Tageszeitung" zitiert: Zum eines gebe es Möglichkeiten zum Herdenschutz und zu finanziellen Entschädigungen. Zweitens könnten sich solche Zonen negativ auf den Erhaltungszustand der Art auswirken. Jeder Abschuss eines "Problemwolfes" müsse im Einzelfall geprüft werden.

Fall im Salzburger Pongau

Genau das ist aktuell im Salzburger Pongau der Fall: Die Bezirkshauptmannschaft St. Johann hat heuer im Juni die "Entnahme" jenes Wolfes genehmigt, der im Vorjahr zumindest 24 Schafe im Großarltal gerissen hatte. Naturschützer haben aber Beschwerde dagegen erhoben, die Sache liegt nun beim Landesverwaltungsgericht.

Auf jeden Fall darf der Abschuss eines "Problemwolfes" den günstigen Erhaltungszustand der Art nicht gefährden. Und der EU-Kommissar betonte, dass der Erhaltungszustand auf der Ebene der einzelnen biogeografischen Regionen innerhalb eines Mitgliedsstaats bewertet werde, wobei die Kommission diesen Erhaltungszustand in Österreich erst vor einem Jahr als "ungünstig-schlecht" bewertet habe.

Gleichzeitig informierte Sinkevicius, dass die Kommission derzeit Richtlinien erarbeitet, mit denen die "Richtlinie zur Erhaltung der natürlichen Lebensräume sowie der wildlebenden Tiere und Pflanzen" (die "Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie" oder kurz FFH-Richtlinie) klarer ausgelegt und die Bestimmungen leichter angewandt werden können. Eine der Bestimmungen listet auf, wann einzelne Wölfe getötet werden dürfen. Der Kommissar stellte aber klar, dass es nicht um eine Überarbeitung der Anhänge gehe, in denen der Schutzstatus von Arten festgelegt ist.

WWF: Bauern beim Herdenschutz unterstützen

Als Reaktion auf die Aussage von EU-Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius, wonach "wolfsfreie Zonen" nicht möglich sind und auch nicht an eine Aufweichung des Wolf-Schutzes gedacht werde, erhebt der WWF erneut die Forderung an die Politik, die Almbauern beim Herdenschutz entsprechend zu unterstützen. Es brauche u.a. bessere Entschädigungen und ausgewogene Information.

"Wem die berechtigten Sorgen der Almwirtschaft ein Anliegen sind, blendet Bäuerinnen und Bauern nicht mit unrealistischen Forderungen, sondern muss die Umsetzung von Herdenschutz konsequent unterstützen", spielte WWF-Artenschutzexperte Arno Aschauer am Dienstag in einer Aussendung auf die jüngsten Aussagen des Tiroler Landeshauptmanns Günther Platter (ÖVP) an, der erst am Montag eine Senkung des Schutzstatus des Wolfes in der EU gefordert hatte: "Die Zeit der Wolfs-Romantik muss vorbei sein", hatte Platter erklärt.

Die Forderungen des WWF: eine Wiederbelebung des Hirtenwesens, die Ausbildung von Herdenschutzhunden, bessere Entschädigungen für betroffene Halter von Nutztieren und eine ausgewogene Information.

Platter fordert Senkung des Schutzstatus

Auch in Tirol ist eine Diskussion über den Schutzstatus des Wolfs entbrannt. Grund dafür: In den vergangenen Wochen und Monaten wurde zahlreiche Schafe gerissen.

Nachdem bereits LHStv. Josef Geisler (ÖVP) mehr Handhabe eingefordert hatte, verlangte nun auch LH Günther Platter (ÖVP) eine Senkung des Schutzstatus auf EU-Ebene. Die Arge Alp werde diesbezüglich einen Vorstoß unternehmen, erklärte er am Montag.

Denn nur dann sei eine Entnahme von Wölfen, insbesondere von Problemwölfen möglich. "Die Zeit der Wolfs-Romantik muss vorbei sein", betonte Platter. Allein im heurigen Jahr sei von beinahe 90 Wolfsrissen auszugehen. Wenn von Tierschutz die Rede ist, dürfe man nicht nur an den Schutz des Wolfes denken, sondern es gehe auch um den Schutz von Schafen und anderen Weidetieren.

"Ich habe vollstes Verständnis für die Sorgen der heimischen Bäuerinnen und Bauern und bin der Meinung, dass der Wolf bei uns keinen Platz hat", sagte der Landeshauptmann. Gerade in Tirol, wo es eine Kombination aus beengtem Siedlungsraum, kleinstrukturierter Berglandwirtschaft, Almwirtschaft und Tourismus gebe, funktioniere ein Miteinander von Mensch, Nutztier und Wolf nicht. (apa)