SPÖ-Obfrau Pamela Rendi-Wagner hat ihre Forderung nach einer Vier-Tage-Woche ein weiteres Mal verteidigt. Es gebe eine breite Mehrheit in der Partei, die sowohl dafür, als auch für die Einführung eines 1700-Euro-Mindestlohns stehen würden, sagte sie am Montag im ORF-"Sommergespräch". Parteiinterne Kritiker, wie Burgenlands Landeshauptmann Hans Peter Doskozil, rufe sie "öfter als ihm lieb ist" an.

Eine Vier-Tage-Woche, um die wirtschaftlichen Auswirkungen der Coronakrise abzufedern, müsse ein freiwilliges Angebot an Unternehmen sein, betonte Rendi-Wagner abermals. Was die SPÖ-Obfrau laut eigener Aussage jedenfalls nicht will ist, diesen Vorschlag gegen jenen zum Mindestlohn auszuspielen, denn: "Es gibt eine breite Mehrheit in der SPÖ, die für beides stehen." Eine Maßnahme allein reiche nicht, um Österreich aus der Krise zu führen.

Dass sie als angesehene Epidemiologin von der Regierung nicht mehr in das Krisenmanagement zur Coronapandemie eingebunden wird, ärgert Rendi-Wagner nicht wirklich. Man müsse hier Befindlichkeiten beiseite stellen, sagte sie. Immerhin habe die türkis-grüne Regierung auch Vorschläge - etwa zu Fieberchecks und das Verbot von Großveranstaltungen - wenige Tage später aufgenommen, meint die ehemalige Gesundheitsministerin.

Kritik an Umgang mit Coronakrise

Dennoch übte Rendi-Wagner auch Kritik am Umgang der Regierung mit der Coronakrise. So hätte ein Rekordstau wie zuletzt an der Kärntner Grenze locker verhindert werden können, sei die Rückreisewelle doch nicht überraschend gekommen. "Das Wichtigste beim Management einer Krise ist Klarheit und Sicherheit", findet die SPÖ-Obfrau und Medizinerin, die eine allgemeine Grippe-Impfpflicht zwar ablehnt, diese aber für medizinisches Personal vorschlägt.

Dass zwei SPÖ-Funktionäre als Mitglieder der Österreichisch-Weißrussischen Gesellschaft das dortige Regime offensichtlich unterstützen, findet die Parteichefin nicht in Ordnung. Sie habe ihren Bundesgeschäftsführer Christian Deutsch beauftragt, die beiden Mitglieder schriftlich aufzufordern, dies zu unterlassen, "sonst wird es Konsequenzen geben". Konkret zuständig sei dafür aber die niederösterreichische Landespartei.

Zuversichtlich zeigte sich Rendi-Wagner für die Wien-Wahl, auch wenn sie kein konkretes Wahlziel nennen wollte, da der Wahlkampf ihrer Meinung nach noch nicht einmal begonnen habe. Die ganze Partei stehe hinter dem amtierenden Bürgermeister Michael Ludwig, der für Kontinuität stehe. Außerdem gelte: "Was eine Stadt wie diese nicht braucht, ist ein Experiment." Und auch selbst will Rendi-Wagner laut eigener Aussage Spitzenkandidatin bei der nächsten Bundeswahl sein. (apa)