Mit September ist es so weit: Die bereits im türkis-grünen Regierungsprogramm angekündigte Steuerreform tritt in Kraft. Wegen der Corona-Krise wurde das im Parlament einstimmig beschlossene Paket vorgezogen und gilt nun rückwirkend mit Beginn des Jahres. Wichtigster Punkt: Der unterste Steuersatz für alle Lohn- und Einkommensteuerzahler wird von 25 auf 20 Prozent gesenkt. Für Monatseinkommen ab 1800 Euro brutto schlägt sich das in einer Entlastung von 350 Euro pro Jahr nieder. Für den Zeitraum Jänner bis August sieht das Finanzministerium eine Rückerstattung vor: Arbeitgeber müssen die Lohnsteuer "aufrollen" und neu berechnen.


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Wer seinen Anteil an der Steuersenkung nachrechnen möchte, kann das auf der Homepage des Finanzministeriums tun - unter bmf.gv.at/rechner.
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Allerdings: Wer so wenig verdient, dass er keine Lohn- und Einkommenssteuer zahlt, wird durch die Steuersenkung naturgemäß nicht entlastet. Deshalb umfasst die Reform auch eine Erhöhung der Negativsteuer für Geringverdiener von bislang höchstens 300 auf maximal 400 Euro pro Jahr. Arbeitnehmer erhalten den Betrag rückvergütet – allerdings erst über den Lohnsteuerausgleich im kommenden Jahr. Zusätzlich gibt es eine Sonderzahlung für Familien: Jedes Kind (in Österreich), das Familienbeihilfe bezieht, erhält mittels Einmalzahlung 360 Euro.

Die Regierung erhofft sich von der 2,7 Milliarden Euro schweren Steuerreform, dass zusätzliches Haushaltsgeld zu großen Teilen in den Konsum fließt und damit die Wirtschaft belebt. Diesen Effekt erwarten Ökonomen aber nicht. "Die unteren Einkommen werden mit dieser Reform nicht gezielt entlastet", sagt Wifo-Ökonomin Silvia Rocha-Akis zur "Wiener Zeitung". Dies gelte umso mehr nach den Effekten der Corona-Krise, weil niedrige Einkommensbezieher überproportional oft ihren Job verloren haben – und damit erst recht nicht lohnsteuerpflichtig sind. Auch die Erhöhung der Negativsteuer habe laut der Ökonomin einen "äußerst marginalen Effekt" auf den Konsum.

Höhere Einkommen: Sparen statt konsumieren

Grundsätzlich fließt laut den Wifo-Modellen zusätzliches Haushaltsgeld bei niedrigen Einkommen weitgehend in den Konsum. Bei höheren Einkommen schlägt es sich dagegen in einer höheren Sparneigung nieder – wodurch das Geld nicht in den Wirtschaftskreislauf gelangt. Stärkere Effekte als die Steuerentlastung hätten demnach erhöhte Transferzahlungen wie das Arbeitslosengeld oder eine Senkung der Sozialbeträge für niedrige Einkommen.

Am stärksten profitieren von der Steuerreform nämlich Männer und Gutverdiener, wie der Budgetdienst des Parlaments berechnete: Männer kommen demnach sechs von zehn Euro der Reform zugute, weil sie aufgrund höherer Einkommen mehr vom gesenkten Eingangssteuersatz haben als Frauen. Gleichzeitig betrifft die Entlastung höhere Einkommen stärker: Von den 2,7 Milliarden Euro erhält das oberste Fünftel der bestverdienenden Haushalte 624 Millionen Euro, das unterste Fünftel nur 364 Millionen.