Die Sozialpartner sollen im Laufe des Septembers Regeln für das Homeoffice erarbeiten. Noch sind weder Termine noch genaue Diskussionspunkte fixiert. Im Vorfeld der Gespräche dreht sich die Debatte allerdings weniger um Ruhebestimmungen, Arbeitszeitaufzeichnungen und -überprüfungen oder versicherungsrechtliche Fragen im Homeoffice. Arbeitnehmervertretung und Sozialdemokratie argumentieren für eine generelle Arbeitszeitverkürzung; Arbeitgeber und Volkspartei sind dagegen - der Stand der Debatte.

Gewerkschaften fordern Neuverteilung der Arbeit

Der ÖGB lieferte ein Paket an Vorschlägen, um die Arbeitslosigkeit von derzeit mehr als 420.000 Personen bis zum nächsten Sommer auf 300.000 zu senken. Neben der Kurzarbeit sind auch Altersteilzeit, das Solidaritätsprämien-Modell, die Vier-Tage-Woche, eine sechste Urlaubswoche und eine generelle Reduktion der Wochenarbeitszeiten mit dabei: "Arbeitszeitverkürzung schafft Beschäftigung", lautet das Argument der Gewerkschaft.

Das Thema haben auch SPÖ und Arbeiterkammer aufgegriffen. "Arbeitszeitverkürzung in Form von Kurzarbeit hat durch die Krise geholfen", sagte AK-Präsidentin Renate Anderl im Ö1- "Morgenjournal" am Montag. Die Idee dabei ist es, die vorhandenen Arbeitstunden auf mehr Menschen aufzuteilen und mit kürzeren Arbeitszeiten mehr Jobs zur Verfügung zu haben.

Die Vollzeit-Beschäftigten in Österreich arbeiten mit 41,1 Arbeitsstunden nach Malta (41,3 Stunden) und Zypern (41,2) im europäischen Vergleich am drittlängsten pro Woche. 39 Millionen Mehr- und Überstunden jährlich würden weder in Zeit noch Geld abgegolten. "Der Wert dieser Gratis-Arbeit entspricht einem Einkommen von 900 Millionen Euro pro Jahr oder der Gratis-Arbeit von 23.000 Vollzeitbeschäftigten", argumentiert die Arbeitnehmer-Seite. Außerdem steige der Druck mit der Digitalisierung und dem türkis-blauen Gesetz zur möglichen Ausweitung der wöchentlichen Arbeitszeiten.

Wirtschaftsvertretung für mehr Flexibilisierung

ÖVP-Wirtschaftsbund-Generalsekretär Kurt Egger kann Anderls Forderungen "nichts abgewinnen". Sein Argument für das Arbeitszeitgesetz, wonach eine Verlängerung der Wochenarbeitszeit möglich ist, ist: "Gerade in der Krise brauchen Unternehmer und ihre Mitarbeiter flexible Lösungen." Eine Studie von EcoAustria im Auftrag des Wirtschaftsministeriums zeige, dass flexible Arbeitszeiten "niedrigere Preise und eine erhöhte Nachfrage nach heimischen Gütern sowie höhere Einkommen für Mitarbeiter" bringen würden. Stunden könnten flexibel an die Auftragslage angepasst werden. Außerdem sei die durchschnittliche Arbeitszeit 2019 gegenüber 2017 gesunken.

Wenig verwunderlich, dass auch der Generalsekretär der Wirtschaftskammer, Karlheinz Kopf, bereits Anfang Juli der SPÖ-Forderung nach einer 4-Tage-Woche eine "klare Absage" erteilte, gehört er doch der selben Fraktion, dem Wirtschaftsbund, an. Kopf nannte damals Frankreich als Beispiel dafür, wo nach einer Arbeitszeitverkürzung statt mehr Jobs vor allem die Überstunden angewachsen seien - sich die Arbeitslosenrate aber nicht gesenkt, sondern erhöht habe.

Christoph Neumayer, Generalsekretär der Industriellenvereinigung, argumentiert mit der "Verteuerung des Faktors Arbeit" durch eine Arbeitszeitverkürzung. Die Argumente des Gegenübers würden "durch gebetsmühlenartige Wiederholung nicht besser", sagte er. Stattdessen fordert er eine "Entlastung und Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit" der heimischen Unternehmen.

Wirtschaftbund und IV wissen die ÖVP auf ihrer Seite. Die Grünen wollen zwar das Solidaritätsprämien-Modell, bei dem vier Beschäftigte ihre Arbeitszeit reduzieren, damit eine fünfte Person Arbeit erhält, zwar forcieren. Zu einer generellen Arbeitszeitverkürzung aber sagte Vizekanzler Werner Kogler kürzlich im Interview mit der "Wiener Zeitung": "Dass wir Grünen glauben, dass wir mit der Digitalisierung, wo Arbeitsplätze wegfallen, mittelfristig eine Arbeitszeitverkürzung brauchen, ist klar - auch, dass wir neue Lebensarbeitszeitmodelle wollen. Aber das sind grüne Vorstellungen, das steht nicht im gemeinsamen Regierungsprogramm drinnen."(mad)