In einer Erklärung schwor Gesundheitsminister Rudi Anschober (Grüne) die Österreicher auf die Fortsetzung der Einschränkungen und Vorsicht wegen der Corona-Epidemie ein. "Ich verstehe, dass ein bisserl ein Grant entstanden ist, eine Ungeduld", sagte Anschober am Dienstag. "Mir geht's genauso", auch er sehne sich nach einem Ende der Corona-Pandemie. Zugleich warnte er: "Die Phase 4 ist insgesamt die Phase des Risikos einer zweiten Welle." Das müsse man wirklich verhindern.

Aufhorchen ließ Anschober mit Selbstkritik wegen der Corona-Maßnahmen. "Ja, kritisieren Sie mich!", appellierte er. Dabei nahm er die Mitarbeiter des Gesundheitsministeriums ausdrücklich in Schutz: "Kritisieren Sie mich, aber nicht diejenigen, die seit sechs Monaten eine Sieben-Tage-Woche haben." Denn das sei "brutal". Der Minister bekräftigte außerdem, den Kontakt mit dem National- und Bundesrat zu intensivieren, um die Balance zwischen Grundrechten und Gesundheitsschutz sicherzustellen.

Gesundheitsminister Rudolf Anschober warnt vor der zweiten Corona-Welle. - © APAweb / Hans Punz
Gesundheitsminister Rudolf Anschober warnt vor der zweiten Corona-Welle. - © APAweb / Hans Punz

Hoffnung auf Impfung ab Jänner 2021

Gegen Ende seiner einstündigen Erklärung kündigte der Gesundheitsminister an, dass es im Jänner 2021 eine Corona-Impfung geben "könnte", wie er ausdrücklich betonte. Aber nur unter der Voraussetzung, dass die Pharmafirmen ihre Zusagen einhalten und die Marktzulassung rechtzeitig erfolge. 300.000 Österreicher könnten dann in einer ersten Phase geimpft werden. Das Ziel wäre, dass im kommenden Sommer alle, die daran interessiert seien, geimpft sind.


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Zuvor hatte Anschober darauf verwiesen, dass das Coronavirus nach den Lockerungen der Maßnahmen durch die türkis-grüne Bundesregierung "wieder da" sei. Österreich habe seit dem Lockdown Mitte März schwierige Phasen hinter sich, man habe diese "aber zu einem Teil noch vor uns", betonte der Minister. Er prognostizierte, dass diese Phase vier bis Jänner/Februar kommenden Jahres dauern werde. Anschober stimmte damit die Bevölkerung darauf ein, dass weiterhin besondere Schutzmaßnahmen notwendig sein werden: "Es wird noch ein bisschen dauern." Wichtig seien die Basisvorkehrungen: Hygienemaßnahmen, Mindestabstand und Mund-Nasen-Schutz.

"Dieser Tag ist ein Tag der Zäsur", erklärte der Gesundheitsminister, weil mit dem 1. September auch der meteorologische Herbst beginne. Er habe sich diese Erklärung schon vor Wochen vorgenommen, stellte er fest. Damit versuchte er dem Eindruck entgegenzuwirken, dass seine Erklärung zur Corona-Pandemie mit dem Start der Phase vier  das bewusste Gegenstück zur Erklärung von Bundeskanzler ÖVP-Obmann Sebastian Kurz vom Freitag sei.

"Sternstunde des Miteinanders"

Der Gesundheitsminister hob hervor, wichtig sei für ihn, dass es nur in wenigen anderen Industrieländern so wenige Sterbefälle wegen der Corona-Pandemie wie in Österreich gegeben habe. In diesem Zusammenhang lobte er das Mitwirken der Österreicher bei den Maßnahmen. Das sei "eine Sternstunde des Miteinanders, ein Comeback der Solidarität" gewesen, bilanzierte er erfreut.

Anschober bat auch um Verständnis für Fehler. Das Gesundheitsministerium und die Mitarbeiter hätten immerhin 91 Verordnungen zur Corona-Pandemie erlassen, "drei sind in die Kritik gekommen". Dazu seien beispielsweise 105.000 Anfragen  von Bürgern gekommen. Der Ressortchef trat damit auch wachsender Kritik am Gesundheitsressort entgegen.