Wenige Tage vor dem Schulbeginn in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland bekommen Eltern von Schulkindern im Wege der Schulen "Post" von der Bundesregierung. Bildungsminister Heinz Faßmann und Familienministerin Christine Aschbacher (ÖVP) ersuchen in einem mit dem heutigen Mittwoch datierten Elternbrief, Mütter und Väter, zur Reduzierung von Corona-Infektionen im neuen Schuljahr 2020/21, "den Gesundheitszustand Ihres Kindes genau zu beobachten und es im Zweifelsfall zu Hause zu lassen". Bei Fieber ist für die beiden Ressortchefs die Sache klar: "Ab einer Körpertemperatur von mehr als 37,5 Grad ist definitiv von einem Schulbesuch abzusehen."

In den Schulen sind bei Direktorinnen und Direktoren die Vorbereitungen auf das neue Schuljahr längst angelaufen. Nach dem Heimunterricht wegen der Corona-Epidemie ab Mitte März und dem eingeschränkten Unterricht wegen der geteilten Klassen ab Mai bis zum Ende des vergangenen Schuljahres stehen für Schüler, Eltern und Lehrer jetzt  ebenfalls neue Herausforderungen bevor. So müssen wegen der Corona-Gefahr in den einzelnen Schulen eigene Krisenteams eingesetzt werden.

Zwar ist vorerst beim Unterricht in den Klassen keine generelle Pflicht vorgesehen, dass Schüler und Lehrer Mund-Nasen-Schutz tragen müssen. Bildungs- und Familienministerin erinnern aber an die Einhaltung der besonderen Hygienevorschriften, um Corona-Ausbrüche in den Schulen zu verhindern. Sie verweisen in dem Brief an die Erziehungsberechtigten auch auf die neue Corona-Ampel, die vom Gesundheitsministerium ab Freitag dieser Woche zum Einsatz kommt und je nach Corona-Gefahrenlage die Farben Grün, Gelb, Orange und Rot vorsieht. Damit sind auch die unterschiedlichen Handlungsanleitungen für die Schulen vorgegeben, die Schulleitungen warten aber schon gespannt auf die Details, die sich durch die Corona-Ampelregelung ergeben.

Faßmann und Aschbacher rufen zu in dem Elternbrief zu einem "verantwortungsvollen Umgang" angesichts der Corona-Situation auf. "Es wäre unrealistisch, von Ihnen als Eltern und Erziehungsberechtigte zu verlangen, Ihr Kind wegen eines Schnupfens nicht in die Schule zu schicken", schreiben die beiden Ressortchefs. Mütter und Väter sollten aber bei Auftreten von Symptomen unbedingt die Körpertemperatur ihrer Kinder messen.  Unterstützt wurde das Bildungsministerium bei der empfohlenen Vorgangsweise von der Virologin Monika Redlberger-Firtz.

Hinweis auf Sonderbetreuungszeit bis Februar 2021

Um Eltern zu animieren, Schüler im Zweifelsfall nicht zum Unterricht zu schicken, wird in dem Brief ausdrücklich auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Mütter beziehungsweise Väter Sonderbetreuungszeit in Anspruch nehmen. Diese wegen der Corona-Epidemie geschaffene Sonderregelung wird bis Februar 2021 verlängert. Demnach haben Eltern die Möglichkeit, "für Ihre Kinder eine Sonderbetreuungszeit im Ausmaß von bis zu drei Wochen unter Fortzahlung des Entgelts in Anspruch zu nehmen, auch wenn diese bereits im ersten Halbjahr beansprucht wurde"; wird in dem Minister-Brief erläutert.

Generell bekräftigen der Bildungsminister und die Familienministerin ihre Hoffnung auf einen "möglichst regulären Schulalltag" im neuen Schuljahr 2020/21. Freilich räumen die beiden Ressortschefs auch ein: "Das Eindämmen der Corona-Infektionen, die Wichtigkeit von Bildung, die Notwendigkeit, dem jeweiligen Beruf nachzugehen – all das in Einklang zu bringen, ist schwierig und schafft ein Spannungsverhältnis." Es werde darum gehen, die Ängste der Anderen gemeinsam zu bewältigen.