Mit der Rückkehr der Ostösterreicher aus den Ferien geht die Sommersaison im Tourismus dem Ende zu. Dafür hat die in Österreich besonders wichtige Wintersaison wegen des anhaltenden Corona-Risikos längst ihre Schatten vorausgeworfen. Für den Neos-Vizechef und Hotelier Sepp Schellhorn ist das Grund für einen lauten Aufschrei, weil er von Seiten der türkis-grünen Bundesregierung eine verlässliche Strategie vermisst.

In Anspielung auf jüngste Äußerungen von Bundeskanzler Sebastian Kurz kommt der Neos-Wirtschaftssprecher mit Blick auf den Wintertourismus im Gespräch mit der "Wiener Zeitung" zu dem ernüchternden Fazit: "Das Licht am Ende des Tunnels kommt von dem Zug, der uns entgegenkommt. Und Kurz ist der Lokführer."

Schellhorn nimmt vor allem die für den Tourismus zuständige Ministerin Elisabeth Köstinger ins Visier. Die von der ÖVP-Politikerin im Mai versprochenen Tests von Mitarbeitern der Hotels und Tourismusbetriebe für die heurige Sommersaison bezeichnet er als "Flop". Statt der von Köstinger angekündigten 65.000 Corona-Tests pro Woche habe es seither insgesamt nur rund die doppelte Zahl an Tests gegeben, wobei in Köstingers Ministeriums bisher stets auf die Freiwilligkeit der Aktion verwiesen worden ist.

Schellhorn, schon bisher ein scharfer Kritiker der Vorgangsweise der Bundesregierung, prangert aber nicht nur die bei weitem nicht eingehaltene Zahl der Tests an, sondern noch mehr die fehlende Strategie dahinter: "Es ist einfach alles ein reiner PR-Schmäh." Das Hauptproblem für die Tourismusbetriebe sei, es könne keiner beantworten, was ein Unternehmen konkret bei einem positiven Test machen müsse.

Forderung nach Alternativstrategien zu Tests

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) hat am Dienstag in seiner Erklärung zur Corona-Situation angekündigt, bis Ende September ein Gesamtkonzept für die Wintersaison im Tourismus in Abstimmung mit anderen Alpenländern vorzulegen. Schellhorn hat dennoch massive Zweifel, weil Tourismusministerin Köstinger bisher den betroffenen Unternehmen nur Kopfzerbrechen bereite: "Sie bringt nach wie vor maximale Unsicherheit in die Betriebe." Denn, so beklagt er: "Diese Testungen ohne Strategie sind sinnlos."

Der Neos-Wirtschaftssprecher vermisst für die Wintersaison im Tourismus nach wie vor ein Gesamtkonzept von Türkis-Grün: "Es braucht den Mut der Regierung zu sagen, was geht oder was geht nicht." Er befürchtet daher, dass viele Österreicher wegen der von der Regierung verstärkten Unsicherheit im Winter sagen werden, sie würden, statt Skiurlaub zu machen, lieber zu Hause bleiben. Dazu komme, dass das Vorgehen von den einzelnen Bezirkshauptmannschaften in Österreich ganz unterschiedlich gehandhabt werde.

Schellhorn schlägt vor, andere Möglichkeiten zu finden. Bestimmte Bergbahnen würden beispielsweise mit Online-Reservierungen für Tickets über zwei Plattformen für diese Tickets arbeiten. Er könne sich das auch etwa für Reservierungen in Restaurants vorstellen.

"Massive Arbeitslosigkeit" wegen Einbruch im Städtetourismus

Die Sorge des Oppositionspolitikers gilt aber nicht nur dem Wintertourismus, sondern auch der Nachtgastronomie und dem Städtetourismus. "Der Städtetourismus braucht ein anderes Konzept", verlangt Schellhorn. Schon jetzt prophezeit er, dass gerade die wirtschaftlichen Schwierigkeiten in diesem Bereich nachhaltige Konsequenzen in Österreich haben werden: "Es wird eine massive Steigerung der Arbeitslosigkeit geben." Vor allem müsse auch geklärt werden, was mit Betrieben passiere, "die kein Geschäft haben". Auch dafür vermisse er eine vorausschauende Strategie der Bundesregierung. Anschobers Ankündigung für ein Gesamtkonzept für den Wintertourismus vertraut er nach Köstingers "Testflop" jedenfalls nicht.