Alpbach. Das Europäische Forum Alpbach ging am Donnerstag zu Ende. Anders als sonst, war das Tiroler Bergdorf weitgehend menschenleer, das Gros der Diskussionen und Vorträge wurde digital übertragen, physisch anwesend war jeweils nur eine kleine Zahl. Trotzdem fanden in 12 Tagen 300 Sessions statt, streamten 30 Hubs in mehr als 23 Ländern in die Onlinekonferenzen.

Werner Wutscher. - © Luiza Puiu
Werner Wutscher. - © Luiza Puiu

Im Frühjahr 2021 wechselt auch die Leitung: Franz Fischler übergibt die Präsidentschaft nach 12 Jahren an Ex-Erste-Group-Vorstand Andreas Treichl; schon im Herbst folgt auf Philippe Narval als Geschäftsführer der Unternehmer und Investor Werner Wutscher. Die "Wiener Zeitung" sprach mit Wutscher (Bild) über die Zukunft des Forums.

"Wiener Zeitung": Wer weiß, wie es sonst beim Europäischen Forum Alpbach zugeht, der erlebte heuer einen Schock, angesichts der Leere.

Werner Wutscher: Das ist richtig, aber Leere kann manchmal auch Platz für Neues schaffen. Es war von Anfang an klar, dass das heurige Forum Alpbach ein Provisorium und ein Experiment sein wird, das noch dazu extrem schwierig zu organisieren gewesen ist. Das ist dem Team gut gelungen. Die Schlüsselfrage ist aber, was wir fürs kommende Jahr mitnehmen können.

Und zwar was genau?

Klar ist, dass sich die heurige Form nicht wiederholen wird, einfach weil die Pandemie eine Ausnahmesituation geschaffen hat, die wir nicht wollen können. Was wir mitnehmen wollen, sind die guten Erfahrungen mit den Sessionen der Studenten und "young professionals", die hervorragenden Input aus der Schweiz, aus der Steiermark und auch aus Afrika geleistet haben. Das wollen wir weiter pflegen. Ein zweiter Punkt ist, dass die Leute gesagt haben, dass sie heuer so viel Gelegenheit wie nie hatten, um gute und tiefgreifende Gespräche zu führen.

Vielleicht war Alpbach zu hektisch, zu groß und muss sich wieder auf Wesentliches konzentrieren?

Das lässt sich schwer sagen, was aber wohl bleiben wird, ist eine gewisse Skepsis vieler Menschen vor großen Veranstaltungen - und darauf muss auch Alpbach reagieren.

Am Forum hängt aber auch die Wirtschaft eines Dorfes, das früher stets voll ausgebucht war.

Wir sind hier in intensiven Diskussionen mit allen Beteiligten, was aber fix ist, ist, dass die persönliche Begegnung in Alpbach ein Schlüssel des Forums bleiben wird. Das besondere "Alpbach Feeling" muss und wird bleiben, egal, was wir künftig digital alles anbieten werden.