Es wird kein normales Jahr werden, in das die Schulen am Montag in Ostösterreich starten. Das Coronavirus stellt den Betrieb auf den Kopf. Ein Überblick über die Ausgangslage und die Problemfelder.

  • Wie wird der Schulbetrieb dieses Jahr ablaufen?

Der Schulbetrieb hängt an der Corona-Ampel, die am Freitag in Betrieb gegangen ist. Je nach Ampelfarbe werden mehr oder weniger strenge Maßnahmen ergriffen.

Bei Grün herrscht weitgehend Normalbetrieb. Ab der Stufe Gelb gilt eine Mund-Nasen-Schutz-Pflicht außerhalb der Klassenzimmer, zudem gibt es Einschränkungen beim Turn- und Gesangsunterricht. Bei Orange wird ab der 9. Schulstufe auf einen flexiblen Heimunterricht umgestellt. Notbetrieb herrscht bei Rot, Heimunterricht ist dann Pflicht.

  • Wie haben sich die Schulen vorbereitet?

Die Vorbereitungen gestalteten sich für die Schulleitungen im Vorfeld herausfordernd. Erst am Freitag wurden die Ampelfarben und die damit verbundenen Maßnahmen bekanntgegeben. Vorsorglich haben manche Schulen strengere Maßnahmen als vorgeschrieben ergriffen. Im Billrothgymnasium in Döbling und Wasagymnasium im Alsergrund muss auch bei Ampelfarbe Grün außerhalb des Klassenzimmers ein Mund- und Nasenschutz (MNS) getragen werden.

Es sei in der Schule unmöglich, die Abstandspflicht einzuhalten, sagt Johannes Bauer, Direktor des Wasagymnasiums. Die Maske diene dazu, die Schüler zu erinnern, "ein bisschen aufzupassen". Als im Frühsommer die Schüler der Oberstufe wieder in die Schule gekommen sind, sei zeitgleich die MNS-Pflicht gefallen: "Die Schüler hatten das dann nicht mehr auf dem Schirm und haben weniger Rücksicht genommen."

Neben der Maskenpflicht in den Gängen setzt das Billrothgymnasium auf einen speziellen Stundenplan: Die Oberstufenschüler kommen erst zur zweiten Stunde um 8.50 Uhr in die Schule, dafür dauert ihr Unterricht länger. Direktorin Ursula Madl will damit das Gedränge in der Früh und nach der sechsten Schulstunde reduzieren. Zudem habe man für dieses Schuljahr die Turngruppen von Haus aus kleiner angelegt, sagt Madl.

  • In welchen Bereichen hapert es noch?

Unklarheiten gibt es bei Personalfragen. Lehrer können von zu Hause aus unterrichten, wenn sie sich durch die Corona-Krise psychisch zu belastet für die Arbeit in der Schule fühlen. Dazu müssen sie ein ärztliches Attest vorlegen. Ihm sei eine Schule bekannt, wo bereits drei Lehrer vom Arzt in die Heimarbeit geschickt worden seien, sagt Bauer. Auch an seiner Schule gebe es einen Fall, bei dem es noch Unklarheiten gebe, so der Direktor.

Diese plötzlichen Abgänge werfen für die Schulleitungen Fragen auf. Für die Lehrer in Heimarbeit müssten Vertretungen gefunden werden, sagt Madl. Denn dass diese ihre Klassen nur von zu Hause aus unterrichten, werde "eher schwierig". Wer aber Vertretungen in diesem hohen Ausmaß übernehmen könne, sei unklar.

- © M. Hirsch
© M. Hirsch

Schwierigkeiten ortet Madl für den Fall, dass sich die Corona-Ampel zu oft ändert. "Man kann in einem Haus, wo täglich 800 Menschen ein- und ausgehen, nicht täglich andere Regeln haben." Madl hofft daher auf eine gewisse Kontinuität bei den Ampelfarben.

  • Wird es Ausflüge und Schul-Skikurse geben?

Auch das hängt von der Corona-Ampel ab. Ausflüge sind ab der Stufe Orange tabu. Im Billrothgymnasium wurden Sprachreisen vom Herbst in den nächsten Frühsommer verlegt. Bei Schulskikursen gibt es die Überlegung, in kleineren Gruppen zu fahren.

"Wir wollen nicht alles streichen. Es würde mir leidtun, wenn die Kinder manche Erlebnisse nicht haben, die man dann in dieser Form auch nicht mehr nachholen kann", sagt Madl. Direktor Bauer vom Wasagymnasium setzt auf mögliche Schulreisen im Inland - allerdings nur solche, bei denen auch kurzfristige und kostenlose Stornos möglich sind.

Die Planungsunsicherheit ist auch für private Bildungseinrichtungen problematisch. So etwa für das Don Bosco Haus Wien in Hietzing. Die von den Salesianern getragene Einrichtung leidet stark unter den wirtschaftlichen Auswirkungen der Gesundheitskrise. Normalerweise wird das Haus jährlich von rund 4500 Schülern im Rahmen von Projekt- und Orientierungstagen oder Wien-Tagen der Schulen aus den Bundesländern besucht.

Hier habe es einen dramatischen Buchungseinbruch gegeben, sagt Bildungshausleiter Alexander Laimer-Netsch. Wie es im Herbst weitergehe, sei ungewiss. Für das nächste Jahr hofft Laimer-Netsch auf eine Entspannung der Lage, es gebe bereits etliche Umbuchungen auf 2021.

  • Was passiert bei Verdachtsfällen?

Symptome einer Covid-19-Erkrankung und einer Erkältung lassen sich nicht klar unterscheiden. Es wäre unrealistisch, von den Eltern zu verlangen, ihre Kinder wegen eines Schnupfens nicht in die Schule zu schicken, hieß es in einem Brief des Bildungsministeriums an Eltern.

Wenn ein Kind allerdings Symptome zeige, sollten Eltern dessen Körpertemperatur messen. Ab 37,5 Grad Körpertemperatur sei vom Schulbesuch definitiv abzusehen. Im Zweifelsfalle soll das Kind zudem zu Hause gelassen werden, appelliert das Bildungsministerium.

Gibt es in einer Schule einen Verdachtsfall, muss die Schulleitung die Gesundheitsbehörde informieren. Bis zu deren Entscheidung über das weitere Vorgehen wird der betroffene Schüler isoliert und beaufsichtigt. Die Gesundheitsbehörde kann dann entscheiden, den Schüler von den Eltern abholen und die ärztliche Abklärung daheim vornehmen zu lassen oder selbst zu einer weiteren Untersuchung anzurücken. Anhand von Kontaktlisten wird dann auch über die Verhängung von Quarantänemaßnahmen für andere Schüler oder Lehrer entschieden.

Direktorin Madl geht davon aus, dass letztlich "sehr viel Verantwortung" bei den Schulleitungen landen werde: "Es wird Entscheidungen geben, die man rasch nach bestem Wissen und Gewissen treffen wird müssen."

  • Wie ansteckend sind Kinder und Jugendliche?

Die Fallzahlen unter den 15- bis 24-Jährigen sind zuletzt gestiegen. Die Betroffenen zeigen aber meist milde oder gar keine Symptome. Auch kleinere Kinder können sich anstecken und das Virus weitergeben, so die Virologin Judith Aberle von der MedUni Wien. Die Studien zur Viruslast bei Erkrankten zeigten gleich hohe Virus-DNA-Konzentrationen im Rachen wie bei Erwachsenen.

Ob Kinder aber genauso ansteckend sind, sei noch nicht erwiesen. Für das Ansteckungsrisiko spiele die Art und die Zahl der Kontakte eine Rolle und ob die Maßnahmen eingehalten werden, so Aberle. Das zeige ein aktueller Bericht des "Center for Disease Control" über 138 Kinder in einem Camp in den USA. Ohne Einhalten infektionspräventiver Maßnahmen war die Hälfte der 6- bis 10-Jährigen danach mit dem Coronavirus infiziert. Etwa ein Viertel von diesen zeigte gar keine und der Rest nur leichte Symptome. Derzeit laufende Studien sollen ein genaueres Bild von der Ausbreitung des Virus bei Kindern bringen.

  • Wie hat sich die Krise auf die Nachhilfe ausgewirkt?

Großzügig gingen die Schulen im vergangenen Jahr bei der Vergabe der Abschlussnoten vor. Das spüren auch die Nachhilfeinstitute. Bei den Nachprüfungskursen habe man im Sommer einen deutlichen Rückgang verspürt, erklärt Markus Kalina, Regionalleiter für Österreich bei der "Schülerhilfe".

Zugleich sei ab der zweiten Sommerhälfte eine verstärkte Nachfrage nach generellen Sommerkursen zu verzeichnen gewesen: "Da ist schon teilweise die Erkenntnis gekommen, dass die Wissenslücken aus dem Telelearning-Bereich gravierend waren." Für den Herbst geht Kalina wieder von einem stärkeren Bedarf aus - vor allem nach den ersten Schularbeiten.