Wien/Paris. Österreich liegt weiterhin bei den Ausgaben pro Schüler oder Student mit 14.642 US-Dollar (kaufkraftbereinigt) weit über dem OECD-Durchschnitt (10.103 US-Dollar). Das zeigt der jährliche Bildungsreport "Education at a Glance 2020" der Organisation für Zusammenarbeit und Entwicklung OECD, der am Dienstag veröffentlicht wurde. Bei den Bildungsausgaben gemessen an der Wirtschaftsleistung liegt Österreich mit 4,8 Prozent des BIP nur leicht unter dem OECD-Schnitt von 4,9 Prozent. Sehr ähnlich ist auch der Gender-Gap: In Österreich verdient eine 35- bis 44-jährige Frau mit tertiärem Abschluss 74 Prozent dessen, was ein Mann mit gleichem Alter und Berufsabschluss verdient (OECD-
Mittel: 77 Prozent).

Österreich mit kurzen Schulschließungen

Besser gerüstet als andere Länder für das Abstandhalten in Zeiten von Corona sieht die OECD Österreich wegen der Klassengröße. Zumindest dann, wenn andere Räume vorhanden seien. In Österreich sitzen im Schnitt in der Volksschule 18 Kinder in einer Klasse (OECD-Schnitt: 21) in der Sekundarstufen I sind es 21 Schüler (OECD-Schnitt: 23).

Deutlich angestiegen ist seit 2009 die Hochschulabschlussquote - sowohl in Österreich (um 33 Prozent) als auch in der OECD (um 36 Prozent). So verfügen bereits 42 Prozent der 25- bis 34-Jährigen über einen Abschluss im Tertiärbereich (Hochschule oder BHS).

Angeschaut hat sich die OECD in dem gesonderten Bericht "Die Auswirkung von Covid-19 auf die Bildung" die Schulschließungen im Zuge der Corona-Pandemie. Demnach hat Österreich im Frühjahr mit neun Wochen (elf Wochen für Oberstufenschulen) seine Schulen aufgrund der Corona-Pandemie im internationalen Vergleich verhältnismäßig kurz geschlossen. Im OECD-Schnitt waren es 14 Wochen.

Laut dem Bericht sind zwei Staaten mit nur siebenwöchigen Schließdauern ausgekommen - etwa Island. In sechs, darunter auch Österreich, Israel, Dänemark und Norwegen, blieben die Schultore zwischen acht und zwölf Wochen geschlossen. 24 Staaten kamen auf Schließzeiten von zwölf bis 16 Wochen, 13 Länder auf 16 bis 18 Wochen.

Direktoren hielten an Anforderungen fest

Trotz der wochenlangen Schulschließungen aufgrund der Corona-Pandemie haben die Direktoren an den schulischen Standards bezüglich Lernstoff und Unterrichtsinhalten festgehalten. Das zeigt eine im Rahmen einer Studie der Universität Innsbruck durchgeführte Umfrage unter Schulleitern. Ausnahme sind Schulen an "sozialräumlich benachteiligten Standorten" - also Brennpunktschulen.

"Wir sehen in den Rückmeldungen (532 in einer Onlinebefragung, Anm.) der Schulleiterinnen und Schulleiter eindeutig, dass ein Herunterfahren der Anforderungen im Hinblick auf den Schulstoff und die Unterrichtsinhalte abgelehnt wurde", so die Studienautorinnen. Gleichzeitig gab nur ein geringer Teil der Direktoren an, für den Distanzunterricht Unterstützung von Schulerhalter oder Schulaufsicht bekommen zu haben.(apa/pech)