Der Anstieg der Corona-Neuinfektionen in Österreich ist weiterhin besorgniserregend. Von Mittwoch auf Donnerstag wurden 664 Menschen positiv auf Covid-19 getestet. In den vergangenen Tagen waren die Zahlen ebenfalls hoch mit 502 bzw. 520. Am Freitag wird die Regierung bei einer Pressekonferenz erneut die Risikogebiete mittels Ampelsystem präsentieren.

Laut den Zahlen aus dem Innenministerium (Stand 9.30 Uhr) sind aktuell 4.456 Menschen in Österreich mit SARS-CoV-2 infiziert. 748 Personen sind mit oder an den Folgen des Coronavirus verstorben und 26.043 sind wieder genesen. Auch die Zahl der Menschen, die wegen Covid-19 im Krankenhaus behandelt werden müssen, ist von 197 auf 205 angestiegen. Davon müssen 39 Menschen auf der Intensivstation behandelt werden. Das sind um drei mehr als am Vortag. Bisher gab es in Österreich 31.247 positive Testergebnisse.

Die meisten Neuinfektionen gab es erneut in Wien mit 387 Fällen, gefolgt von Niederösterreich mit 94, Tirol mit 64 und Oberösterreich mit 50 Fällen. In der Steiermark fielen 31, im Burgenland 13, in Vorarlberg elf, in Salzburg neun und in Kärnten fünf Corona-Tests positiv aus.

Wien fordert bundesweite Verschärfung

Wien fordert angesichts der stark steigenden Coronavirus-Fälle die Wiedereinführung von strengeren Maßnahmen. Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) hat am Donnerstag im Gespräch mit der APA angekündigt, dies mit dem Bund zu besprechen. Nötig seien entweder neue bundesweite Regelungen oder die Möglichkeit, regional Maßnahmen zu verhängen, erklärte er.

Welche Verschärfungen er als sinnvoll erachtet, wird der Stadtrat morgen, Freitag, nach dem Gespräch berichten, wie er ankündigte. Er deutete jedoch an, dass es zusätzliche Verpflichtungen zum Tragen des Mund-Nasen-Schutzes sowie neue Bestimmungen bei der Höchstzahl von Menschen in Innenräumen oder auch bei Veranstaltungen im Freien geben könnte.

Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) wünscht sich Verschärfungen angesichts steigender Coronazahlen. - © APAweb, Herbert P. Oczeret
Wiens Gesundheitsstadtrat Peter Hacker (SPÖ) wünscht sich Verschärfungen angesichts steigender Coronazahlen. - © APAweb, Herbert P. Oczeret

"Spielregeln" wieder nötig

Die Fallzahlen würden im urbanen Raum, also nicht nur in Wien, unmissverständlich nach oben gehen, warnte Hacker. Darum sei es nötig, die Maßnahmen wieder zu verschärfen: "Wir brauchen einige Spielregeln wieder." Wien sei jedoch im "juristischen Dilemma", die Vorkehrungen nicht selbst treffen zu können.

Möglich wäre laut dem Stadtrat etwa, dass in die jeweiligen Verordnungen ein Passus eingefügt wird, dass abweichende regionale Regelungen getroffen werden können. Hacker wünscht jedenfalls, zusätzliche Maßnahmen abseits des Familienverbands zu schaffen, wie er betonte. Die neue strengeren Maßnahmen sollen also für den Handel oder für allgemein zugängliche Innenräume, aber auch für Zusammenkünfte im Freien getroffen werden.

Mit der Entwicklung der Corona-Ampel sei er nun zufrieden, versicherte der Ressortchef. Denn es seien nach Arbeitsgesprächen mit dem Bund zusätzliche Paramenter eingefügt worden. Berücksichtigt würden nun etwa auch die unterschiedlichen Teststrategien. Wien testet etwa Kontaktpersonen systematisch - womit auch Fälle ohne Symptome aufgedeckt werden, wie im Rathaus betont wird.

Verdachtsfälle in Wiener Schulen

Hacker beteuerte, dass er davon nicht abrücken wolle - auch wenn die Fallzahlen dann rasch sinken würden. Denn dies würde bedeuten, dass viele Infektionen unentdeckt blieben. Er wisse noch nicht, ob die Ampel morgen, Freitag, auf Gelb oder Orange stehen werde, sagte Hacker: "Ich bin auch mit Orange einverstanden. Das soll ja kein Larifariinstrument sein."

Unterdessen wurden in Wien wenige Tage nach Schulbeginn auch einige Fälle in Schulen bekannt. So sollen laut einem "Heute"-Bericht in Hernals zwei Klassen wegen Verdachtsfällen nach Hause geschickt worden sein. In einem weiteren Fall soll ein getesteter Schüler vor vorliegend des Testergebnisses in die Schule gekommen sein. Da er positiv war mussten sich laut dem Bericht die Klassenkollegen bzw. die Lehrer in Quarantäne begeben.

Anschober wartet auf Kommission, Kurz drängt

Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) will die aktuellsten Corona-Zahlen nicht kommentieren, sondern verweist auf die Sitzung der Ampel-Kommission am heutigen Donnerstag. Am morgigen Freitag wird dann veröffentlicht, wie Wien und die restlichen Gebiete bewertet werden. Am frühen Vormittag hatte Anschober aber bekräftigt, dass er derzeit nicht mit "orange" rechne.

Die vielen Neuinfektionen in Wien nährten Gerüchte, wonach die Bundeshauptstadt heute Abend auf "orange" geschaltet werden könnte. Die steigenden Zahlen vor allem in Wien werden auch im Kanzleramt mit Sorge beobachtet. Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP) erwarte sich von der Ampel-Kommission "schärfere Maßnahmen", wie es aus seinem Umfeld zur APA hieß. Kurz verwehrt sich demnach gegen ein "Schönrechnen der Zahlen".

Der Gesundheitsminister äußerte sich bei einem Hintergrundgespräch mit Journalisten Donnerstagvormittag nur zurückhaltend. Gefragt, ob er damit rechne, dass weitere Bezirke und Städte auf "gelb" und Wien gar auf "orange" geschaltet werden, betonte er, er wolle der Kommission nicht vorgreifen. Die Sitzung werde wohl bis tief in den Abend dauern. Aber, so Anschober, noch kurz bevor die aktuellsten Zahlen veröffentlicht wurden: "Ich habe derzeit keine Indizien, dass es in Richtung orange geht."

Was die Kommission am Abend beschließt, sei wie ein "Sachverständigengutachten" für die politische Entscheidungen, die dann getroffen werden, erklärte Anschober. Die Empfehlungen der Kommission bespreche er innerhalb der Regierung, das sei "keine Solo-Entscheidung" des Gesundheitsministers, unterstrich Anschober. Jeden Freitag um 11.00 Uhr, so auch morgen, gibt es dann eine Pressekonferenz. (apa)