Die Auseinandersetzung zwischen den Personalvertretern der Postbuslenker und der zur ÖBB gehörigen Postbus AG steht vor einer Ausweitung. Nach Betriebsversammlungen im niederösterreichischen Hollabrunn am vergangenen Mittwoch, die zu Busausfällen im Frühverkehr geführt haben, sind jetzt weitere gewerkschaftliche Kampfmaßnahmen geplant. Am 7. Oktober wird es in St. Pölten und Krems weitere Betriebsversammlungen geben, "sollten bis zu diesem Termin nicht ehrliche Verhandlungen stattfinden". Diese Entscheidung hat der Zentralbetriebsrat bei der Postbus AG am Montag getroffen, wie der Vorsitzende Robert Wurm der "Wiener Zeitung" mitgeteilt hat. Der Konflikt hat sich wegen der neuen Dienstpläne in Niederösterreich entzündet. Während Personalvertretung und Gewerkschaft von Arbeitszeiten bis zu 16 Stunden pro Tag sprechen, weil Postbuslenker im Früh- und Abendverkehr fahren müssen, betont das Postbus-Management, die Zeit dazwischen sei weder Arbeitszeit noch Bereitschaft.

Mit dem grünen Licht für weitere gewerkschaftliche Protestaktionen signalisiert der Zentralbetriebsrat der Postbus AG vor allem auch, dass er sich durch das Management nicht "einschüchtern" lassen will. Dem Vorsitzenden waren, weil die Betriebsversammlung in Hollabrunn ab 4 Uhr früh den Betrieb nach Ansicht der Postbus AG in unverhältnismäßiger Weise im Frühverkehr gestört habe, mit Schadenersatzansprüchen gedroht worden. "Ich werde mich nicht einschüchtern lassen", versicherte Postbus-Gewerkschafter Wurm. Das Management der Postbus AG hatte in einem Schreiben an Wurm hingegen betont, die Auseinandersetzung um die Dienstpläne der Postbuslenker in Niederösterreich dürften nicht auf dem Rücken von Pendlern und Schülern ausgetragen werden. Der Zentralbetriebsrat will hingegen vor Gericht auch gegen "Einschüchterungen" jener Postbuslenker vorgehen, die am 9. September an der Betriebsversammlung in Hollabrunn teilgenommen haben.

Länger schwelender Konflikt

Insgesamt arbeiten in Österreich rund 3.000 Postbuslenker. Ähnliche Dienstpläne wie nun in Niederösterreich gibt es auch in Salzburg und Tirol. Mitte Juni waren Arbeitskampf noch abgewendet worden. Mit dem Einsatz der neuen Dienstpläne ausgerechnet rund um den Schulbeginn in Ostösterreich hat sich der Konflikt zwischen Postbus-Management und Zentralbetriebsrat deutlich verschärft – samt der nun angedrohten Ausweitung der Kampfmaßnahmen.