"Wir müssen jetzt reagieren, um einen zweiten Lockdown zu verhindern." Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) begründete damit am Donnerstag um 14 Uhr in einer eilig einberufenen Pressekonferenz der Regierungsspitze weitere Verschärfungen der Corona-Maßnahmen ab Montag, null Uhr, um eine noch stärkere Ausbreitung der Neuinfektionen zu vermeiden. Weil sich zuletzt vor allem Ansteckungen bei privaten Kontakten erhöht haben, werden jetzt alle privaten Kontakte, auch bei Feiern, mit höchstens zehn Personen begrenzt, Begräbnisse bleiben ausgenommen. "Soziale Kontakte müssen reduziert werden", sagte Kurz, der bei den Österreicher um Verständnis für die neuen Vorschriften bat.

In der Gastronomie wird vor allem auf Bars und Nachtgastronomie ein verstärktes Augenmerk gelegt. Demnach dürfen Speisen nur mehr im Sitzen eingenommen werden, nicht mehr an der Theke oder Bars. Es dürfen maximal zehn Personen an einem Tisch sitzen. Zuletzt war publik geworden, dass Auflagen wie die Einhaltung der Sperrstunde durch Umfunktionierung in "geschlossene Gesellschaften" umgangen wurden. In Niederösterreich sind etwa zuletzt Corona-Cluster durch Feiern in Lokalen in Zwettl und Krems entstanden.

Generell wird auch das verpflichtende Tragen von Mund-Nasen-Schutz zur Vermeidung von Corona-Ansteckung ausgeweitet. Masken müssen neben allen Geschäften, Apotheken und Öffentlichen Verkehrsmitteln nun auch auf Märkten verpflichtend getragen werden, ebenso bereits bei Zugängen zu öffentlichen Verkehrsmitteln. Der Trend der Corona-Neuinfektionen hält an: Am Donnerstag wurden 780 Neuinfektionen innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Die türkis-grüne Bundesregierung reagierte mit den neuerlich strengeren Maßnahmen auch darauf, dass Deutschland am Mittwochabend für Wien eine Reisewarnung ausgegeben hat und damit Wien auf die rote Liste der Regionen gesetzt hat.

Schwerpunktaktionen der Polizei in Bars

In der Gastronomie wird die Maskenpflicht gegenüber den seit Montag geltenden Vorschriften nochmals ausgeweitet. De facto ist es künftig nur mehr erlaubt, bei der Konsumation beim Sitzen am Tisch keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Wo sich Gäste bewegen, gilt Maskenpflicht. Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) bekräftigte bei dem Presseauftritt mit Kurz, Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) und Innenminister Karl Nehammer (ÖVP), dass nur mehr am Tisch sitzend gegessen und getrunken werden darf. Gleichzeitig stellte die Bundesregierung eine Verlängerung der Senkung der Mehrwertsteuer in der Gastronomie auch für 2021 in Aussicht.

"Das Virus ist leider wieder auf der Überholspur", sagte Nehammer. Kurz hatte zuvor gewarnt, dass die Verschärfungen notwendig seien, um "katastrophale Folgen" für den Wirtschafts- und Sozialbereich, speziell etwa im Tourismus, zu verhindern. Der Innenminister kündigte außerdem an, dass zur Einhaltung der Corona-Auflagen auch in der Nachtgastronomie Schwerpunktaktionen der Polizei in Bars durchgeführt werden. Nehammer erklärte außerdem, dass die Länder noch strengere Corona-Maßnahmen erlassen können.