Das Virus ist nicht weg, ganz im Gegenteil. Das zeigt auch die neue Corona-Ampel. Seit Freitag gibt es kein grünes Bundesland mehr. Die Neuinfektionen mit Sars-CoV-2 steigen weltweit, Israel ist bereits im zweiten Lockdown.

In Österreich wurden von Donnerstag auf Freitag 808 Neuinfektionen gemeldet. Das ergibt 7.447 aktive Erkrankungen um 1.253 mehr als am Dienstag. "Wir befinden uns jetzt an einer Weggabelung. Entweder wir schaffen es, durch eine konsequente Umsetzung der neuen Maßnahmen die Entwicklung stabil zu halten, oder es droht bis Ende September der Wechsel in eine exponentielle Entwicklung", zeigte sich Gesundheitsminister Rudolf Anschober am Freitag äußerst beunruhigt.

Intensivpatienten nehmen zu

Wie schon in den vergangenen Tagen richtet sich der besorgte Blick auf die Hospitalisierungszahl: 334 Menschen waren mit Covid-19 in einem Spital, intensivmedizinisch mussten 62 Patienten versorgt werden, um sieben mehr als am Donnerstag. Innerhalb einer Woche entsprach das - von einem geringen Niveau ausgehend - einem Zuwachs von 51 Prozent, wie Anschober besorgt feststellte. Die Intensivmediziner haben deshalb bereits Alarm geschlagen, obwohl laut Dashboard des Gesundheitsministeriums 714 Intensivbetten verfügbar sind.

Schärfere Maßnahmen

Ab Montag null Uhr gelten verschärfte Maßnahmen in ganz Österreich:

Private Zusammenkünfte oder Feste sind auf zehn Personen beschränkt - mit einer Ausnahme: Begräbnis. In Privathaushalten kann die Regierung keine derartigen Vorschriften machen. Bundeskanzler Sebastian Kurz rät dennoch dazu, auch daheim nicht mehr Menschen einzuladen.

Sperrstunde ist für alle Gastronomiebetriebe - auch für private Klubs - 1 Uhr.

Der Mund-Nasen-Schutz muss ab Montag fast überall getragen werden - im Freien nur auf Märkten und bei Menschenansammlungen -, in der Gastronomie auch von Gästen, wenn sie nicht am Sitzplatz sind.

Bei Nichteinhaltung der verschärften Maßnahmen drohen Strafen bis zu 3.600 Euro für Gäste, die die Sperrstunde nicht einhalten, und bis zu 30.000 Euro für Gastronomen, die sich nicht an die Maßnahmen halten.

Tests auch bei Ärzten?

Auch auf die Hausärzte könnte die neuerliche Ausbreitung des Coronavirus Auswirkungen haben. Denn bisher galt: Wenn man Symptome spürt, die Nummer 1450 anzurufen. Allerdings wird die Wartezeit sowohl am Telefon als auch dann auf einen Test immer länger. Daher rät die Ärztin Susanne Rabady, Mitglied des Expertenrats des Gesundheitsministers, im ORF-"Morgenjournal", dass Tests durch Hausärztinnen und -ärzte durchgeführt oder vermittelt werden sollten, und zwar gratis. "Das ist ein Mittel, das wir unbedingt brauchen", so Rabady. "Man kann nicht ein Fieberkind zwei Tage zu Hause konservieren und sagen: Naja, warten wir einmal auf einen Test." Das gelte genauso für Erwachsene.

Ärzte stünden in der Regel mit einem Labor in engem Kontakt, um Tests auswerten zu lassen. Voraussetzung sei die Schutzausrüstung der Ärzte und ein Abrechnungsmodus mit der Krankenkasse.

Zweiter Lockdown?

In Israel ist die zweite Welle der Ausgangssperren bereits Realität: Die Menschen dürfen sich nur noch in Ausnahmefällen weiter als 1.000 Meter von ihrem Zuhause entfernen.

In Tschechien sind innerhalb von 24 Stunden mehr als 3.000 neue Fälle registriert worden- das sind so viele wie im ganzen Monat März. Gesundheitsminister Adam Vojtech zog die Notbremse: Maskenpflicht in allen öffentlichen Innenbereichen und begrenzte Öffnungszeiten für Bars.

In Großbritannien empfehlen Forscher der Regierung ebenfalls einen zweiten Lockdown - der soll zwei Wochen während der Schulferien im Oktober stattfinden. Gesundheitsminister Matt Hancock nannte einen landesweiten Lockdown das "letzte Mittel der Verteidigung". (pech)