Natürlich ist dieses Jahr anders als sonst", fasst Natascha Ofner, Leiterin eines privaten Kinderhauses in Graz-Umgebung, den - Corona-bedingt - etwas anderen Start ins Kindergartenjahr zusammen. Die Eltern dürfen den Kindergarten nur mehr zu bestimmten Zeitfenstern und mit Mund-Nasen-Schutz betreten, Händedesinfizieren und Lüften gehören für die Kinder dazu wie der Morgenkreis. Aber das ist es nicht, was derzeit im elementarpädagogischen Bereich für Unmut sorgt.

Zum einen stiftet die Schaltung der Corona-Ampel Verwirrung, zum anderen fühlen sich die Kindergartenpädagoginnen vernachlässigt und fordern bessere Rahmenbedingungen. Den Kindergärten ist im bisherigen Verlauf der Corona Krise nicht allzu viel Aufmerksamkeit geschenkt worden. Über die Bestimmungen der Schulen und Universitäten hingegen wurde bereits den ganzen Sommer über diskutiert. Diese Diskrepanz könnte mitunter daran liegen, dass die Zuständigkeit für Kindergärten bei Ländern und Gemeinden liegt, der Bund kann hier nur Empfehlungen geben. Corona-Leitfäden für Kindergärten wurden unterdessen sowohl vom Bildungsministerium als auch von den einzelnen Bundesländern herausgegeben.

Kritik aus den Kindergärten an Vielzahl an Regelungen

Raphaela Keller, Vorsitzende des Österreichischen Berufsverbandes der Kindergarten- und HortpädagogInnen (ÖDKH), kritisiert das Chaos, das durch die Vielzahl an Regelungen entstanden ist. Der Interpretationsspielraum sei einfach zu groß. Keller fordert für die Elementarpädagogik eine einheitliche Vorgabe vom Bund, an der sich die Kindergärten besser orientieren können. Beispielsweise empfehlen die Leitfäden, Kinder mit Symptomen daheim zu lassen. "Aber die Realität ist, dass die Kindergartenleitung entscheiden muss", ärgert sich Keller.

Für Keller rächen sich nun die jahrzehntelangen Personaleinsparungen. Eine Ampelschaltung auf orange, wie sie in sieben Bezirken am Montag vorgenommen wurde, erlaubt eine Durchmischung der Kindergartengruppen eigentlich nicht mehr. Allerdings gebe es in vielen Kindergärten nicht genug Personal, um homogene Gruppen für den ganzen Tag sicherzustellen, so Keller. Für ein Kind, das auch außerhalb der Kernbetreuungszeit, also vor 9 Uhr bzw. nach 14 oder 15 Uhr im Kindergarten ist, sei ein Wechsel der Betreuerinnen oft nicht zu vermeiden. Keller fordert mehr Assistenzkräfte, denn es dürfe keinesfalls passieren, dass der Personalmangel auf die ohnehin belasteten Eltern abgewälzt oder den Kindern gar der Bildungszugang verwehrt wird.

Bildungsminister sieht keinen Bedarf für weitere Maßnahmen

Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) nahm diese Woche zur Situation in den Kindergärten Stellung und verkündete, dass neben den derzeit geltenden Bestimmungen keine weiteren Maßnahmen geplant seien. Nachdem festgelegt worden war, dass die Ampel für Schulen und Unis auf gelb bleibt, erklärte der Minister nun, dass auch Kinderbetreuungseinrichtungen "wie gewohnt weiterlaufen" sollen. Ausflüge sollen unter Einhaltung der Hygienebestimmungen weiterhin stattfinden und gemischte Gruppen, wie sie zu Randzeiten am Morgen und vor allem am Nachmittag oft notwendig sind, beibehalten werden. "Kinder haben bei der Übertragung der Pandemie eine geringere Bedeutung, das gilt insbesondere für kleine Kinder", so Faßmann.

Ähnlich sieht das die österreichische Gesellschaft für Kinder- und Jugendheilkunde (ÖGKJ). Studien zeigten, dass sich Kinder seltener mit dem Corona Virus infizieren und das Virus somit seltener weitergeben. Kinder würden bei der Übertragung keine überdurchschnittlich große Rolle spielen, meint Volker Strenger, AG-Leiter "Infektiologie" der ÖGKJ. Die Statistik bestätige das: Von bisher rund 35.000 positiv getesteten Personen waren rund 500 unter fünf Jahre alt, was 1,4 Prozent entspricht. Außerdem sei bisher kein einziges Kind in Österreich am Corona Virus gestorben, beruhigt die ÖGKJ. Bei Symptomen aber gilt für alle Eltern: "Kranke Kinder bleiben zu Hause."

Forderung nach mehr Förderung

Für Keller hat der Lockdown zumindest eines gezeigt: Gruppen mit sieben bis 15 Kindern wären optimal. Bei dieser Gruppengröße können Kindergartenbetreuerinnen pädagogisch sinnvoll auf die Stärken und Schwächen der einzelnen Kinder eingehen. Dafür bräuchte es jedoch doppelt so viele Elementarpädagoginnen als bisher, so Keller.

Während die Kindergartenpädagoginnen mehr Unterstützung fordern, hat die Stadt Wien ein Sonderförderungsprogramm für private Kindergartenplätze beschlossen. Konkret geht es um 110 Euro Förderung für jeden privaten Kindergartenplatz in Wien, wie Bildungsstadtrat Jürgen Czernohorszky bestätigt. Insgesamt werden sieben Millionen Euro in die Entlastung der Eltern und in die Unterstützung von Wiener Kinderbetreuungseinrichtungen investiert. 67.000 Plätze des Kinderbetreuungsangebotes sind privat und diese Plätze gelte es auch in der Krise langfristig abzusichern, betont Czernohorszky. Außerdem sei es wichtig, "dass die rund 10.000 Arbeitsplätze im Bereich der privaten Kinderbetreuung bestehen bleiben."

Das Wichtigste für Kinder ist Normalität

Die große Bedeutung der Kinderbetreuung kennt auch Natascha Ofner, die Leiterin des Kinderhauses in Graz-Umgebung. Sie berichtet, dass ihr Kinderhaus über den Sommer die Erfahrungen aus der Zeit des Lockdown aufgearbeitet und sich nun gut auf die Situation eingestellt hätte. Am Anfang habe es eine Zeit gedauert, bis die Informationen bezüglich der Ampel da waren, aber mittlerweile hätte man für alle Ampelschaltungen Szenarien erarbeitet. Natürlich sei es eine große Herausforderung, das alles zu organisieren. Das Wichtigste sei aber, den Kindern so viel Normalität wie möglich zu ermöglichen. "Dafür tun wir alles."