Gesund zum Arzt gehen und krank heimkommen - diese Angst hat vermutlich schon so manchen beschlichen, der im überfüllten Wartezimmer zwischen hustenden Patienten eingeklemmt war. In Zeiten der Covid-19-Pandemie könnte eine Ansteckung allerdings fatal enden. Die Österreichische Ärztekammer reagierte daher verhalten auf die Ankündigung, dass der Nationalrat am Mittwoch Gesetzesänderungen beschließen soll, durch die für Patienten kostenlose Covid-19-Tests (Rachen- oder Nasenabstrich) bei niedergelassenen Kassenvertragsärzten und Laboren verankert werden sollen.

Die Krankenversicherungsträger müssen den Ärzten demnach für die Dauer der Pandemie neben den Kosten für die Tests ein Pauschalhonorar zahlen, Zuzahlungen der Patienten werden gesetzlich unterbunden. Der Bund ersetzt den Kassen die Ausgaben aus Mitteln des Covid-19-Krisenbewältigungsfonds.

Bauliche Maßnahmen notwendig

Diese Regelung befürwortete Ärztekammer-Vizepräsident Johannes Steinhart, der auch Bundeskurienobmann der niedergelassenen Ärzte ist, am Dienstag grundsätzlich zwar schon. Er beharrte allerdings auf der Freiwilligkeit für die Ärzte, die auch im Gesetz vorgesehen ist. Denn: "Die Kollegen müssen die Hygienemaßnahmen berücksichtigen und vielleicht bauliche Maßnahmen ergreifen, um die Tests auszulagern." Das sei mitunter schwierig und teuer. Container für die Tests in der Stadt oder Zelte vor den Praxen auf dem Land seien mögliche Lösungen, allerdings alle mit Aufwand verbunden. "Wenn sich die Patienten im Stiegenhaus stauen, wird das auf jeden Fall ein Problem werden", sagte er. Ziel sei, das Infektionsrisiko in den Praxen zu minimieren.

Möglichst schnell und möglichst viel zu testen ist auch in Steinharts Augen sinnvoll. Seiner Einschätzung nach könnten sich etwa 20 Prozent der niedergelassenen Ärzte an den Covid-19-Tests beteiligen.

Laut Eiko Meister, Vizepräsident und Obmann der Kurie Angestellte Ärzte der Ärztekammer Steiermark, wäre diese Beteiligung mit mindestens zwei zusätzlichen Personen pro Ordination verbunden, um den Aufwand für die Tests bewerkstelligen zu können. Zudem fordert Meister, dass das Personal in Risikobereichen dazu verpflichtet wird, regelmäßig selbst getestet zu werden. Sonst könnten die Ärzte, falls sie einen asymptomatischen Krankheitsverlauf haben, ihrerseits zu Überträgern des Coronavirus werden.

Mit heftiger Kritik hat indes die Präsidentin des Hausärzteverbands, Angelika Reitböck, auf die geplanten Covid-19-Tests in den Praxen reagiert. Sie befürchtet, dass jetzt noch mehr Patienten den Arztbesuch meiden werden, um dem Ansteckungsrisiko zu entgehen.

Dass die Patienten den Praxen fernblieben, war vor allem zu Beginn der Pandemie Anfang dieses Jahres ein massives Problem. "Einige niedergelassene Ärzte hatten um bis zu 90 Prozent weniger Umsatz, weil sie ja ihre Miete und Angestellten weiterhin bezahlen mussten", sagte dazu Thomas Szekeres, Präsident der Österreichischen Ärztekammer. Während der Krise seien 90 Prozent der Ordinationen geöffnet gewesen. Der Rest musste aufgrund eines behördlichen Bescheides schließen - zum Beispiel, weil der Arzt selbst erkrankt war oder es einen Verdachtsfall in der Praxis gab. In Wien empfiehlt die MA 15 (Stadt Wien Gesundheitsdienst) den Ärzten, die älter als 60 Jahre alt sind und an spezifischen schweren Vorerkrankungen leiden, nach wie vor, "ihre Ordinationen sicherheitshalber zu schließen, um sich nicht einem erhöhten Risiko auszusetzen".

Lang arbeiten gegen Ärztemangel

Szekeres fordert daher einen finanziellen Ausgleich für alle Ärzte, etwa in Form eines steuerfreien 15. Gehalts. Laut Gesundheitsministerium "muss ein finanzieller Ausgleich für Umsatzverluste einzelner Ärzte vor dem Hintergrund von Fairness bewertet werden", hieß es auf Nachfrage. Auf Basis konkreter Zahlen sollen weitere Gespräche geführt werden.


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Das Wichtigste sei, dass die Versorgung erhalten bleibt, sagt dazu Gesundheitsökonom Ernest Pichlbauer im Gespräch mit der "Wiener Zeitung". Vor allem jetzt, "wenn Covid-19 auf Influenza trifft". Separate Räume und gut eingespielte Isolierungsverfahren für infektiöse Patienten zu schaffen, sei daher essenziell. Die Tests in den Praxen hält Pichlbauer ebenfalls für sinnvoll - allerdings nur dann, wenn bei einem positiven Ergebnis die Rückverfolgung der Kontakte gut funktioniert.

Auf lange Sicht zeigt sich bei der Versorgung allerdings eine gravierende Lücke, so Ärztekammer-Vizepräsident Steinhart: Von den insgesamt 18.753 Ärzten mit Ordination (nicht nur Kassenärzte) werde jeder vierte in fünf Jahren und jeder zweite in zehn Jahren in Pension gehen. Der medizinische Nachwuchs könne dieses Minus nicht kompensieren. Vermutlich auch deshalb, weil rund 40 Prozent aller Medizinabsolventen ins Ausland gehen. Steinhart spricht sich daher für bessere Rahmenbedingungen aus - und auch dafür, das gesetzliche Pensionsalter für Kassenärzte (derzeit bei 70 Jahren) komplett zu streichen.