Der Wiener Neustädter Dom ist weithin sichtbar. Der Mesner ist dort gleichzeitig Beauftragter dafür, dass die von der Bundesregierung verhängten Corona-Maßnahmen samt vorgeschriebenem Präventionskonzept von den Gläubigen im Kirchengebäude eingehalten werden. Das gilt ganz besonders für den 3. Oktober, einen Samstag, wo um 16 Uhr die Firmung stattfindend wird. Vorgesehen ist, wie der "Wiener Zeitung" im Pfarrsekretariat der Probsteipfarre erläutert wird, dass pro Firmlingsfamilie maximal fünf Angehörige die Messe mitfeiern dürfen.

In Wiener Neustadt geht es der Domgemeinde, die zur Erzdiözese Wien gehört, genauso wie zahlreichen anderen katholischen Pfarren in ganz Österreich. Im heurigen Frühjahr wurden Erstkommunion-Feiern und Firmungen ausgesetzt und in der Hoffnung auf eine Besserung der Corona-Situation aufgeschoben. In manchen Pfarren wurden sie schon Anfang September nachgeholt, in anderen stehen sie wie in Wiener Neustadt unmittelbar bevor, teilweise sind die Termine aber auch erst im November. Das alles erfolgt nun unter den inzwischen verschärften Corona-Regeln.

Mund-Nasen-Schutz für jeden Messbesucher

"Wir gehen sehr vorsichtig damit um", wird im Pfarrsekretariat der Wiener Neustädter Domgemeinde versichert. Deswegen wird auch der Firmspender am 3. Oktober, Altprobst Karl Pichlbauer, das Sakrament mit Mund-Nasen-Schutz spenden. Eine Konsequenz ist außerdem, dass Firmlinge aus anderen Wiener Neustädter Pfarren im Dom feiern werden, weil dieser einfach größer als andere Kirchengebäude ist und rund 350 Gläubigen Platz bietet. Allerdings wird bei der Firmung jede zweite Reihe als Vorsichtsmaßnahme vor einer Corona-Ansteckung freigehalten werden. Dafür werden jedoch zusätzlich Sesseln aufgestellt, um etwas mehr Platz zu bieten. Mund-Nasen-Schutz ist für Messbesucher obligatorisch.

Die Kirchenführung, in diesem Fall jene der Erzdiözese Wien, hat noch am Freitag der Vorwoche informiert und klargestellt, dass man "in Absprache mit den staatlichen Stellen" die verschärften Corona-Präventionsmaßmaßnahmen mittragen werde. Die wichtigste Änderung gilt seit Montag dieser Woche: Bei jedem öffentlichen Gottesdienst muss während der gesamten Dauer demnach ein Mund-Nasen-Schutz getragen werden. In vielen Pfarren war das auch schon in den vergangenen Monaten Usus.

Für "religiöse Feiern aus einmaligem Anlass" wie etwa Trauungen und Begräbnisse muss darüber hinaus von der jeweiligen Kirchengemeinde ein Präventionskonzept erstellt und federführend von einem Präventionsbeauftragten umgesetzt werden. Einschränkend kommt bei allen Messfeiern zum Tragen, dass das Singen reduziert werden soll. Gerade das kommt bei Erstkommunion-Feiern oder Firmungen besonders erschwerend hinzu.

In einer Videobotschaft stellte sich Wiens Erzbischof Kardinal Christoph Schönborn hinter die "verantwortungsvollen" Maßnahmen der Bundesregierung. Es gelte vor allem, die Corona-Pandemie mit möglichst wenigen sozialen Kontakten einzudämmen. Ob das nicht unchristlich sei, fragt Schönborn. "Das ist eine Forderung der Nächstenliebe", lautet seine Antwort: "Das ist ein Zeichen, dass wir uns um das Wohl der anderen sorgen."

Premiere für Chef der Bischofskonferenz

Nicht nur das Kirchenvolk ist von den Folgen der Corona-Einschränkungen betroffen. Die diese Woche in Prag geplante Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen muss wegen der hohen Zahl an Corona-Neuinfektionen gerade auch in Tschechien in eine Online-Konferenz umgewandelt werden. Für den Salzburger Erzbischof Franz Lackner kommt es damit am Freitag und Samstag dieser Woche zu einer doppelten Premiere. Er wird erstmals in seiner Funktion als Vorsitzender der Österreichischen Bischofskonferenz, in der er Schönborn abgelöst hat, an den Beratungen teilnehmen. Nun eben online. Thematisch steht auch die Kirchentagung im Zeichen der Corona-Krise und den Perspektiven für Schöpfung und Gemeinwesen.