Der 57-jährige Augenarzt Frank Matt wird der erste grüne Bürgermeister Vorarlbergs. Er setzte sich am Sonntag in Lochau am Bodensee in der Bürgermeister-Stichwahl gegen Amtsinhaber Michael Simma (61, ÖVP) durch. Matt wandelte in der Stichwahl einen Rückstand von 151 Stimmen im ersten Wahldurchgang nunmehr in einen Vorsprung von 224 Stimmen um. Während ihm 1.366 Bürger das Vertrauen aussprachen (54,47 Prozent Stimmenanteil), kam Simma auf 1.142 Stimmen (45,53 Prozent).

Beim ersten Wahlgang am 13. September war Matt noch beinahe sieben Prozentpunkte hinter Simma zurückgeblieben. Schon bei der Bürgermeister-Direktwahl 2015 waren Simma und Matt gegeneinander angetreten. Damals hatte Simma mit einem Stimmenanteil von 59,31 Prozent noch klar die Oberhand gegenüber Matt (26,27 Prozent) behalten und eine Stichwahl vermieden.

Protest gegen Zwentendorf und in der Hainburger Au

Als Politiker hatte Frank Matt von allem Anfang an Erfolg. 2010 führte er die Grünen bei ihrem ersten Antreten in Lochau am Bodensee gleich mit über 23 Prozent Stimmenanteil in die Gemeindevertretung. Umweltpolitisch engagiert hatte er sich aber schon viel länger. Was in einer Jugendgruppe des Naturschutzbundes in Bregenz begann, setzte sich in aktivem Protest in der Hainburger Au und beim Kernkraftwerk Zwentendorf fort. Neben Umweltfragen legte der vierfache Familienvater Matt, der auch ein Enkelkind hat, den Fokus im Wahlkampf 2020 auf Familienfreundlichkeit, leistbares Wohnen und Gemeindezusammenarbeit.

Durch Matt wird das Farbspektrum der 96 Köpfe umfassenden Vorarlberger Bürgermeisterschaft bunter, er gesellt sich zu vorerst zwei SPÖ- und drei FPÖ-Kollegen. Alle anderen Vorarlberger Bürgermeister gehören der ÖVP an oder gelten als bürgerlich.

SPÖ erobert Landeshauptstadt

Der 52-jährige SPÖ-Politiker Michael Ritsch wird Bürgermeister der Landeshauptstadt Bregenz. Er setzte sich in der Stichwahl gegen den amtierenden ÖVP-Bürgermeister Markus Linhart (ÖVP) durch. Ritsch wird damit der erste sozialdemokratische Bürgermeister von Bregenz seit 30 Jahren.

Michael Ritsch wird das dritte sozialdemokratische Stadtoberhaupt von Bregenz, wo von 1970 bis 1990 Bürgermeister der SPÖ regierten. - © APAweb, ELISABETH GUT
Michael Ritsch wird das dritte sozialdemokratische Stadtoberhaupt von Bregenz, wo von 1970 bis 1990 Bürgermeister der SPÖ regierten. - © APAweb, ELISABETH GUT

Herausforderer Ritsch konnte in der Stichwahl 5.460 Stimmen (51,67 Prozent) für sich beanspruchen, der seit 1998 amtierende Bürgermeister Linhart 5.108 (48,33 Prozent). Ritsch und Linhart traten bei diesen Gemeindewahlen bereits zum vierten Mal in der Bürgermeister-Direktwahl gegeneinander an, nach 2005 standen sie sich heuer zum zweiten Mal in einer Stichwahl gegenüber.

Vorarlbergs Landeshauptmann und ÖVP-Landesparteichef Markus Wallner bezeichnete den Wechsel des Bürgermeisteramts in Bregenz von der ÖVP zur SPÖ als "schmerzhaft, da muss man nichts beschönigen". Der Ansporn müsse sein, "das in fünf Jahren wieder zu ändern", und die Arbeit dafür müsse morgen beginnen.

Einen Sieg feierten die Sozialdemokraten auch in Hard am Bodensee. SPÖ-Landesparteichef Martin Staudinger wird neuer Bürgermeister in seiner Heimatgemeinde. Der 41-Jährige erhielt am Sonntag in der Bürgermeister-Stichwahl größeren Zuspruch als Amtsinhaberin Eva Maria Mair (ÖVP). Mit 3.777 Stimmen (67,06 Prozent Stimmenanteil) lag Staudinger deutlich vor Mair. Weil sich Staudinger auf das Bürgermeisteramt konzentrieren möchte, wird er den Parteivorsitz abgeben.

Lecher Langzeitbürgermeister abgewählt

Der Bürgermeister von Lech am Arlberg, Ludwig Muxel (65), abgewählt worden. Nach mehr als 27-jähriger Amtszeit unterlag er seinem Herausforderer Stefan Jochum (54). Während auf Jochum 549 Stimmen (53,56 Prozent Stimmenanteil) entfielen, musste sich Muxel mit 476 Stimmen (46,44 Prozent) begnügen. Die Wahlbeteiligung lag bei 80,64 Prozent (Erster Wahlgang: 81,09 Prozent). Schon im ersten Wahlgang war der Bürgermeister klar hinter Jochum zurückgeblieben.

Nach seinen Vorstellungen hätte Muxel für zwei weitere Jahre auf dem Bürgermeistersessel Platz nehmen und ihn dann abgeben wollen. Die persönlichen Pläne des langjährigen Bürgermeisters wurden aber offenbar vom scharfen Gegenwind bei der Gestaltung des neuen Gemeindezentrums durchkreuzt. Das bereits in Umsetzung befindliche Großprojekt mit Investitionskosten von 38 Millionen Euro und dem Fertigstellungstermin 2022 spaltet die Gemeinde. Jochum punktete bei den Wählern insbesondere mit seiner Haltung, dass das Großprojekt in eine Richtung steuere, die ihm nicht gefalle. Als langjähriger Mitstreiter und Vertrauter von Muxel hatte sich Jochum - er ist der Standesbeamte von Lech - erst im Sommer zur Kandidatur bei der Bürgermeister-Direktwahl entschlossen.

In Feldkirch bleibt Wolfgang Matt (ÖVP) Stadtchef. In Bludenz gewann der 28-jährige Simon Tschann (ÖVP). (apa)